Fotograf Hans Beer präsentiert Cerchov-Bilder im Reitmeier – Buch zum Berg erscheint Mitte Juli

Der Čerchov prägt das Landschaftsbild der Region. Zum Herbstfest im September verwandeln sich die Schaufenster des ehemaligen Kaufhauses Reitmeier in Waldmünchen in eine Galerie und erzählen die Geschichte des Bergs. Mitte Juli erscheint außerdem ein Buch.
Dem Fotografen Hans Beer liegt der Čerchov am Herzen, haben doch schon sein Großvater und sein Vater die Geschehnisse auf dem Berg fotografisch festgehalten. Die Erzählungen seiner Familie haben ihn schon als Kind begeistert. „Ich habe den Turm immer gesehen, aber ich kam nicht hin“, sagt Beer zum Kurz- Turm auf dem Čerchov . Als er 1990 zum ersten Mal mit einem tschechischen Kommandanten auf den Berg stieg, sei das ein besonderes Erlebnis gewesen, so der Waldmünchner.
Veränderung des Bergs – 8000 Besucher in Domažlice
„Das Archiv reicht bis 1890 zurück“, sagt Beer. „Ich möchte die Fotos der Nachwelt zur Verfügung stellen“, fügt er hinzu, deshalb digitalisiere er alle Aufnahmen. Ab und zu würden auch Leute aus der Region alte Fotos vorbeibringen – und so wachse das Archiv stetig. Die Ausstellung zeige, wie sich der Berg im Laufe der Jahrzehnte verändert habe.
Die Fenster vom Reitmeier eignen sich wunderbar, sagt der Fotograf. Denn durch die Beleuchtung können die Bilder auch zu später Stunde betrachtet werden. Beer hatte sich schon vor einiger Zeit eine Kooperation mit der Stadt für dieses Projekt gewünscht. Damals sei die Zusammenarbeit aber nicht gut verlaufen und das Projekt scheiterte. Nun ist sie jedoch hervorragend, freut sich Beer. Wie schon bei den vorangegangenen Ausstellungen im Chodenmuseum in Domažlice, die rund 8000 Besucher anzog, im Georgssaal in Furth im Wald und im Centrum Bavaria Bohemia in Schönsee wird die Sammlung des Waldmünchners zu sehen sein.
In Tschechien war Fotografie schon früher verbreitet
Doch nicht nur für Heimatinteressierte ist die Ausstellung spannend, auch Fotoliebhaber kommen auf ihre Kosten. Denn die alten Bilder zeigen, mit welchem Auge schon damals fotografiert wurde, so Beer. Fotografie sei in Tschechien schon früher verbreitet gewesen. „Es wurde mehr künstlerisch fotografiert als bei uns“, sagt der Fotograf.
Eines seiner Lieblingsbilder ist eine Aufnahme, die die gesamte Gebirgskette zeigt. „Die unglaubliche Weite“ des Bildes fasziniert Beer. Interessant ist auch, dass diese „Waldflucht“ heute noch genau so fotografiert werden könne, nämlich in der Nähe des Denkmals „Zur Aussicht“, so Beer. Bei den anderen Motiven sei dies nicht möglich.
Ein weiteres Foto zeigt den nach seinem Erbauer benannten Kurz-Turm von der Westseite. Die Aufnahme hat sein Großvater Johann gemacht, sagt Beer. Besonders sei, dass die Hütten auf dem Čerchov kaum zu sehen sind und durch den Blickwinkel wirke der große Turm fast wie ein „Hochhaus“.
Tourismus auf dem Čerchov
Beer habe Einblicke in Hüttenbücher aus den 1920er Jahren gehabt. Dort seien viele Menschen aus ganz Deutschland, aber auch aus anderen Ländern eingetragen, so der Fotograf. Und auch die Fotografien bestätigen den Tourismus auf dem Čerchov. Neben den Gebäuden und ihren Veränderungen zeigen die Fotos auch die Menschen, die auf den Čerchov gewandert sind.
So auch das Bild der beiden Waldmünchner im Schnee. Neben eleganter Kleidung haben die Wanderer auch zwei große Rucksäcke dabei. Obwohl es auf dem Berg Zimmer zum Übernachten gab, hätten nur wenige dort geschlafen. Die meisten haben dort oben etwas getrunken und sind anschließend wieder nach Hause gelaufen, sagt Beer. Interessant findet der Fotograf auch das Wegzeichen, auf dem noch die alte Schreibweise „Czerkov“ steht.
Die Ausstellung richtet sich laut Heike Dannerbeck, Sachbearbeiterin der Stadt, an alle. Denn jungen Menschen werde die Vergangenheit nähergebracht und ältere würden sich zurückerinnern. Die Fotos zeigen aber auch, dass wir heute in Freiheit mit offenen Grenzen leben dürfen, sagt Dannerbeck.
Buch befasst sich mit der Grenze und der Geschichte
Neben der Ausstellung im Herbst erscheint Mitte Juli ein Bildband von Zdeněk Procházka und seinem Verlag Nakladatelství Českého lesa in Domažlice: Čerchov, Geschichte des symbolischen Gipfels auf der böhmisch-bayerischen Grenze. Darin wird die Geschichte des Berges und der Grenze ausführlich beschrieben. „Die Informationen wären weg, wenn niemand sie mehr pflegt“, sagt Beer. Deshalb freut er sich über das umfangreiche Material, das in dem Buch veröffentlicht wird. Denn das Interesse, die Geschichte festzuhalten, bestehe auf beiden Seiten der Grenze. Das Buch erscheint in tschechischer und deutscher Sprache.



