Burglengenfelder Gymnasiastin Leni (13) präsentiert ihren ersten Fantasy-Roman

Wer denkt, Jugendliche hätten Büchern heute den Rücken gekehrt und suchten Unterhaltung nur noch in digitalen Sphären, der hat Leni Haug noch nicht getroffen. Die 13-jährige Schülerin des Johann-Michael-Fischer-Gymnasiums in Burglengenfeld (Landkreis Schwandorf) macht gerne Sport, vor allem Leichtathletik und Tanz, aber sie hat auch schon immer eine enge Bindung zum bedruckten Papier.
„Früher hat meine Mama mir viel vorgelesen. Seit ich selbst lesen kann, mache ich es jeden Tag“, sagt Leni. Besonders Fantasy-Geschichten haben es ihr angetan. Dieses Genre öffnet die Tore in geheimnisvolle Welten, die auch übernatürliche, märchenhafte und magische Elemente umfassen.
Inspiriert von der eigenen Lektüre reichte es Leni aber bald nicht mehr aus, nur zu lesen. „Ich habe auch schon immer gerne geschrieben, am Anfang zum Beispiel Kurzgeschichten über Pferde“, erinnert sie sich.
In der 6. Klasse versuchte sie sich dann an Fan-Fiction, also Geschichten, die an ein bereits bestehendes literarisches Werk anknüpfen. In ihrem Fall waren es neue Kapitel zu der beliebten Jugendbuchreihe „Warrior Cats“ von Erin Hunter. Lenis selbst erdachte Abenteuer der Katzenkrieger aus den Büchern schickte sie an Freundinnen, die prompt begeistert waren.
Und plötzlich war die Idee da
Und so reifte der Gedanke, dass sie sich auch an einem ganz eigenen Buch versuchen könnte. „Die Idee dazu kam dann ganz plötzlich“, berichtet die junge Autorin. Der Inhalt sollte sich um zwei Hauptfiguren entspinnen: Ein Jugendlicher und ein Mitglied eines Stammes, der verborgen vor den Augen der Menschen im Wald lebt.
Mit diesen Grundpfeilern der Geschichte im Kopf begann Leni im Januar 2023 mit dem Schreiben ihres Erstlings „Geheimnis des Waldes – Teil 1: Licht und Schatten“. In ihren Protagonisten findet sich die Schülerin auch selbst wieder. Der Menschenjunge erlebt in der Schule Situationen, die auch Leni vertraut sind. Das Mädchen aus dem magischen Stamm verehrt die Natur und lebt mit dieser im Einklang. „Ich bin gerne im Wald“, sagt Leni von sich, „da werde ich immer ganz ruhig und es riecht so gut!“
Erst alles handschriftlich aufgesetzt
Nicht nur zuhause am Schreibtisch oder auf dem Sofa, sondern auch auf dem Campingplatz im Urlaub brachte die Siebtklässlerin Kapitel um Kapitel zu Papier. Tatsächlich entstand der ganze Roman zunächst handschriftlich. Erst gut ein Jahr später begann Leni mit dem Abtippen des Manuskripts. Das Schreiben mit der Hand habe viele Vorteile, sagt die junge Schriftstellerin: „Da kann ich rumstreichen, wie ich will, und ich sehe trotzdem noch, wie ich es zuerst formuliert hatte. Außerdem kann ich nicht so schnell tippen, wie ich schreiben kann.“
An manchen Tagen entstand nur ein Absatz, manchmal ein ganzes Kapitel. Und dann gab es natürlich auch Momente, in denen die Kreativität ins Stocken geriet. „Es gab einen Punkt, da hab ich zwei Wochen gar nicht geschrieben, weil ich nicht wusste, wie ich weitermachen soll“, erinnert sich die 13-Jährige.
Aber die Schreibpause tat gut, und danach ging es flüssig weiter. Schreiben mache ihr Spaß und es falle ihr meist auch leicht, obwohl sie nicht immer zufrieden mit allem sei, was sie zu Papier bringe, so die literaturbegeisterte Siebtklässlerin.
Rückmeldung von Familie und Freunden war wichtig
Ein großer Ansporn während der Entstehung des Buches war auch immer wieder die Rückmeldung von Familie und Freunden: „Mein Opa ist ein begeisterter Leser und Fan.“ Nicht nur er bekam Ausschnitte aus der Grundfassung, auch Lenis Freundinnen wollten immer mehr lesen. Ihre Eltern und Schwester Cleo lieferten zudem hilfreiche Kritik, denn sie meldeten auch zurück, wenn ihnen etwas nicht logisch erschien.
Bestärkt von so viel Zuspruch schickte Leni ein Probekapitel an verschiedene Verlage. Bald gab es eine Zusage: Der Pohlmann Verlag, bei dem Lenis Mutter, Sabine Haug, im letzten Jahr ebenfalls ihr erstes Kinderbuch veröffentlicht hatte, zeigte Interesse.
Dann ging alles ganz schnell und am 21. Juni erschien „Geheimnis des Waldes – Teil 1: Licht und Schatten“. Nun kann Leni also ihren ersten Roman in den Händen halten. Die junge Autorin zeigt sich selbstbewusst: „Ich könnte mir vorstellen, dass einige dann auch auf die Fortsetzung warten.“
Dass es nicht leicht ist, vom Schreiben allein zu leben, ist der 13-Jährigen aber bewusst. Auch wenn sie schon begonnen hat, am zweiten Band der Trilogie zu arbeiten, wird das Schreiben wohl auch in Zukunft ein Hobby bleiben.
Lenis Tip: Nur keinen Druck machen!
Was sie später einmal hauptberuflichen machen möchte, weiß sie noch nicht genau. Lehrerin, der Beruf, den auch ihre Eltern ausüben, ist aktuell jedenfalls in der engeren Auswahl.
Anderen Jugendlichen, die sich im Schreiben probieren wollen, rät Leni: „Keinen Druck machen, denn dazu gibt es keinen Grund. Kreativität kommt nicht auf Knopfdruck. Wenn man keinen Spaß daran hat, sollte man es auch nicht machen.“ Außerdem sei es wichtig, sich nicht zu sehr von der Meinung anderer beeinflussen und sich von Kritik nicht aus der Bahn werfen zu lassen.
Auf die Frage, was sie mit den Einnahmen anstellen möchte, wenn sich das Buch gut verkauft, antwortet die sympathische Siebtklässlerin ganz bescheiden. Zunächst müsse man ja beim Verlag in Vorleistung gehen, und das gelte es erst abzuzahlen. Wenn dann etwas übrig bleibt, möchte Leni sparen und sich irgendwann einen größeren Wunsch erfüllen, wobei die Wünsche häufig wechseln: „Vielleicht eine neue Turnmatte.“