Miss Pompadour – Vom Concept-Store zum Farbimperium mt Sitz im Landkreis Regensburg

Von Heike Haala · 4. August 2024 um 17:14

Astrid Reintjes Unternehmen Miss Pompadour ist bereits eine der Online-Anlaufstellen für Hobby-Heimwerker auf der Suche nach Wandfarbe, Lack oder Streichzubehör. Die Chefin aber hat sich zum Ziel gesetzt, tonangebende Farbfirma in Europa zu werden.

Schon deswegen muss sie wissen, welche Nuancen die Menschen ihrem Zuhause gerade am liebsten angedeihen lassen. Ihre Kunden aus Deutschland, der Schweiz und Österreich beispielsweise scheinen sich in Grün wohler zu fühlen als andere. Menschen aus den Niederlanden bedienen sich laut Reintjes gern am braunen Teil der Palette. Und Franzosen tippen besonders oft auf die blauen Segmente eines ausgeklappten Fächers mit Farbproben.

Grau, Beige, bunt

Lediglich von Zeit zu Zeit verändert sich dieser Geschmack: „Vor fünf Jahren wollten alle zumindest eine graue Wand haben“, sagt Reintjes. Gerade bezaubert Beige die Menschen. In einiger Zeit aber könnte es in den Wohnstuben wieder bunter zugehen. „Jetzt kommen Farben“, prognostiziert die Unternehmerin. Sie ist sich da so sicher, weil sowohl Wohnzeitschriften als auch Möbelhauskataloge inzwischen mit quietschbunten Seiten auftrumpfen. „Es wird noch etwas dauern, bis sich das die ersten an die Wände zu malen trauen“, vermutet sie. Aber dann will sie im Sinne der angestrebten Marktführerschaft vorbereitet sein.

In den vergangenen Jahren hat Reintjes mit dem Unternehmen eine beachtliche Entwicklung gemacht. Was im Jahr 2013 als nach ihren Angaben Regensburgs erster Concept-Store in der Rote-Hahnen-Gasse neben dem Hinterhaus mit Shabby-Chic-Ware begann, ging während der Pandemie als Online-Handel für Farbe durch die Decke.

Heute macht Reintjes 20 Millionen Euro Jahresumsatz und beschäftigt etwas mehr als 90 Mitarbeiter. Die arbeiten beispielsweise im Lager in Laaber, wo am Tag bis zu 1000 Dosen abgefüllt werden, in einem Technik-Hub in Helsinki oder auf dem Campus im Sinzing. Der befindet sich bei den Supermärkten im Gewerbegebiet neben der Autobahnausfahrt. Darin sind die Firmenzentrale mit Besprechungsräumen oder einem Atelier untergebracht. So kann Reintjes am Tag 2000 Pakete an ihre zu 80 Prozent weibliche Kundschaft verschicken. 2022 gewann das Unternehmen sogar den Shop Usability Award 2022, mit dem besonders verbraucherfreundliche Online-Verkäufer ausgezeichnet werden.

Chefin testet Markt aus

Nachdem sich Miss Pompadour vor einiger Zeit aus dem stationären Handel in der Regensburger Altstadt verabschiedet hatte, drängt die Chefin mit ihren Produkten nun wieder in die Geschäfte. Allerdings anders, als es die Regensburger zuletzt von ihr gewohnt waren: Gartencenter statt Hinterhofcharme. Reintjes testet gerade, wie ihre Farben bei diesen Kunden ankommen – zum Beispiel in der Dehner-Filiale in Neutraubling.

Dabei war es zu Beginn dieser Geschichte nicht klar, ob ein Erfolg aus ihr werden würde. „Online galt Farbe damals als nicht verkaufbar“, erinnert sich Reinjes. Zum einen wegen der Logistik: Ob Pink, Lila oder Magenta – geht der Inhalt so eines Pakets kaputt, darf nicht auch der Rest der Ladung im Lieferwagen diesen Farbton annehmen. Deswegen sei die Verpackung aufwendig. „Die Pakete müssen Stürze von 2,5 Meter überstehen“, sagt die Chefin bei Miss Pompadour. Zum anderen bedarf Farbe intensiver Beratung, erklärt sie. Für die sorgt sie per Live-Schalte, im Chat oder auf WhatsApp.

Kein Wunder also, dass sie sich die taffe Französin Miss Pompadour für ihren Markennamen ausgesucht hat. „Sie umgab sich gerne mit schönen Dingen und hat ihren eigenen Stiefel durchgezogen“, erklärt Reintjes.

Gestrichen voll: das Lager in Laaber
Einmal in die Provence, bitte!