Gärtnern in Zeiten des Klimawandels: So bleibt es auch an heißen Tagen grün

Mehr Hitze, wenig Niederschlag oder heftige Güsse – gerade Hobbygärtner stellt der Klimawandel vor schwierige Herausforderungen. Wie man diese bewältigen kann, erklärt die Neumarkter Kreisfachberaterin für Gartenkultur und Landespflege, Theresa Linhard.
„Gartenbesitzer sind ja die ersten, die merken, dass der Klimawandel real ist“, sagt Linhard beim Treffen im Kreislehrgarten in Loderbach. Ein Hauptanzeichen für eine dauerhafte Erderwärmung sei, dass sich die Zeiten verändern, in denen bestimmte Pflanzen blühen: „Wir sollten uns deshalb nicht mehr auf Kalender verlassen, sondern lieber auf unsere eigenen Beobachtungen im Garten, um die richtigen Zeitpunkte für Saat und Ernte zu finden“, rät Linhard.
Milde Winter, heiße Sommer
Die milden Winter würden dazu führen, dass manche Pflanzen ein ganzes Monat früher blühen. Gleichzeitig kann man Beete im Herbst später abernten. „Das kann manchmal sogar eine Erleichterung sein, weil man mehr Zeit hat“, freut sich Linhard.
Größere Probleme machen dagegen die heißen und trockenen Sommertage. „Klassische Pflanzen wie Hortensie, Geranie oder Phlox werden jetzt arbeitsintensiver, da sie viel Wasser brauchen.“ Auf der anderen Seite können Gärtner nun mit Pflanzen experimentieren, für die es bisher in unseren Breiten zu kalt war, wie etwa Zitronen, Pfirsiche oder Oliven. Aber unabhängig von dem, was angebaut wird, wird die effiziente Nutzung von Wasser in den kommenden Jahren ein großes Thema werden. Der Wechsel von langen Trockenperioden und Starkregengüssen stellt besondere Anforderungen.
Selten, aber durchdringend gießen
„Da ist es besser nicht zu oft zu gießen“, sagt Linhard. „Besser nur einmal die Woche, dann aber wirklich durchdringend.“ Dadurch würden die Pflanzen lernen ihre Wurzeln tief nach unten zu strecken, was die Gefahr des Austrocknens verringert. Sie rät auch dazu, wenn möglich Regenwasser zu nutzen, da es weniger Kalk enthält als Leitungswasser – und zudem noch kostenlos ist. „Große Dächer machen es leicht, hier Vorräte für Nicht-Regen-Zeiten zu sammeln.“ Zusätzlich kann es helfen, die Erde zu mulchen, also die Oberfläche mit Gras oder Stroh zu bedecken, damit weniger Wasser verdunstet.
Naturnah gewinnt
Im Grunde gilt: Je naturnaher ein Garten gestaltet ist, desto größer sind auch die Chancen, dass er mit dem neuen Klima gut klarkommt. Kurzer Englischer Rasen oder gar mit Steinen versiegelte Böden sind anfälliger für die Hitze. Eine vielfältige Wiese mit Blühpflanzen hilft dagegen, den Boden vor Austrocknung und Überschwemmung zu schützen. Zudem bietet sie auch Lebensraum für Insekten. Dabei bedeutet naturnah für Linhard nicht, dass man die Pflanzen einfach so wachsen lässt: „Ein Garten ist immer eine vom Menschen gestaltete Kulturlandschaft. Wenn wir nicht eingreifen würden, hätten wir bald einen reinen Buchenwald, der alles andere überschattet.“
Bäume brauchen Schutz
Sie empfiehlt dagegen eine gute Mischung aus Hecken, Gehölz, Beet und Wiese – und wenn möglich Bäumen: „Es gibt im Sommer keinen besseren Schattenspender“, ist Linhard überzeugt. Allerdings macht auch den Bäumen die Hitze zu schaffen. In manchen Fällen kann es „zu einer Art Sonnenbrand bei Obst oder zu Rissen in der Rinde kommen“. Hier hilft es, die Bäume mit Tüchern zu schützen. Inspirationen für die eigene Gestaltung kann man sich im Kreislehrgarten an der Kirche in Loderbach holen. Er ist kostenlos zugänglich. Gruppen können aber auch Führungen mit individueller Beratung buchen. Ansprechpartnerin dafür ist Susanne Flach-Wittmann vom Kreisverband für Gartenbau und Landespflege unter Telefon (0171)8056725.



