Fünf Jahre Volksbegehren: Mehr aktive Landwirte, mehr Rebhühner im Landkreis Neumarkt

Von Michael Schrafl · 26. Juli 2024 um 17:00

Fünf Jahre nach dem Volksbegehren „Rettet die Bienen“ zieht der Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) im Landkreis eine positive Bilanz. Kreisvorsitzender Bernd Söhnlein, Landesvorsitzender Norbert Schäffer sowie Leonie Martinuzzo, Biodiversitätsberaterin am Landratsamt Neumarkt hatten dafür in eine Feldflur von Berngau als gelungenes Beispiel eingeladen.

Wie Schäffer berichtete, seien seit Verabschiedung der neuen Gesetze im Landtag viele Maßnahmen umgesetzt worden. Große Erfolge seien die Ausweisung zusätzlicher Naturwälder, die Neupflanzung zahlreicher Streuobstbäume, die Einrichtung von Gewässerrandstreifen sowie die Erhöhung landwirtschaftlicher Naturschutzförderprogramme.

„Wir stehen nach fünf Jahren Volksbegehren deutlich besser da“, sagte Schäffer. Viel Geld sei seitdem in zusätzliches Personal im Bereich Naturschutz und in Naturschutzmaßnahmen geflossen. So seien zum Beispiel Stellen für Biodiversitäts- und Wildlebensraumberatung geschaffen worden, um vor Ort Ziele des Volksbegehrens zu realisieren.

Doch bei besonders bedeutsamen Zielen wie dem Ausbau des Biotopverbunds (aktueller Stand: zehn Prozent, Ziel bis 2030: 15 Prozent des Offenlandes) und des Ökolandbaus (bis 2030 auf 30 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche) sowie der Reduktion des Pestizideinsatzes (Halbierung bis 2028 ) fehlt bisher noch der große Wurf, sagte der Vorsitzende des LBV-Landesverbands.

Biodiversitätsberaterin Leonie Martinuzzo berichtete, dass immer mehr Landwirte, meist mit kleineren Betrieben, die Vertragsnaturschutzprogramme nutzen und die finanzielle Entschädigung in Anspruch nehmen. „Man muss mit den Landwirten vernünftig reden und sie gezielt beraten. Freiwilligkeit heißt der Weg, der zum Ziel führt.“

Schäffer gibt zu, dass das Volksbegehren anfangs viele in der Landwirtschaft verärgert habe – noch mehr Einschränkungen und Bürokratie, so ihre Befürchtung. Durch viel Überzeugungsarbeit sei bei den Landwirten jedoch ein gewisses Umdenken erfolgt. Der Naturschutz sei finanziell gut ausgestattet. So hätten die Landwirte durch das Volksbegehren auch finanziell gewonnen. „Und das ist gut und richtig so“, sagte Schäffer.

Nach Aussage von Leonie Martinuzzo waren im Jahr 2020 im Landkreis Neumarkt 2000 Flächen mit einer Gesamtfläche von 2300 Hektar im Vertragsnaturschutzprogramm. 1,16 Millionen Euro an Fördergeldern wurden an die Landwirte gezahlt. In diesem Jahr seien es schon 2500 Flächen mit einer Gesamtfläche von 3000 Hektar. Rund 1,5 Millionen Euro werde man voraussichtlich an die Landwirte ausbezahlen.

Wie LBV-Kreisvorsitzender Söhnlein, 2. Vorsitzender Georg Knipfer und weitere Gesprächsteilnehmer übereinstimmend berichteten, sind in der Flur zwischen Neumarkt und Freystadt seit geraumer Zeit wieder mehr bedrohte Vogelarten – Wiesenbrüter – zu beobachten: Dazu gehören Rebhühner, Wachteln, Wachtelkönig, Neuntöter und die Feldlerche. Wichtig sei es deshalb, die Landwirte zu überzeugen, benachbarte Wiesen zu unterschiedlichen Zeiten zu mähen.

Laut Söhnlein müssen die Kommunen noch mehr vom Naturschutz überzeugt werden. Oft mähten sie ihre Grünflächen und Straßenränder zu ordentlich, was sich aber negativ auf die Artenvielfalt der Insekten und Pflanzen auswirke.

Und das Volksbegehren habe nicht nur in Bayern positive Spuren hinterlassen, sondern in ganz Deutschland und in der EU, erklärte Schäffer. Und „das Budget für das Vertragsnaturschutzprogramm des Freistaates wurde zwischenzeitlich verdoppelt, von 50 auf 100 Millionen Euro im Jahr.