Nicht nur Fußball als Passion: Julian Pollersbeck ist ein wahrer Sport-Freak

Auf die Frage, wie sehr er sich auf den Start freue, antwortet Julian Pollersbeck. „Auf einer Skala von eins bis zehn? Zwanzig!“ Und lächelt.
„Nach einem schwierigen Jahr war mir wichtig, dass ich mich für die sportlich gesehen beste Option entscheide. Ich muss ehrlicherweise sagen, dass ich auch nicht so viele Optionen hatte. Beim Jahn hatte ich sofort ein gutes Gefühl“, erklärt der Neuzugang des Fußball-Zweitligisten – und fügt mit einem Schmunzeln hinzu: „Und die bayerische Luft ist natürlich eine schöne Kirsche auf der Torte.“
In Regensburg hofft der Torhüter, dass seine Karriere wieder Fahrt aufnimmt. Die war zuletzt – auch aus Verletzungsgründen – doch arg ins Stocken geraten. Dem U21-Europameister von 2017 fehlt es massiv an Spielpraxis. Das fehlende sportliche Glück setzte ihm in den vergangenen Jahren auch mental zu. Motivationshilfen hat er sich auf seine beide Unterarme eingravieren lassen. „Never quit“ (gib niemals auf) steht da einerseits geschrieben. Und „Believe in yourself“ (an sich selbst glauben) auf der anderen Seite. Garniert mit einem „H“ links und der Ziffer „12“ rechts. 12, das ist die Trikotnummer, die Pollersbeck bei seinem großen Triumph mit der deutschen U21 hatte.
Hansi als treuer Begleiter
H steht für Hansi. Einen Zwergspitz. Der ist mittlerweile dort daheim, wo Pollersbeck aufgewachsen ist. In Emmerting im oberbayerischen Landkreis Altötting. „Ich wollte Hansi nicht mehr aus dem Umfeld reißen“, blickt Pollersbeck auf 2020 zurück, wo er nach Frankreich zu Olympique Lyon gewechselt ist, nachdem er beim HSV aussortiert worden war. Es war eine schmerzhafte Trennung. „Er ist mir immer als treuer Gefährte beigestanden. Jetzt ist er der beste Freund meines Vaters. Dabei hatte der am Anfang noch gesagt, dass ich nicht meinen brauche, dass sie ständig aufpassen, wenn ich mir einen Hund zulege. Und jetzt sind sie unzertrennlich“, erzählt Pollersbeck und lacht.
Lesen Sie hier: Der Jahn patzt gegen Bayernligist Eltersdorf
In Frankreich hat es ihm auch ohne seinen Wegbegleiter gefallen. „Als ich Französisch gelernt habe und damit die Sprachbarriere vorbei war, war das super.“ Gespielt hat er nach seinem Geschmack aber zu selten. Auch die Leihe nach Lorient war nicht von Erfolg gekrönt. „Sportlich war es dann aber so, dass ich eine Veränderung brauchte. Es ist schwierig, wenn du als Keeper dieses Hoch am Wochenende nicht mehr hast.“ Das setzte ihm sehr zu. „Das hat mich traurig gemacht und war mental für mich schwierig.“ Daraufhin habe er sich dazu entschieden, zu seinem früheren Coach Christian Titz nach Magdeburg zu wechseln. „In der Hoffnung, wieder zu alter Stärke zurückzufinden.“ Der Plan ging aber nicht auf. „Aus den verschiedensten Gründen hat es dort aber auch nicht funktioniert. Als Torwart hast du in einem offenen Konkurrenzkampf ein, zwei Chancen, das Rennen für dich zu entscheiden. Wenn du da aber verletzt bist, dann hast du schlechte Karten“, weiß Pollersbeck.
Der 29-Jährige nimmt aber nicht nur Negatives mit. Ganz im Gegenteil. „Auch wenn es sportlich wirklich nicht gut gelaufen ist, habe ich in mentaler Hinsicht einen Riesen-Step gemacht. Da muss ich auch ein sehr großes Kompliment an meine Frau Julie aussprechen, die mir sehr geholfen hat. Wenn du einen Partner an deiner Seite weißt, dem gegenüber du dich völlig öffnen kannst, dann ist das in einer sehr maskulinen, gefühlsverschlossenen Welt des Fußballs sehr wohltuend. Ich stehe dazu, zu sagen, dass ich eng mit einem Psychologen zusammen gearbeitet habe, weil es mir nicht gut ging. Dadurch habe ich einen anderen Blick auf den Alltag und das Fußballgeschäft und kann vielleicht auch dem einen oder anderen jungen Spieler helfen.“
2018 gehörte auch er noch zu den Jungen. Am 23. September 2018 sah er aber alt aus. „Da hat mir der Sargis Adamyan in der ersten Halbzeit den Ball abgenommen und ihn ins leere Tor geschoben, weil ich wahrscheinlich drei Gedanken gleichzeitig im Kopf hatte“, erinnert sich Pollersbeck an das 0:5 des HSV daheim gegen den Jahn. Ein Ergebnis, das international für Schlagzeilen gesorgt hatte. „Es war für die ganze Mannschaft ein gebrauchter Tag. Jetzt ist es aber irgendwie fast witzig, dass sich ein Kreis schließt. Und weil du gerade 23. September gesagt hast. Das ist ja auch mein Hochzeitstag“, erklärt Pollersbeck, der zwei Mal mit dem HSV gegen den Jahn gespielt und beide Male verloren hat – und grinst.
In sportlicher Hinsicht ist nicht nur Fußball seine Leidenschaft. „Ich bin maximal sportinteressiert. Football, Baseball oder auch Basketball sind ein Riesen-Thema für mich. Ich spiele auch Tennis, seit ich denken kann, weil mein Vater Tennistrainer war.“ Fachsimpeln kann er künftig mit seinem Coach Joe Enochs, dessen Neffe Spencer Torkelson Baseball-Profi in der MLB ist. „Mit Joe habe ich jetzt einen, mit dem ich über Baseball intensiv austauschen kann. Vor drei Jahren habe ich einen Baseball-Podcast ins Leben gerufen. Da werde ich mich künftig wieder mehr involvieren. Das ist meine Passion.“ Wie praktisch, dass Baseballtechnisch auch Regensburg hohes Niveau zu bieten hat. „Bei den Legionären werde ich sooft es geht vorbeischauen. Das finde ich super, dass ich die nun fast vor der Haustür habe.“
Als XXL-Babies im Ally Pally
Auch die kleinen Pfeile haben es ihm angetan. „Ich habe schon immer Darts geschaut. 2017 war ich das erste und bisher einzige Mal mit meinem Dad im Ally Pally in London“, berichtet er. Und das ist in einem sehenswerten Kostüm. „Wir waren als XXL-Babies verkleidet. Das war ein sehr lustiger Abend“, blickt Pollersbeck zurück und lacht. In Sachen Schafkopfen müsse er derweil erst wieder reinkommen. „Ich habe Bene und Sepp aber schon gesagt, dass ich nach einer Kurzauffrischung mit dabei bin.“
In Regensburg wird Pollersbeck künftig zum Teil alleine leben. Seine Frau Julie studiert Schauspiel und macht ihren Master in London fertig. Pollersbeck, der drei Jahre beim Erzfeind der Jahn-Fans in Burghausen spielte, wird sich erst mal hinter Felix Gebhardt anstellen müssen. In Vilzing stand er zum ersten Mal im Jahn-Tor. Dort hat er sich eine Zerrung zugezogen. Die ist nun aber fast wieder ausgeheilt. Davon will er sich seine gute Laune nicht verderben lassen.