Kirchenstreik und Anfeindungen gegen Pfarrer: Der lange Weg zur Pfarrei Falkenstein

Ihr 100-jähriges Bestehen feiert die Pfarrei Falkenstein heuer. Ihre Entstehung bedurfte aber einiger Anläufe und es gab große Widerstände – die in Arrach sogar zu einem Kirchenstreik und zu heftigem Streit zwischen Pfarrer und Bürgermeister geführt haben. Ein Rückblick in bewegte Zeiten.
Schon 1815 wurde der erste Antrag gestellt, in Falkenstein eine eigene Pfarrei zu gründen, erst 1924 (!) kam es dann aber dazu. Die Diözese und die bayerische Regierung haben dies immer wieder verhindert. Dabei ging es unter anderem um die Pfründe, wie der Pfarrer und die Pfarrei versorgt werden können. Die Arracher, wo es schon seit Jahrhunderten eine Pfarrei gab, waren nicht sehr erfreut, doch Pfarrer Dr. Anton Götz hat dafür gekämpft, was ihm den Unmut mancher Pfarrangehöriger einbrachte.
Kirchenstreik 1923
Unter der Überschrift „Kirchenstreik in Arrach“ wurde am 23. Juni im Jahr 1923 in den Regensburger Neuesten Nachrichten über den heftigen Streit berichtet. Der damalige Pfarrer Anton Götz hat Buch geführt, wie auch in der Festschrift anlässlich des Jubiläumsjahres nachzulesen ist: „Ich hätte durch meine Predigt bei der Fronleichnamsprozession am Altare die Leute wieder gereizt; mein unerhörtes Verhalten habe Kirchenverwaltung und Armenrat zum Streiken gezwungen“.
„Schärfstes Misstrauen“
Sie hätten ihre Ämter niedergelegt. Niemand wolle unter diesem Pfarrer noch ein solches Amt annehmen, auch der Gemeinderat wolle nicht mehr mit ihm zusammenarbeiten, berichtete Götz, der sich zuvor großer Beliebtheit in der Pfarrei erfuhr. Am 6. Oktober 1918 hatte ihn die Gemeindeverwaltung Arrach einstimmig zum Ehrenbürger ernannt „in Anbetracht des segensreichen Wirkens in Kirche, Schule und Gemeinde.“ Am 15. Mai 1923 wurde ihm dann von der Vertretung der gleichen Gemeinde wiederum einstimmig „das schärfste Misstrauen“ ausgesprochen.
Warum der Sinneswandel? Der Markt Falkenstein, weitaus die größte Ortschaft seiner Pfarrei Arrach, war nicht die Pfarrei, sondern nur die Filiale, so der Geistliche. Der Pfarrsitz war in Arrach am äußersten Südwestende der ausgedehnten Pfarrei. Schon vor ungefähr 100 Jahren wurde die Verlegung des Pfarrsitzes nach Falkenstein nachweisbar beantragt. Dieser Antrag wurde seitdem oft wiederholt, zum letzten Male im November 1907 kurz vor seiner Berufung als Pfarrer, heißt es in den Aufzeichnungen von Götz.
Aufgrund seiner mehr als 15-jährigen Erfahrung hielt er den Antrag für berechtigt, wählte aber zur Durchführung einen anderen Weg – nicht Verlegung der bestehenden, sondern Erschaffung einer neuen Pfarrei. Die kirchlichen und weltlichen Behörden teilten seinen Standpunkt, die Kirchenverwaltung Arrach hat in ihrem Beschlusse vom 15. Juni 1921 keinen Einspruch dagegen erhoben, die Kirchengemeindeversammlung in Falkenstein, Völling und Umgebung sprach sich schon 1921 und 1923 für die geplante Pfarrei Falkenstein aus.
Als Vorsitzender der Kirchengemeindeversammlung habe er diesen Beschluss durchführen müssen, so Götz. Daraus machte ihm aber die politische Gemeinde Arrach, vor allem der Bürgermeister, einen Vorwurf und sprach ihm „das schärfste Misstrauen“ aus.
Üble Beleidigungen
Gegen den Pfarrer und seine Pläne wurden Unterschriften gesammelt und mit teils sehr unschönen Mitteln gekämpft. Am 8. November 1921 schrieb etwa Bürgermeister Doblinger dem Geistlichen: „Ich betrachte den Vorstand der Pfarrei Arrach als einen Verräter und Betrüger der Pfarrei.“
Tags darauf kam er persönlich in den Pfarrhof, um die schriftlichen Beleidigungen mündlich zu wiederholen und neue hinzuzufügen, so Götz. „Es brauchte ein Vierteljahr, endlose Verhandlungen, die Mitwirkung des Bezirksamtes und Ordinariats, um den Bürgermeister zu einem einigermaßen annehmbaren Widerruf zu bewegen“, hat der Pfarrer notiert.
Ganze Stöße von Akten zum Streit lagen bei den Behörden, bei Bezirksamt, Regierung, Ministerium, Ordinariat, auch im Pfarrhof und in der Gemeindekanzlei zu Arrach. Auch mit Hauptlehrer Bauer gab es einen heftigen Schlagabtausch, der ebenfalls vor den Gerichten endete.
Gründung 1924
Im Jahr 1924 war es aber dann doch so weit, die Streitigkeiten waren beendet und die Pfarrei St. Sebastian Falkenstein wurde gegründet. Über dieses Ereignis hat Rosi Groß vom Pfarrbüro, die zum Jubiläum eine Festschrift maßgeblich mit erstellt hat, allerdings keine Unterlagen in den Archiven finden können.
Am 28. Januar 1925 wurde Pfarrer Götz, der nach Vilsbiburg versetzt wurde, feierlich in einer voll besetzten Kirche verabschiedet. Bürgermeister Neft dankte im Namen der Pfarrgemeinde Götz als „Wohltäter der Armen sowie als unermüdlichem Arbeiter für die Gründung der Pfarrei“.
