Neunburg ohne Orthopäde: Konstantinos Kafchitsas nur noch in Wackersdorf tätig

Die Verwunderung bei einigen Patienten war groß: Gibt es die orthopädische Praxis im Neunburger Ärztehaus in der Ledererstraße nicht mehr? Vor Ort konnten sie niemanden mehr erreichen. Nun herrscht Klarheit.
Professor Konstantinos Kafchitsas hat seine Praxis in Neunburg tatsächlich geschlossen. Er behandelt seine Patienten jetzt ausschließlich in Wackersdorf.
Bereits Anfang des Jahres hatte der Orthopäde und Wirbelsäulenchirurg die 140 Quadratmeter großen Räumlichkeiten im Erdgeschoss des Wackersdorfer Ärztehauses angemietet. Das Gebäude ist damit voll belegt.
Zuerst zwei Standorte
Nachdem dies der Öffentlichkeit mitgeteilt wurde, gab es schon Bedenken bezüglich der Zukunft des Neunburger Standortes. Konstantinos Kafchitsas erklärte damals, beide Praxen ebenbürtig weiterführen zu wollen. Diese Zusicherung hatte auch Neunburgs Bürgermeister Martin Birner (CSU) beruhigt.
Einige Monate liefen die Praxen in Neunburg und Wackersdorf auch parallel, wie Kafchitsas gegenüber der MZ bestätigt. Nun fokussiere er sich aber auf den Standort in Wackersdorf. Die Praxis in Neunburg ist nach seiner Aussage schon vor ein paar Wochen geräumt worden. Familiäre Gründe hätten diesen Schritt erforderlich gemacht, so Kafchitsas. Er habe bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Bayern eine Verlegung des Arztsitzes beantragt, die genehmigt wurde.
Wäre eine Verlegung von der KV abgelehnt worden, hätte er einen Kollegen für die Neunburger Praxis einstellen müssen, meint der Orthopäde. So aber konnte er einen klaren Schnitt machen. In Wackersdorf bietet er nun die gesamte Bandbreite der orthopädischen Behandlung an – inklusive Kinderorthopädie und Fußchirurgie, aber auch das gesamte Spektrum der operativen und konservativen Behandlung von Wirbelsäulenerkrankungen.
Drei voll ausgestattete Behandlungsräume
Der Facharzt kann in Wackersdorf auf drei voll ausgestattete Behandlungsräume zurückgreifen, wie er jüngst bei einem Praxisrundgang erklärte. Ein weiteres Herzstück sei der Röntgenraum. Mit dem neuen Bildverstärker seien laut dem Orthopäden eine sehr genaue Diagnostik und Therapie möglich. Insgesamt hatte Kafchitsas mehr als 250000 Euro in neue medizinische Geräte und Ausstattung investiert. Die offizielle Praxiseröffnung ist am 25. Juli geplant.
Es sei ein „Glücksfall“ für seine Gemeinde, findet der Wackersdorfer Bürgermeister Thomas Falter (CSU), auch wenn er bedauert, dass sich damit in einer anderen Kommune die medizinische Versorgung verringere. Er selbst sei bis vor Kurzem auch davon ausgegangen, dass Konstantinos Kafchitsas beide Praxen weiterführt.
Dass sich der Orthopäde nun doch aus Neunburg zurückgezogen hat, bezeichnet Bürgermeister Birner als „Verlust für die Stadt“. In der Pfalzgrafenstadt praktiziert damit aktuell kein Orthopäde mehr. Viele Jahre betrieb Thomas Wein die Orthopädie-Praxis im Neunburger Ärztehaus. Wein war froh, dass er im Vorjahr mit Konstantinos Kafchitsas einen Nachfolger gefunden hatte. Der gebürtige Grieche, der mit seiner Familie in Lappersdorf bei Regensburg zuhause ist, ist ein erfahrener Mediziner – vor der Praxisübernahme war er an der Klinik Lindenlohe, zuletzt als Chefarzt, tätig. Neben seiner Praxistätigkeit lehrt er zudem an der Mainzer Universität Medizin.
Arztsitz damals gesichert
Auch Martin Birner war bei der Praxisübergabe vor knapp einem Jahr erleichtert, dass der Arztsitz in Neunburg gesichert werden konnte – und nicht an Interessenten aus anderen Kommunen ging.
Nach der jetzigen Verlagerung gebe es bei der Stadt den Willen, die entstandene Lücke wieder zu füllen. Die Stadt kann dies beispielsweise über das Gesundheitszentrum Ostoberpfalz (GZO) steuern, das kommunal betrieben wird. Es gebe bereits Gespräche in verschiedenen Richtungen, bestätigt der Rathauschef. Dabei seien sowohl eine eigene Praxis wie auch eine Zweigniederlassung eines Mediziners denkbar. „Wir spielen mit allen Gedankengängen“, so Birner.
Und selbst Konstantinos Kafchitsas könnte sich vorstellen, später mal eine Praxisfiliale in Neunburg zu eröffnen. Dafür seien aber andere Räumlichkeiten die Voraussetzung, betont er.
