Neustädter wollen Klimawandel mildern

Von Wolfgang Abeltshauser · 12. Juli 2024 um 11:00

Klimaschutz ist in diesen Tagen in vielen Kommunen ein Thema. In Neustadt a. d. Donau hat der Stadtrat jetzt ein wichtiges Projekt dazu angestoßen.

In der Ratssitzung erinnerte Bürgermeister Thomas Memmel (CSU) an die erste Junihälfte, als die Neustädter wieder einmal einem Hochwasser trotzen mussten. In seinen Augen war die nahe Katastrophe eine Auswirkung des Klimawandels. Und so sollte man als Kommune die Dinge tun, die für einen möglich sind.

Und so beschloss der Stadtrat ohne Gegenstimme ein vereinfachtes Flurneuordnungsverfahren für das Heiligenstädter Moos. Schwerpunkt dabei sei der Moor- und Klimaschutz. Ziel ist es, so viele Flächen wie möglich in öffentliches Eigentum zu bringen, um auf ihnen entsprechende Projekte umzusetzen.

Klaus Amman vom beteiligten Landschaftspflegeverband VöF stellte in der Sitzung die Bedeutung des Projekts hervor: „Das Heiligenstädter Moos ist eines der wenigen hochwertigen Niedermoore im Landkreis.“ Moore seien enorm wichtig, wenn es darum geht, Kohlendioxid zu binden.

Zweckverband gab den Impuls

Der Impuls zum Projekt sei laut Amman vom Zweckverband für die Limestherme gekommen, der Flächen im Heiligenstädter Moos besitzt. Der habe angeregt, dass die Kommune sie erwirbt. Dazu passe, dass es bereits jetzt schon ökologisch genutzte Flächen dort gebe. Amman erinnerte daran, dass es vor geraumer Zeit gelungen sei, erste Flächen im Moos dafür zu erwerben.

Es habe bereits Gespräche mit dem Bauernverband und dem Bund Naturschutz gegeben, die positiv verlaufen seien. Die Herausforderung im Heiligenstädter Moos sei, dass es dort viele kleinteilige Flächen gebe, die nicht mehr als tausend Quadratmeter messen würden. Deshalb sei das Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) ins Boot geholt worden, mit dem eine Flurneuordnung umgesetzt werden könne. Erste konkrete Gespräche gab es laut Stadtverwaltung im Frühjahr.

Weidehaltung angedacht

Der Vertreter des ALE Christian Thurmaier und Amman erläuterten eine mögliche Nutzung der Flächen im Rahmen des Projekts. Möglich seien beispielsweise Weide- und Teichwirtschaft. Laut Amman sei durchaus gewollt, landwirtschaftliche Nutzung weiter zu ermöglichen, denn heimische Betriebe müssten gestärkt werden. Klar ist in den Augen von Thurmaier, dass die Moorlagerflächen des Zweckverbandes erhalten bleiben müssen.

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Offene Flächen wie Feucht- und Nasswiesen sollen erhalten bleiben. Dazu habe man einen sanften Tourismus im Blick. Konkret sei denkbar, Wanderwege im Heiligenstädter Moos anzulegen mit entsprechenden Informationen zum Thema.

Thurmaier und Memmel sprachen von einem wachsenden Projekt. Der Bürgermeister erklärte diesen Begriff: Man wolle keinesfalls der gesamten weit über hundert Hektar großen Fläche ein fertiges Konzept überstülpen – und damit den Eigentümern der Areale. Derzeit nennen vor allem die Kommune, der Zweckverband und private Nutzer Flächen dort ihr eigen.

Starten soll das Projekt laut Memmel auf den Flächen, die der Kommune schon gehören, wobei er wie Thurmaier davon ausgeht, dass man die Areale des Zweckverbandes erwerben könne. Insgesamt seien das rund 60 Hektar. Sicherlich hoffe man laut Bürgermeister, dass in Zukunft weitere Grundstückseigentümer Flächen abgeben werden. Er wies darauf hin, dass sie oftmals keinen großen Nutzen an den Flächen haben, weil sie zu klein sind.

Thurmaier ist sich mit Stadtrat Alois Schweiger (Landliste) einig, dass man zu Beginn des Projekts eine große Informationsveranstaltung abhalten sollte, zu der alle Grundstückseigentümer geladen sind. Darüber hinaus würden alle schriftlich über das Vorhaben informiert.

Pflegekonzept ist vorhanden

Thurmaier führte aus, dass mehrere Vorarbeiten notwendig sind, um das Schutzprojekt zu starten. Da sei man bereits auf einem guten Weg, denn beispielsweise der geforderte Pflege- und Entwicklungsplan liegt bereit seit 2022 vor. Und ein Fachbüro sei mittlerweile dabei, den Preisspiegel, der entscheidend ist für die zu zahlenden Kaufpreis, zu erstellen.

Nicht anders als bei einem Bebauungs- oder Flächennutzungsplan müssen bei so einem Vorhaben laut Thurmaier Träger öffentlicher Belange beteiligt werden. Deren Stellungnahmen seien bereits eingeholt. Ein genauer Zeitplan für das Projekt wurde bei der Sitzung noch keiner genannt.

Stadtrat und Hochwasserexperte Bernhard Rieger (SPD) wies darauf hin, dass der Saxierlgraben, der im Hochwasserfall ein wichtiger Entlastungskanal für Neustadt a. d. Donau und Bad Gögging ist, durch das Moos verläuft. Ob es denn Auswirkungen auf den durch das Konzept geben könnte? Amman verneinte das, selbstverständlich müsse der Graben berücksichtigt werden.

So wird das Projekt bezahlt

Für das Projekt gibt es Fördergelder vom Freistaat. Laut Christian Thurmaier vom Amt für Ländliche Entwicklung steht der Fördersatz bei 90 Prozent der Kosten. Den Rest wird laut Bürgermeister Thomas Memmel die Kommune übernehmen. Eine fixe Zusage für 500 000 Euro für den Ankauf von Flächen gibt es bereits für dieses Jahr. Die Summe solle vor allem für neun Hektar verwendet werden, die man vom Zweckverband Bad Gögging erwerben will.

Weitere feste Finanzzusagen gibt es noch nicht. Das Projekt werde aber im Rahmen der vorhandenen Haushaltsmittel unterstützt. Laut Thurmaier müsse man erst einmal sehen, wie sich das Projekt entwickle. Laut Mitteilung der Stadtverwaltung geht man davon aus, dass in den folgenden beiden Jahren jeweils 250 000 Euro ausgegeben werden müssen. Der Stadtrat hat jetzt beschlossen, dass die auf Neustadt a. d. Donau zukommenden Kosten übernommen werden sollen.

Die Moorlager für die Therme befinden sich innerhalb des Projektgebiets.