Den Goldsteig-Käsereien in Cham drohen Eskalation und Streiks

Von Johannes Schiedermeier · 20. Juli 2024 um 06:00

Der Ton wird rauer. Vor den Toren der Goldsteig-Käsereien in Cham findet am Samstag der 3. Warnstreik statt. Die Frühschicht bleibt vor dem Tor. Wenn am Montag keine Lösung auf den Tisch kommt, dann droht die Gewerkschaft mit massiven Streiks in ganz Bayern.

Die Zeichen stehen auf Sturm. Der Landesverband der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) wirft den Arbeitnehmern vor bislang „ziemlich abweisend reagiert zu haben mit einer Mischung aus Vogel-Strauß-Taktik, Ignoranz und Trotz“.

Chamer Vogel-Strauß-Politik

Dabei ordnet NGG-Geschäftsführer Rainer Reißfelder den Chamer Geschäftsführer der Goldsteig-Käsereien scheinbar eher unter die Rubrik „Vogel-Strauß-Politik“ ein. Andreas Kraus habe sich bisher überhaupt nicht geäußert, obwohl er Einfluss habe in den Reihen der Arbeitgeber und einst als Verhandlungsführer aufgetreten sei.

Reißfelder spricht von einer „geladenen Stimmung“ in der Belegschaft, weil einige Sprecher der Arbeitgeber die Streiks als „Brotzeiten“ abgetan hätten, die keinem weh täten. „Dabei wissen wir genau, dass manche Betriebe für jede einzelne Palette, die nicht rausgeht, 250 Euro Strafe zahlen müssen. Und es gehen bei den Streiks viele Paletten nicht raus“, sagt Reißfelder.

Kein Kuhhandel mit der Käserei

Deswegen werde die Frühschicht der Goldsteig-Käsereien am Samstag wieder über die kompletten acht Stunden vor dem Tor Brotzeit machen. Allerdings gilt für Goldsteig in Cham eine besondere Vorsichtsmaßnahme.

Niemand will noch einmal für eine Abwasser-Havarie verantwortlich sein. „Es geht um Lebensmittel. Niemand will, dass Milch weggeschüttet werden muss, oder die Produktion den Bach runtergeht“, sagt der Gewerkschafts-Geschäftsführer. Allerdings habe man sich auch nicht auf einen Kuhhandel mit den Käsereien eingelassen. „Die wollten 70 Prozent der Belegschaft als Notdienst ins Werk lassen. Ich stell mich doch nicht draußen hin und sehe zu, wie 70 Prozent der Belegschaft die Produktion aufrechterhalten. Wir haben 20 Prozent zugestanden. Das reicht aus, um die Milch anzunehmen und vorzubehandeln und die großen Emmentaler-Laibe abzusichern. Ansonsten steht die Produktion“, so Reißfelder.

Es droht ein Intervallstreik

NGG rät den Arbeitgebern, die Situation am Montag nicht eskalieren zu lassen. „Dann geht es nicht mehr mit einer Brotzeit ab. Dann wird gestreikt“, sagt Reißfelder. Wie kann man Goldsteig bestreiken, ohne Lebensmittel zu zerstören oder eine Havarie auszulösen? „Das wird ein Intervallstreik. Wir gehen rein, raus, rein, raus. Und niemand wird wissen, wann das rote Auto wieder vor der Türe steht“, sagt der Gewerkschafts-Geschäftsführer.

Eine zweite Möglichkeit sei die Schlichtung. Wenn die Arbeitgeber merken, dass sie auf keinen grünen Zweig kommen bei den Verhandlungen und ein Streik droht, dann könnten sie einen Schlichter einsetzen. „Das ist aber auch zeitlich befristet auf maximal drei bis vier Wochen, falls man nicht gleich jemanden geeigneten findet“, erklärt Reißfelder.

Belegschaft will Anteil an Rekordumsätzen

Die Belegschaft der Goldsteig-Käsereien steht nun schon zum 3. Mal in wechselnden Besetzungen vor den Toren in Cham. Drinnen werden 24 Stunden lang in drei Schichten und an 365 Tagen im Jahr unter anderem Mozzarella, Almdammer und Emmentaler hergestellt.

Im Hinblick auf diese Leistung und die belastete Situation der Arbeitnehmer sei das derzeitige Angebot der Arbeitgeber von einer Lohnerhöhung von vier Prozent auf zwölf Monate oder 6,5 Prozent auf 24 Monate in keinster Weise ausreichend. Dieses Angebot sei durch die Inflationsraten schon aufgebraucht. Noch dazu habe die Bayerische Milchwirtschaft Rekordumsätze erzielt. „Das trifft auch für die Goldsteigkäsereien zu. Die Bediensteten wollen davon jetzt auch ihren Teil abhaben“, so Reißfelder.

Natürlich wieder Brotzeit

Wie das aussehen soll, hat NGG den Arbeitgebern mehrfach vorgerechnet: 411 Euro brutto mehr für alle Tarifgruppen, Erhöhung der Ausbildungsvergütung um 100 Euro, Laufzeit zwölf Monate und einen deutlich verbesserten Ausbildungsvertrag.

Der Streik soll mit um 6 Uhr beginnen und um 14 Uhr enden. „Natürlich wird es wieder eine Brotzeit geben. Das Wetter wird schön, Sonnenschirme sind da und es gibt genügend Getränke“, sagt der Gewerkschafter. Das soll vermutlich so viel heißen, wie: Das halten wir leicht durch.