Bürgermeister Boml will Aktualisierung des ISEK-Programms für Nittenau aus dem Jahr 2015 anstoßen

Die Stadt Nittenau wird Prognosen zufolge 2040 gut zehn Prozent mehr Einwohner haben als jetzt. Wie will sie mit diesem Wachstum umgehen? Antworten könnte das umfangreiche ISEK-Programm geben, das der Stadtrat vor zehn Jahren von Experten erarbeiten ließ. Doch ist es überhaupt noch zeitgemäß? Bürgermeister Benjamin Boml (FW) plädiert für eine Überarbeitung des Konzepts. Startschuss für die Erarbeitung des ISEK (Integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept) war ein Stadtratsbeschluss vom 19. November 2013: Damals vergab das Gremium den Auftrag an eine Planungsgemeinschaft aus Architekten, Stadtentwicklern und Beratern. Diese Experten sollten sich ausgiebig mit den Gegebenheiten in Nittenau beschäftigen: Verkehr, Wirtschaft, Arbeiten und Wohnen, Barrierefreiheit, Bildung, Naherholung, Freizeitmöglichkeiten, Hochwasserschutz, Brachen und Leerstände in der Stadt waren zentrale Themen.
Schlecker machte dicht
Vor allem ein Leerstand in der Stadt habe den Nittenauern damals große Sorgen gemacht, erinnert sich der Rathauschef: 2012 machte die Schlecker-Pleite bundesweit Schlagzeilen – und auch die beiden Standorte der Drogeriekette in der Nittenauer Hauptstraße und in der Bayerwaldstraße in Bergham mussten zusperren. Damals, so erinnert sich Boml, sei Nittenau noch nicht als Mittelzentrum, sondern als Grundzentrum eingestuft gewesen – und damit laut Landesentwicklungsprogramm eigentlich zu klein für eine der üblicherweise mindestens 800 Quadratmeter großen Filialen von Drogeriemärkten wie Rossmann oder dm.
Im Zuge der Gespräche über die – mittlerweile geglückte – Ansiedlung eines neuen Drogeriemarktes in Nittenau als Ersatz für Schlecker habe man sich darauf geeinigt, das ISEK erarbeiten zu lassen. Im Dezember 2015 lag es schließlich vor. „Der Stadtrat und die Bevölkerung waren stark involviert“, erinnert sich der Bürgermeister, der damals erstmals für die Freien Wähler im Gremium vertreten war.
Wer sich durch das ISEK lesen will, braucht eine ganze Menge Zeit: Rund 250 Seiten umfasst der Gesamtbericht und enthält umfangreiche Bestandsaufnahmen über den Zustand der Stadt im Jahr 2015. „Die hohe Konzentration der Leerstände“ resultiere nicht nur aus Geschäftsaufgaben, sondern auch aus „den fehlenden Bewegungsflächen in der Altstadt, der verlärmten Hauptstraße und unterlassenem Bauunterhalt“, heißt es im Bericht unter anderem. Der „vielfach zur Begründung herangezogene fehlende Parkraum“ sei nicht zwingend die Ursache, „da auch im Bereich der Angerinsel und der östlichen Hauptstraße trotz großem Stellplatzangebot die Prosperität im Einzelhandel hinkt“ – so lautete damals ein Fazit der Verfasser.
Mittlerweile ist das Nittenauer ISEK rund zehn Jahre alt. Hat die Stadt in den vergangenen Jahren damit tatsächlich gearbeitet, wenn es galt, Entscheidungen zu treffen? „Jein“, sagt Boml dazu. Das würde er aber gern ändern – und hält deshalb eine Aktualisierung des Konzepts für notwendig. Die Stadt sei mittlerweile bei rund 9900 Einwohnern angelangt, das Einkaufsverhalten der Bürger habe sich dank Internet grundlegend verändert und damit auch die im ISEK genannten Bedarfsflächen für verschiedene Bereiche. Auch weitere Rahmenbedingungen in Nittenau sind mittlerweile anders: Die Nordost-Umfahrung gibt es nun, das Baywa-Gelände ist bebaut, für Wohnbebauung auf dem Gelände der Geflügelschlachterei laufen die Planungen – Zeit für ein ISEK-Update also.
Pläne für die Angerinsel
Das betrifft auch einen weiteren wichtigen Aspekt: die Entwicklung der Angerinsel. Hier laufen die Planungen schon lange. Konkret gehe es derzeit um einen großen neuen Spielplatz und einen Biergarten mit Kiosk, sagt Boml. „Den Entwurf würden wir heuer gern vorstellen, aber wir müssen schauen, wie weit wir damit kommen.“