Regensburger Gründer mischen Spielzeugwelt auf: Figur soll Kinder vom Bildschirm weglocken

Von Marion Neumann · 30. Juli 2024 um 15:00

Robin Karl, Leonie Illing und Maximilian Hantschel haben das Regensburger Start-Up Curiox gegründet. Sie arbeiten an einem Spielzeug, mit dem Kinder digital spielen, lernen und interaktive Abenteuer erleben können – ganz ohne Handy, Computer, Fernseher oder Playstation.

Beim Rätselspiel müssen Finja und Leo nur kurz überlegen. „Ist der Blauwal das größte Tier der Welt?“, lautet die Frage der Figur, die vor ihnen auf dem Tisch steht. Finja nickt – und klopft mit dem Spielzeug auf die Tischplatte, um mit „Ja“ zu antworten. Als die Schluss-Melodie ertönt, springt sie auf. „Noch mal! Ich möchte noch mal spielen!“, jubelt die Achtjährige.

Diese Reaktion auf den Spielzeug-Test bringt nicht nur Finja, sondern auch Robin Karl zum Jubeln – zumindest innerlich. „Das gerade war das Allerbeste, was man hören kann“, sagt der 32-Jährige zufrieden. Dass Karl das Feedback von Finja und Leo so wichtig ist, liegt daran, dass „Curi“ – die Figur, mit der die Grundschüler spielen – sein eigenes Produkt ist.

Für Kinder von fünf bis zwölf Jahren

Zusammen mit zwei weiteren Gründern, der 25-jährigen Leonie Illing und dem 24-jährigen Maximilian Hantschel, arbeitet Karl seit 2021 daran, ein Spielzeug zu entwerfen, mit dem Kinder digital spielen, lernen und interaktive Abenteuer erleben können – ganz ohne Handy, Computer, Fernseher oder Playstation.

„Es ist erschreckend, wie viel Zeit schon Kleinkinder vor dem Bildschirm verbringen“, sagt Karl, der selbst zweifacher Vater ist. Der Prototyp der Spielfigur, die es in unterschiedlichen Ausführungen geben soll – aktuell testet das Team etwa mit einer Thor-Figur – ist zunächst für Kinder von fünf bis zwölf Jahren gedacht. „Wir wollten ein dynamisches, haptisches Produkt entwickeln, das sich bewegen lässt und mit dem man aktiv spielen kann“, erklärt Illing, die im Studium die Idee hatte, Kinder fern vom Bildschirm zu beschäftigen.

„Kinder brauchen Input“

Im Master Digital Entrepreneurship an der OTH Regensburg lernt die Ingenieurin Karl kennen. Als Hantschel, der an der Hochschule Architektur studiert hat, dazu stößt, nimmt der Plan Form an. „Kinder brauchen Input und Aufmerksamkeit von außen. Sonst wird das Spielen schnell langweilig“, sagt Illing. Aus diesem Grund wolle Curiox ein lebendiges, digitales Spielzeug liefern, das die Fantasie anregt und das man anfassen, schütteln und auf den Kopf stellen kann. „Ganz so, als wäre der Hauptcharakter eines Videospiels plötzlich im echten Leben angekommen.“

Seit der ersten Idee hat sich das Konzept im Laufe der Zeit immer wieder weiterentwickelt und verändert. „Wir haben die Figur in Kindergärten mitgenommen, Game-Testern gezeigt und uns von verschiedenen Stellen Feedback eingeholt – etwa von Eltern“, sagt Karl.

An diesem Tag sind Finja und Leo zum Probe-Spielen in das Büro des Start-ups in der TechBase gekommen. „Wenn man etwas für Kinder entwickelt, kann man nicht mit Skalen arbeiten“, sagt Karl, „man muss sich rantasten und durch Beobachtung lernen“. Doch auch abseits der Weiterentwicklung des Produktes haben die Gründer einen vollen Terminplan. Unter anderem sucht das Start-up nach Sponsoren und Investoren.

Suche nach Investoren

„Wir sind derzeit in ersten Gesprächen“, sagt Illing, die vor allem für die technische Umsetzung zuständig ist, „wichtig ist, jemanden zu finden, der an unsere Vision glaubt“. Noch bis zum Herbst bezieht Curiox das Exist-Gründungsstipendium, ein einjähriges Förderprogramm des Bundes.

Unterstützung bekommt das Team dabei auch vom Start-up Center der OTH. Die Digitale Gründerinitiative Oberpfalz (DGO), die ebenfalls in der TechBase sitzt, helfe zusätzlich beim Vernetzen und Kontakte knüpfen, sagt Karl. Da er einen betriebswirtschaftlichen Hintergrund mitbringt, ist er bei Curiox Experte für Strategie und Marketing. „Auch, wenn es in größeren Städten wie München vielleicht einfacher ist: Regensburg ist in diesem Bereich schon sehr gut aufgestellt. Hier hat sich ein schönes Gründer-Ökosystem entwickelt.“

„Wir arbeiten sechs Tage die Woche“

Für die eigene Sache zu brennen, viel Zeit zu investieren und auch Rückschläge einstecken zu können – das sei für Gründer unerlässlich, erklärt Hantschel, der sich im Team um Kreatives, Konzept und Design kümmert. „Wir haben vorherige Arbeitsverhältnisse beendet und unser ganzes Leben auf dieses Projekt ausgerichtet. Wir arbeiten sechs Tage die Woche – und meistens noch den siebten“, fügt Illing hinzu.

Nach Finjas und Leos Test werden die Prototypen der Spielfiguren im Übrigen bald vor größerem Publikum zum Einsatz kommen. Im August wird Curiox das innovative Spielzeug eine Woche lang im Pop-Up-Raum im Degginger präsentieren – und natürlich ist auch hier ausprobieren erwünscht. „Das Gute ist, dass Kinder immer ehrlich sind“, sagt Karl und lacht.

Termin im August: Mitmach-Stationen im Pop-Up-Raum

Konzept: Rätsel, Action, Geschichten: Mit einer intelligenten Spielfigur will das Start-up Curiox das Spielen revolutionieren. „Jedes Kind träumt davon, dass die Lieblingsspielfigur zum Leben erwacht“, so die Gründer.

Vor Ort: Wie ein solches Spieleerlebnis in der Praxis aussehen kann, können sich Eltern, Kinder und alle anderen Interessenten vom 5. bis 11. August im Pop-Up-Raum im Degginger, Tändlergasse 18, anschauen. Montag bis Samstag von 10 bis 17 Uhr gibt es dort Mitmachstationen, an denen die Curiox-Gründer Spielfiguren zum Testen bereitstellen.

Kontakt: Weitere Infos zum Start-up gibt es online unter www.curiox.de.

Kann die Figur Kinderherzen erobern? Leo und Finja sind schon einmal überzeugt.