Aus der „Charlotte“ in der Regensburger Unteren Bachgasse wird das „Lux“

Vom Hochzeitsplaner zum Gastwirt. Lukas Wenniger erfüllt sich mit seinem „Lux“ in Regensburg einen Traum. Eigentlich ist er Betriebswirt, hat das Studium auch abgeschlossen. Doch weil er während des Studiums viel in der Gastronomie gearbeitet hatte, hat er Blut geleckt – und erfüllt sich nun den Traum vom eigenen Laden.
Lukas Wenninger strahlt, wenn er über sein neues Lokal spricht, auch wenn er im Moment nur wenige Stunden Schlaf bekommt: „Wir machen ganz viel in Eigenleistung“, sagt der 24-Jährige. „Das bedeutet auch, dass ich von morgens um 8 bis nachts um 3 im Lokal stehe.“ Das neue Lokal, das Lukas Wenninger mit seinem Cousin Christopher Dick eröffnen möchte, wird gerade kernsaniert. Manche kennen die „Charlotte“ in der Unteren Bachgasse gegenüber vom Orphée. Das Mobiliar, die Inneneinrichtung, ja auch die komplette Küche werden von den beiden Gastwirten derzeit komplett erneuert.
Wenniger erfüllt sich mit seinem „Lux“ einen Traum. Eigentlich ist er Betriebswirt, hat das Studium auch abgeschlossen. „Das hilft natürlich, denn man lernt kalkulieren“, sagt der gebürtige Straubinger. Doch weil er während des Studiums viel in der Gastronomie gearbeitet hatte, hat er Blut geleckt – und erfüllt sich nun den Traum vom eigenen Laden.
Wenninger hat jahrelang in der L‘Osteria gearbeitet. Dort hat er, wie er sagt, das Gastronomie-Geschäft auch von der Pike auf gelernt. „Da arbeitet ein ganz tolles Team, das sind meine Freunde geworden. Man lernt aber vor allem auch, mit Stress umzugehen.“ Guter Service ist für ihn ohnehin ein wichtiger Bestandteil für eine funktionierende Gaststätte. Und genau das möchte er im Lux weiter perfektionieren. „Wir setzen ganz stark auf regionale Produkte. Dazu wollen wir aber auch eine Geschichte erzählen.“ Steht ein Lavendel-Spritz auf der Getränkekarte, dann soll der Service auch erzählen können, was es mit Lavendel auf sich hat – dass Lavendel beruhigend ist beispielsweise. Auch die Herkunft der Speisen soll besonders sein: „Wenn wir gebeizten Hirschrücken anbieten, dann wollen wir dem Gast auch erzählen können, wo die Jagd ist, aus der das Wild stammt.“
Ein Lebenstraum wird wahr
Zunächst möchten die beiden Gastwirte nachmittags eine kleine Karte mit mediterraner Ausrichtung anbieten. Caprese etwa, dazu ausgesuchte Drinks, natürlich die gängigen wie Aperol Spritz, aber auch ausgefallene. Abends soll es dann eine Speisenkarte geben, die mit ausgesuchten, feien Speisen versehen sein wird. „Wir werden viel mit Tagesempfehlungen arbeiten und mit einer Monatskarte“, sagt der 24-Jährige. „Weniger ist mehr.“
Das große Glück eines Kochs – der Fachkräftemangel ist in der Gastronomie riesig – hat sich der gebürtige Niederbayer im wahrsten Sinne des Wortes erarbeitet. „Ich habe auf dem Oktoberfest gekellnert und da habe ich unseren neuen Koch kennengelernt.“ Der will sich ebenfalls einen Traum erfüllen, indem er in einem neuen Objekt eine Karte kreiert.
Wenningers Weg in die Gastronomie führte auch über die Veranstaltungsbranche. Einerseits wollte er eigentlich eine Gaststätte mit Kabarett-Bühne ins Auge fassen. Doch er arbeitete ein paar Jahre neben dem Studium in einem ähnlichen Sektor, der es in sich hat. „Ich war Hochzeitsplaner“, sagt der Niederbayer und lacht. „Da erlebt man so einiges.“ Ihm habe es aber großen Spaß gemacht, Hochzeiten zu planen. Von der Location über das Essen bis hin zum DJ – all das aus einer Hand zu bekommen, ist für viele Paare, die den wichtigsten Tag ihres Lebens mit den wichtigsten Menschen in ihrem Leben zelebrieren wollen, eine Erleichterung. „Manchmal waren gerade die Bräute schon anstrengend“, verrät Wenninger. „Aber ich kann das auch verstehen: Der Tag ist ihnen einfach sehr wichtig.“ Wie bei so vielen Menschen, die in der Veranstaltungs- und Gastrobranche unterwegs sind, stellte auch für ihn Corona eine Zäsur dar. Plötzlich fielen Hochzeiten und andere Veranstaltungen weg. Das führte ihn in die Gastronomie, wo er sich so wohl fühlte, dass er nun ein eigenes Lokal eröffnet.
Das Haus in der Unteren Bachgasse, in dem bisher die Charlotte und bald das Lux untergebracht ist, ist ein besonderes. Dort befand sich die alte Synagoge, die von der Gemeinde zwischen 1841 und 1907 genutzt wurde. Die Nazis ließen sie abreißen. Deshalb steht an der Stelle nun ein Flachbau von 1946, der schlicht ist und eines der wenigen Gebäude, die nicht unter Denkmalschutz stehen. Blickt man auf das Gebäude, befindet sich dahinter der mächtige Goldene Turm der Wahlenstraße. Wenninger sagt, was sein großer Traum wäre: „Hier auf dem Dach eine kleine Dachterrasse, das wäre wirklich super.“ Ob das eines Tages möglich sein wird, ist offen. Derzeit hofft er auf die Genehmigung der bisherigen 24Freisitze, die vor der „Charlotte“ genutzt werden konnten. Die Genehmigung steht noch aus, soll aber bald kommen.
Eine tolle Gemeinschaft
Was der Neu-Gastronom besonders schätzt, ist die Nachbarschaft. Da sind zum einen die Gastronomen. „Regensburg hat eine unglaublich vielfältige Szene“, meint er. Die Gäste im Klassiker Orphée, eine Gaststätte, die inzwischen so kultig ist, dass sie im Merian-Heft über Regensburg Erwähnung findet, ist eine Kategorie für sich. Wenninger glaubt auch, dass sich die Gaststätten wie das Sticky Fingers von Sternekoch Anton Schmaus (Storstad) und seine Weinbar, die in poppigen Farben eingerichtet ist, keine Konkurrenz machen. „Da findet jeder sein Publikum“, ist er sich sicher
Die Nachbarschaft ist ihm deshalb so vertraut, weil er selbst seit Jahren in der Unteren Bachgasse lebt. Die Einzelhändler dort erlebt er als Gemeinschaft. „Da hilft jeder jedem.“ Die Lage sei genau das Besondere, was er gesucht hat für sein Gastro-Projekt. Dafür nimmt er auch in Kauf, dass er als gebürtiger Straubinger heuer das Gäubodenfest verpassen wird.