Birgit Ferstl verdrückt so manches Tränchen

Am Ende verdrückt Birgit Ferstl das eine oder andere Tränchen. So mancher kleiner Schülerin geht es ebenso. Die Abschiedsparty, die ihr die Schulfamilie an der Grundschule Neustadt a. d. Donau bereitet, beeindruckt sie sichtbar. Da bleibt so manche Umarmung für die scheidende Grundschulrektorin nicht aus.
Acht Jahre leitete Ferstl die Grundschule Neustadt a. d. Donau mit ihren rund 500 Kindern. Die gestalten ihrer Rektorin, die mit 62 Jahren in Pension geht, einen fulminanten Abschied. Dabei ist die Pädagogin schon gerührt, als sie unter dem Applaus von Schülern und Lehrern gemeinsam mit ihrem Ehemann Josef unter den Klängen von „Simply the Best“ in die Sporthalle geleitet wird. „Ihr seid die Besten“, ruft sie deshalb ihrer Schulfamilie zu und formt mit ihren Händen immer wieder Herzchen.
Ob sie sich das als Kind so ausgemalt hat? Auf alle Fälle hatte Ferstl schon sehr früh den Wunsch, Pädagogin zu werden. „Ich war damals in der ersten Klasse total in meine Lehrerin verliebt“, berichtet sie in einer ruhigen Minute im Gespräch mit der Mittelbayerischen. Und trotz zwischenzeitlicher Zweifel auf dem Gymnasium änderte sich die Einstellung nicht mehr – Ferstl studierte Lehramt. Mit ihrer ehemaligen Lehrerin habe sie nach wie vor Kontakt.
Ein Meer aus Luftballons
Nach einer schwungvollen Tanzvorführung der Schülerinnen und Schüler ist die Partygesellschaft im Pausenhof angekommen. Dort gibt es erneut Lieder und Tänze, bei denen das Ehepaar Ferstl fleißig mitmacht. Außerdem lassen die Kinder Luftballons in den Himmel steigen, an denen Kärtchen mit guten Wünschen für die 62-Jährige hängen.
Dann schnappt sich die Noch-Rektorin das Mikrophon: „Einen schöneren Abschied, als diesen von Euch kann man sich nicht wünschen. “ Und „weil Ihr alle meine Engel seid“ erhielt ein jedes Kind, das die Neustädter Schule besucht, ein kleines, himmlisches Geschenk von ihr. Die jeweiligen Klassensprecher holen die kleinen Englein ab, die sich Ferstl für ihre Noch-Schützlinge ausgedacht hat. „Das soll Euch an die Grundschulzeit erinnern – und ein wenig auch an mich.“
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Dann brechen alle Dämme: Eine große Zahl der Grundschulkinder stürmt auf Ferstl zu, so dass es schon einige Zeit dauert, bis sie jede und jeden gedrückt und in den Arm genommen hat, der das will. Wenig später verrät sie im Gespräch, dass sie ein großer Fan von Schullandheimfahrten ist. Bei denen seien ganz besondere Beziehungen zwischen Schulleiterin und einem Teil ihrer Schützlinge entstanden.
Grundsätzlich passt es ganz gut, dass Ferstl ihren Abschied aus dem Schulleben in Neustadt a. d. Donau gibt. „Von 1996 bis 1998 war ich als junge Lehrerin schon einmal hier“, erinnert sie sich. Danach seien viele verschiedene Stationen gefolgt. In Kelheim-Hohenpfahl war sie rund vier Jahre Konrektorin, bevor sie für sieben Jahre als Schulleiterin nach Riedenburg ging. Schließlich erfolgte der Ruf nach Neustadt a. d. Donau.
Für die Kinder ist die Party mittlerweile zu Ende, sie dürfen nach Hause. Die Erwachsenen bleiben in der Schule, denn es folgt noch die offizielle Verabschiedung mit Reden von Vertretern der Schulfamilie, der Schulbehörde und der Stadt.
Noch kein Plan für die Freizeit
Für die Zeit danach mit viel mehr Freizeit daheim als bisher „habe ich mir keinen Plan gemacht“. Sicherlich werde sie sich ein wenig mehr als bisher um den Garten im heimischen Saal a. d. Donau kümmern können. „Und dann all das machen, wozu ich bisher nicht genug gekommen bin.“ Dazu gehören sicherlich Reisen zu Zeiten, in denen die Urlaubsorte nicht so überlaufen sind wie im August.
Zum Abschluss ihres Gesprächs mit der Mittelbayerischen verrät Ferstl noch, dass ihr Nachfolger, der nach den großen Ferien ins von ihr verlassene Schulleiter-Büro der Grundschule einziehen wird, Norbert Nadler ist. Exakt jener Lehrer, der sie schon in Riedenburg beerbt hat, als sie ging.
