Kelheimer Sparkassen-Zweckverband debattiert über Fusion – mit Argumenten und Emotionen

Zwei Reeder, die erfolgreich gemeinsame Sache machen, oder zwei Schiffe auf Kollisionskurs? Mit nautischen Bildern ist im Kelheimer Sparkassen-Zweckverband um das Für und Wider einer Fusion mit Ingolstadt gerungen worden.
Wie berichtet, hat Zweckverband (ZV) Kreissparkasse Kelheim am Donnerstag (11. Juli) den geplanten Fusionsvertrag mit der Sparkasse Ingolstadt Eichstätt gebilligt. 13 Verbandsräte votierten für die geplante „Sparkasse Mittelbayern“, drei dagegen. Zuvor offenbarten mehrere Redner auch emotionale Betroffenheit.
So berichtete ZV-Vorsitzender Landrat Martin Neumeyer von „sehr emotionalen Wochen“ mit „Gerüchten und teilweise Unterstellungen“. Er stellte klar, dass es eine originär Kelheimer Initiative gewesen sei, mit allen umliegenden Sparkassen zu verhandeln.
Erfolglos mit Regensburg, Landshut und Pfaffenhofen verhandelt
Mit Regensburg, Landshut, Pfaffenhofen erfolglos; mit Ingolstadt hingegen sei nun ein „gleichberechtigter Partner“ gefunden. Der Kelheimer Landrat erteilte dem „Lokalkolorit-Denken“ eine Absage. In einem größeren Verbund falle vieles leichter, etwa steigende Eigenkapital-Auflagen. „Da haben wir in Kelheim einfach zu wenig Fett auf den Rippen.“
Auch Sparkassen-Vorstandsvorsitzender Dieter Scholz und sein Stellvertreter Erich Utz hoben Synergien dieser „Fusion zweier kerngesunder Partner“ hervor: für die Bank und ihre Beschäftigten, weil ein größerer, vielseitigerer und attraktiverer Arbeitgeber entstehe, für Kunden dank breiterer und spezialisierter Beratung sowie der Option auf höhere Kreditrahmen.
Auch Scholz wurde persönlich: In einem – unbefristet gültigen – Fusionsvertrag würde schriftlich fixiert, „dass, bis auf eine Handvoll, alle Kelheimer Mitarbeitenden, die keine Führungskräfte sind, in Kelheim bleiben können“. Das habe er zudem auch versprochen. „Es berührt mich schon, wenn man mir das nicht glaubt.“ Personell (und in der Folge bilanziell) auswirken werde sich die Fusion daher erst, wenn künftig nicht mehr alle Ruheständler ersetzt werden, so Scholz.
ZV-Rätin Hannelore Langwieser (CSU) kritisierte, dass „Unwahrheiten und Unterstellungen von wenigen Menschen die gute Stimmung beim Personal untergraben“ habe.
Bürgermeister der Gemeinde Saal an der Donau übt Kritik
Im Gegensatz zu ihr sah Christian Nerb (Freie Wähler) die Fusion nachteilig. Die Kelheimer Sparkasse sei derzeit „eine tolle Yacht mit guter Mannschaft und zufriedenen Passagieren“. Kein Grund also, sich mit „einem dreimal so großen Kreuzfahrtschiff“ zusammenzutun.
Denn dann würde Kelheim z.B. künftig zehn Verbandsräte stellen – die Ingolstadt-Eichstätter Seite hingegen 35 Verbandsräte, also eine 2/3-Mehrheit, so Nerb. Auch seien für jüngere Mitarbeiter die Aufstiegschancen in einer kleineren Bank besser.
Überhaupt sei Kelheim größenmäßig ja bereits „im Mittelfeld der bayerischen Sparkassen“, ergänzte Stadtrat Ludwig Birkl (FW). Für seinen SPD-Kollege Walter Siller war die ablehnende Haltung der Kelheimer Beschäftigten Hauptgrund, Nein zu sagen. Hier müsse mindestens noch im Vertrag nachgebessert werden.
Ohne Fusion drohe dem „Kelheimer Schiff in den nächsten Jahren die Puste auszugehen“, weil den Banken immer schärfere Auflagen drohten, warnte hingegen der Neustädter Bürgermeister und Ex-Banker Thomas Memmel. Kein Experte sehe „die Zukunft von Banken in der Kleinteiligkeit“.
Jetzt Folgen Abstimmungen der Kreistage
Nach dem Zweckverband müssten nun noch alle an der Kreissparkasse beteiligten kommunalen Gremien zustimmen, damit die Fusion zustande kommt. Das sind die Kreistage von Kelheim, Freising und Eichstätt sowie der Stadtrat Kelheim. Die Kelheimer Abstimmungen sind am 22. Juli.