Atemberaubende Arienkunst: Asmik Grigorian bei den Schlossfestspielen

Die Weltklasse-Sopranistin und Tenor Dmytro Popov gestalteten am Sonntag einen hinreißenden Abend bei Thurn und Taxis. Der Auftritt der Sängerin, um die sich gerade alle Häuser reißen, ist auch ein Coup von Veranstalter Reinhard Söll.
Allein ihr klangvoller Name ist schon ein einziges Gemälde und Verheißung. Innerhalb weniger Jahre hat sich Asmik Grigorian in die erste Reihe der großen Opernsängerinnen gesungen, die Fachwelt macht ihre umjubelte „Salome“ bei den Salzburger Festspielen 2018 als den Moment aus, der ihre seither unaufhaltsame Weltkarriere begründet. Längst ist die Sopranistin an den führenden Opernhäusern zuhause, wird mit internationalen Auszeichnungen und Preisen überhäuft.
Es ist zweifellos ein großer Coup von Reinhard und Ludwig Söll als Veranstalter der Schlossfestspiele Regensburg, diese große Sängerin zu den Schlossfestpielen zu locken.
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Als Asmik Grigorian am Sonntagabend die Freiluftbühne betritt, wirkt sie zart, schmal und doch schon sichtlich energiegeladen, weil sie eine Ahnung davon hat, was ihr das bevorstehende Arienrepertoire von Giacomo Puccini und Antonín Dvořák an Ausdruck und technischen Vermögen abverlangen wird. Schon in der ersten Arie aus „Tosca“, in „Vissi d’arte, vissi d’amore“, packt sie alles an Zerrissenheit und Liebesleid in ihre Rolle, führt ihre Stimme durch alle dramaturgischen Finessen einer idealen Ausgestaltung. Was Stimmgewalt betrifft, können andere Größen ihrer Zunft freilich mehr Gas geben – die sängerische Eleganz und Noblesse der jungen Litauerin dürfte derzeit allerdings unerreicht sein.
Die außergewöhnliche Wärme ihres Gesangs, die man gemeinhin nicht zwingend einer hohen dramatischen Opernsängerin zuordnet, schenkt dem berühmten Mondlied aus der Dvořáks Oper „Rusalka“ eine betörende Inniglichkeit, die sich freimacht vom Kitsch des verschwurbelten Nixenmärchens hin zu einer wahrhaftigen Liebesbekundung, die das tragische Scheitern schon in sich trägt.
Grigorian haftet in der Präsenz und Dramaturgie nichts Divenhaftes an, wenn sie von Liebesschmerz und Sehnsucht singt. Immer umweht sie eine emotionale, nie theatralisch überzogene Authentizität im Ausdruck sowie eine künstlerische Demut vor der fantastischen Musik. Fast mühelos, aber doch mit hoher Körperlichkeit führt sie ihre Stimme durch alle Register und alle Dynamiken der Arien spazieren, feilt scheinbar noch im Moment am richtigen Ausdruck, lässt keinen Ton verschenkt.
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Als Duettpartner steht ihr Dmytro Popov zur Seite. Wahrlich kein gefälliger Sidekick oder Sparringspartner für eine nette Operngala einer großen Sängerin, sondern ebenso ein Star, der längst dem Begriff eines „aufgehenden Sterns“ entwachsen ist. Der ukrainische Tenor bewegt sich auf künstlerischer und dramaturgischer Augenhöhe mit Asmik Grigorian, wenn er mit der Arie „E lucevan le stelle“ des Cavaradossi aus der „Tosca“ eine erste sängerische Kostprobe in den Innenhof des fürstlichen Schlosses stellt. Mit der Kraft seiner dramatisch aufgeladenen Stimme weiß er geschickt umzugehen, führt sie ebenso gekonnt in lyrische Passagen seiner Partien, und findet sich immer bestens abgestimmt ein in die Duette mit Grigorian, sei es im großen Schlussduett der Oper „Rusalka“ von Dvořák oder im Duett von Cio-Cio-San & Pinkerton aus Puccinis „Madama Butterfly“ zum Ende des offiziellen Abendprogramms.
Das alles passiert – bestens grundiert und aufbereitet – auf dem Klangteppich der Hofer Symphoniker unter Leitung von Modestas Pitrenas, der mit großem exaltierten Dirigat seine Musiker beständig zur differenzierten Ausgestaltung der mächtigen Partituren antreibt.
Klug gewähltes Programm
Der litauische Maestro wirkt zeitweilig in seiner Körpersprache arg ambitioniert, sein Bemühen um ein bestmögliches orchestrales Ergebnis ist allerdings auch deutlich hörbar: Die Ouvertüre zu Puccinis „La Tregenda“ zu Beginn der Operngala wird zu einem mitreißenden und mit Verve gespielten Opener eines hervorragenden Klangkörpers und unterstreicht klar den berechtigten Anspruch, mehr als nur ein begleitendes Beiwerk zweier Superstars zu sein. Dass das Publikum erst zu Ende des Abends so richtig warm wurde, mag sicherlich auch an der feinsinnigen Repertoireauswahl gelegen haben, die nicht auf Gassenhauer des Opernbetriebs setzte, sondern sich bewusst auf Arien konzentrierte, die den Stimmen der beiden Ausnahmekünstler entsprachen. Die Auswahl folgte zudem einer ausgefeilten Dramaturgie, die dem hohen Qualitätsanspruch an die Gala gerecht wurde. Insofern durfte man es als Zugeständnis an den wunderbar lauen und stimmungsvollen Sommerabend sehen, dass man dem begeisterten Publikum als Zugabe Verdis launiges Trinklied aus „La Traviata“ schenkte.
Mild lächelnd nahm Asmik Grigorian den Jubel entgegen. Mit ihr freute sich ebenso lächelnd der Impresario Reinhard Söll ganz unauffällig am Rand der ersten Reihe. 20 Jahre Schlossfestspiele. Was für eine Leistung. Chapeau!


