Nahverkehr und Müllgebühren geraten im Landkreis Cham weiter unter Druck

Von Johannes Schiedermeier · 16. Juli 2024 um 15:00

Die Kreiswerke können bei Wasser und Abfallwirtschaft auf stabile Entwicklungen verweisen, auch wenn es in Einzelfällen wie dem unberechenbaren Altpapiermarkt zu Schwankungen kommt. Der Nahverkehr bleibt trotz aller Bemühungen ein Problemkind und schreibt alljährlich ein Minus, das der Landkreis ausgleichen muss. 2022 stand unter dem Strich ein Fehlbetrag von 1,75 Millionen Euro.

Das ist kein Einzelfall. 2021 lag der Fehlbetrag mit 1,78 Millionen Euro ähnlich hoch. Dabei hat der Kreistag mit der Einrichtung der Mobilitätszentrale beim Bahnhof viel dafür getan, dass Akzeptanz erhalten wird. Doch manche Dinge entziehen sich dem Zugriff des Landkreises, wie der Kreiswerkausschuss aktuell erfahren musste.

49 Euro-Ticket wird teurer

Landrat Franz Löffler berichtete dort, dass davon auszugehen ist, dass das 49 Euro-Ticket seinen Namen bald nicht mehr verdient. Bei diesem Preis werde es wohl nicht bleiben, angesichts der Tatsache, dass es nur noch 2024 die Zusage gebe, dass die Aufwendungen auf Euro und Cent genau mit Bund und Land abgerechnet werden dürfen. Löffler kritisierte die Lage insgesamt: „Das Deutschland-Ticket kostet alljährlich drei Milliarden Euro, während die Infrastruktur verkommt!“ Werleiter Dr. Klaus Amberger berichtete auch, dass die Arbeit in der Mobilitätszentrale erschwert wird, weil es viele Versuche gibt, sich das Ticket zu erschleichen.

Linien werden zurückgegeben

Bereits in den vorangegangen Sitzungen war der Kreiswerkausschuss damit konfrontiert, dass Busunternehmen ihre eigenwirtschaftlich betriebenen Linien zurückgeben, weil sie nicht mehr rentabel zu betreiben sind. Die Unternehmer begründen diesen Trend it steigenden Energiekosten und der Tatsache, dass es schlicht keine Fahrer mehr auf dem Personalmarkt gibt.

Das führt dazu, dass der Landkreis selbst dafür sorgen muss, dass es auf den Strecken, die er sich wünscht, auch weiterhin Öffentlichen Nahverkehr gibt. Sollte sich auf die EU-weiten Ausschreibungen hin niemand bewerben, bleibt die Aufgabe bei der Mobilitätszentrale hängen. Die setzt bei der Gelegenheit gleich einen Beschluss aus der vorangegangen Sitzung um und schließt Gelenkbusse von der Schülerbeförderung aus. Der Kreistag hatte dieser Maßnahme zugestimmt, weil sich zahlreiche Eltern beschwert hatten.

Insgesamt erschwert das die Situation der Mobilitätszentrale erheblich. So bleiben zwei Korridore des Rufbusses unbesetzt, weil sich niemand beworben hat. Schülerverkehre müssen neu gebündelt und ausgeschrieben werden. Billiger wird es dadurch nicht. Der Landkreis stellt sich darauf ein, dass das zu einer Defizitübername auf Dauer führen wird.

Wertstoffbilanz zunehmend unberechenbar

Die Situation in der Hoheitlichen Abfallwirtschaft (Restmüll, Biomüll...) und auch beim Gewerbemüll ist nach außen hin von recht stabilen Bilanzen geprägt. Allerdings beklagt Kreiswerkeleiter Amberger, dass auch dort die Lage in einzelnen Bereichen zunehmend unberechenbar wird.

Als Beispiel nannte er den Absatz des Altpapiers, wo es plötzlich zu einem hohen Bedarf gekommen sei durch die Insolvenz zweier Papierfabriken. Doch das seien nur kurze Effekte, die schon wieder rückläufig seien.

Amberger würde deswegen gerne den Kalkulationszeitraum für die Gebühren verkürzen, um schneller reagieren zu können. Ende 2024 muss er einen Vorschlag vorlegen, wie die Müllgebühren der Bürger künftig aussehen sollen.

Gebühr-Tendenz nach oben

Eine Tendenz wird aus seiner Wortmeldung schon einmal deutlich – nach oben: „Es schadet nicht, wenn wir nicht sofort mit einem hohen Fehlbetrag in den nächsten Gebührenzeitraum starten“, so Amberger. Der Ausgleich kann nur durch die Gebühren erfolgen, da die Abfallwirtschaft einen geschlossenen Kreislauf darstellt, der finanziell nur durch Senkung und Erhöhung von Gebühren eine Kostendeckung erzielen darf.

Das Kreiswasserwerk hat im ersten Halbjahr 2024 in den Zonen Ost und West mehr als 1,1 Millionen Kubikmeter Trinkwasser geliefert. Trotz der hohen Niederschlagsmengen wurden 10400 Kubikmeter mehr geliefert als im gleichen Zeitraum des Vorjahres Amberger begründet das mit neuen Baugebeten im Bereich von Wassergästen außerhalb des Landkreises, die ebenfalls beliefert werden. Das Trinkwasser sei jederzeit einwandfrei gewesen, versicherte der Werkleiter.