„Faire“ Schokolade essen und damit den Regenwald schützen

Abensberg. Dieser Ort hat keinen Name. Es gibt nur eine Ziffern- und Zeichenkombination, mittels der man ihn über das globale Koordinatensystem findet. Man muss da auch gar nicht hin. Viel wichtiger ist die Gewissheit, dass dieser Ort so bleibt wie er ist.
Die Rede ist von Parzelle 5707 im Amazonas-Regenwald, für die das Eine Welt Forum Abensberg eine Patenschaft übernommen hat. Damit trägt es dazu bei, insgesamt 45 Quadratkilometer unberührten Primärwald im Herzen Amazoniens dauerhaft zu schützen. Dieses Projekt ist vom Regenwald-Institut e.V. initiiert worden. Schon seit einigen Jahren steht das Eine Welt Forum Abensberg in lebendiger Beziehung zum Regenwald-Institut, einem in Freiburg im Breisgau ansässigen Verein, der von dem Wissenschaftler Rainer Putz geleitet wird und der die Patenschaften initiiert hat.
Vermutlich wird kaum jemand aus dem Eine Welt Forum jemals persönlich die Patenfläche besuchen. Almut Fuchs-Hofer sitzt vor dem PC und deutet auf eine Karte auf dem Monitor mit vielen grünen Quadraten. Parzelle 5707 ist die, die nun mit Unterstützung aus Abensberg ihren Ursprung bewahren kann. „Unsere hausgemachte Klimaveränderung wird noch dadurch beschleunigt, dass die grüne Lunge der Erde, der Regenwald, immer mehr durch kurzgedachte, naive, wirtschaftliche Ansprüche zerstört wird“, sagt Fuchs-Hofer. Davon abgesehen seien auch die indigenen Bewohner in ihrer Existenz und Identität bedroht. Das geschützte Gebiet liegt am Rio Madeira im brasilianischen Bundesstaat Amazonas und ist von 24 Quadratkilometer (2021) auf 45 Quadratkilometer (2024) gewachsen. Diese Gebiete konnten von Grundbesitzern, wie beispielsweise von einem ehemaligen Gummibaron, erworben werden. „Die Grundstücke sind juristisch und notariell einwandfrei dokumentiert, was in Brasilien sehr selten der Fall ist“, sagt Albert Steber vom Eine Welt Forum, „ somit wird ein Stück Regenwald dauerhaft unter Schutz gestellt und das Regenwald-Institut nutzt es nahhaltig zusammen mit den indigenen Bewohnern einer nahen Dorfgemeinschaft“.
Jeder Pate, also auch das Eine Welt Forum, bekommt einen Link zu seiner Parzelle, mit dem man sich auf Google Maps vor Ort umsehen kann. Viel zu sehen gibt es da allerdings nicht. Das einzige Foto, das Google anzeigt, ist eine Hafenszene von Manicore, der nächsten größeren Stadt am Zusammenfluss des Rio Manicore mit dem Rio Madeira. Der Google Maps-Pfeil bleibt in tiefem Grün stecken, das mit den Patenschaften erhalten bleiben soll. Und das den dort lebenden Menschen eine Perspektive ist.
Mittel- und langfristig geht das Institut davon aus, dass die Dorfbewohner auf Basis der gesammelten Nicht-Holz-Waldrohstoffe und der dadurch generierten Einkommen gleichzeitig für den Schutz des Regenwaldes sorgen. „Der nicht nur ihre, sondern auch unsere Zukunft ist“, wie die Abensberger Forumssprecherin Klara Wirthensohn ergänzt. Kurzfristig sei es die Aufgabe, die Bewohner für diese Art der nachhaltigen Waldnutzung zu gewinnen, sie zu animieren, neben den Paranüssen, Wildkakao auch andere Rohstoffe zu sammeln, ihnen die kontinuierliche und dauerhafte Abnahme zu garantieren und faire Preise dafür zu bezahlen. „Und beim Stichpunkt faire Preise schließt sich wieder der Kreis, denn den Abensbergern unter anderem die Bedeutung der fairen Preise für die Menschen der Einen Welt nahe zu bringen, dafür steht das Eine Welt Forum Abensberg“, so die Sprecherin Klara Wirthensohn. Das Eine Welt Forum ist sich einig, dass dieses Projekt weiterhin von Abensberg aus unterstützt wird, auch wenn es vielleicht erst noch ein Tropfen auf den heißen Stein ist.
Jeder kann mithelfen, wenn er beispielsweise die Abensberg-Schokolade kauft. So ist zum Beispiel die Abensberger Schokolade ein Produkt dieses Projektes. „,Wilder Amazonas‘ ist eine weltweit einzigartige Schokoladen-Création aus wild gewachsenem Kakao“, verdeutlicht Klara Wirthensohn vom Eine Welt Forum, „sie sichert die Existenz traditioneller Waldbewohner in den Regenwäldern Amazoniens und leistet dadurch einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Regenwälder und des Klimas“.
Mehr zu erfahren über das Regenwald-Institut und dessen Arbeit vor Ort im Amazonas-Gebiet gibt es auf www.regenwald-institut.de.

