Mit 200 Mitgliedern: Hospizverein Schwandorf begleitet seit 20 Jahren Menschen auf ihrem letzten Weg

Von Renate Ahrens · 9. Juli 2024 um 11:00

„In Würde leben bis zuletzt.“ Diesen Leitgedanken haben sich vor 20 Jahren Angela Krüger, Irmgard Schlesinger und Elvira Hastreiter zu Herzen genommen und einen Hospizverein Stadt und Landkreis Schwandorf initiiert. Unabhängig von anderen Institutionen.

Gegründet wurde der Verein am 5. Juli 2004. Am vergangenen Samstag feierte man mit Ehrengästen sowie zahlreichen Hospizbegleitern und Mitgliedern fröhlich das Jubiläum in der Spitalkirche. Denn im Verein gehe es keineswegs immer todtraurig zu, wie die Erste Vorsitzende Gisela Pöhler betonte . Sie bedankte sich bei den Hospizbegleitern: „Ohne Sie könnten wir nicht machen, was unsere Herzensangelegenheit ist.“

Tod den Schrecken nehmen

Rund 200 Mitglieder zählt der Verein heute, 75 davon sind ausgebildete Hospizbegleiter. Berührend war die Feier allemal. Die Endlichkeit des Lebens wurde den Gästen bei den Gesprächen, bei vorgetragenen Gedanken und bei Musikstücken bewusst.

Das sei auch eine Intention der Hospizarbeit: Nicht nur anderen helfen, sondern sich mit dem eigenen Leben beschäftigen, erklärte Michaela Koller, hauptamtliche Koordinatorin. „Man erlebt bei der Arbeit mit Sterbenden andere Facetten des Lebens, und es wird einem klar, was wirklich wichtig ist.“

Die beiden Hospizbegleiterinnen Simone Frank und Angela Krüger sowie Koordinatorin Koller berichteten unter der Moderation von Manuel Krüger offen über ihre Erfahrungen und auch über die Anfänge des Vereins.

Diese sei damals nicht einfach gewesen, gestand Krüger. Vieles habe man erreicht in den 20 Jahren, und erst kürzlich erlebte man mit dem Einzug des Vereinsbüros in das stationäre Bruder Gerhard-Hospiz in Schwandorf einen weiteren Meilenstein. Inzwischen bilde man auch Trauerbegleiter aus und gebe „Letzte Hilfe-Kurse“, denn die Unterstützung der Angehörigen und Hinterbliebenen sei ebenfalls sehr wichtig.

Man wolle dem Tod den Schrecken nehmen – noch immer sei er ein Tabuthema, bedauert Koller. Sie selbst sei als kleines Kind von ihrer Oma an der Hand genommen worden und zum toten Opa geführt worden. Das Sterben gehöre zum Leben, es sollte selbstverständlich sein, daran habe sich nichts geändert, und das wolle man den Menschen bewusst machen.

Bei Simone Frank war dies überhaupt der Grund, sich zur Hospizbegleiterin ausbilden zu lassen: „Meine Motivation war die Angst vor dem Thema Sterben und es betrifft schließlich jeden. Also habe ich es aktiv angegangen“, berichtet sie offen. Viel bekomme man zurück. „Die Sterbenden schenken uns ihre wertvollste Zeit und ihr Ohr.“ Denn Hospizarbeit, so erfuhr Frank, sei geprägt von Dankbarkeit.

Angela Krüger stimmte ihr zu: „Seit ich mich mit dem Tod beschäftige, lebe ich besser und bewusster. Ich kann mich an kleinen Dingen erfreuen, und das Lächeln der Sterbenden ist unser schönster Lohn.“ Vermeintlich Wichtiges, wie Statussymbole oder Erfolg im Beruf, werde zweitrangig, fügte Koller hinzu. Hospizarbeit sei sehr bereichernd für das eigene Leben. Denn am Bett des Todkranken müsse man sich auf das Wesentliche besinnen, so Frank, der ihre eigene Familie nach einer Hospizbegleitung wieder Kraft gebe. Ihre wichtigste Erfahrung bei dieser Aufgabe sei: „Am Schluss wird alles gut.“ Somit habe sich ihre anfängliche Intention erfüllt.

Viel gelacht mit kleinen Tränen

Oberbürgermeister Andreas Feller (CSU) dankte allen Ehrenamtlichen des Hospizvereins. „Ich ziehe meinen Hut vor Ihnen. Sie leisten sehr wichtige Arbeit, nicht jeder kann sie machen.“

Auch Willy Knödlseder, Vorsitzender des Bayerischen Hospiz- und Palliativverbandes, war voll des Lobes. Man könne es nicht hoch genug schätzen, wenn Menschen anderen in ihrer letzten Lebensphase zur Seite stünden.

Bewegend war auch der musikalische Teil. Um das Leben ging es bei Liedern in Mundart von Hubert Treml, Franz Schuier und Christoph Seidl. Das Motto lautete „Heit, weil „nur wichtig ist, was heute ist“.

Viel gelacht wurde dabei, so manche kleine Träne floss, doch die Fröhlichkeit überwog. „Man kann den Tod auslachen und über das Sterben was Lustiges machen“, sagte Seidl, ein Geistlicher, der sich viel mit Hospizarbeit beschäftigt. Noch lange ließ man den Nachmittag bei Gesprächen ausklingen.

Simone Frank, Angela Krüger und Michaela Koller (v. l.) berichteten Moderator Manuel Krüger von ihrer Arbeit.