„Jedes Feuerwerk ist ein Kunstwerk“: Thomas Kuchinka sorgt wieder für ein Spektakel in Roding

Von Bastian Schreiner · 3. Juli 2024 um 11:00

Pyrotechniker Thomas Kuchinka aus Mötzing im Landkreis Regensburg ist am Rodinger Volksfest für das große Feuerwerk verantwortlich. Er steckt mit seinem Team mitten in den Vorbereitungen. Im Interview hat er uns verraten, was er für die Show am Donnerstagabend plant.

Herr Kuchinka, Ihr Feuerwerk soll beim Rodinger Volksfest am Donnerstag wieder einen Höhepunkt bilden. Was haben Sie sich heuer ausgedacht?

Kuchinka: Auch in diesem Jahr haben wir wieder einige Neuheiten in das Feuerwerk integriert. Darunter eine sehr schöne gold-blaue Fontänenfächerkombination an der Brücke, neue Farbkometen, beeindruckende Brokatkronen-Buketts mit Verwandlungseffekten und wunderschöne Regenbogeneffekte. Es gibt auch wieder beliebte Klassiker wie etwa den Wasserfall von der Brücke, japanische Sonnenräder oder Brokat-Wasserfallbomben.

Wie lange dauern die Vorbereitungen im Betrieb und dann vor Ort?

Kuchinka: Die Vorbereitungen beginnen etwa sechs Wochen vor dem Feuerwerk mit der Auswahl der Musik und dem Aussuchen von passenden Effekten, die zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht final fest stehen. Das Erstellen der Choreografie und die Programmierung am Computer nehmen etwa zwei Tage in Anspruch. Mit der Vormontage der geplanten Effekte und dem sicheren Verpacken für den Transport sind dann vier Pyrotechniker etwa fünf bis sechs Stunden lang beschäftigt. Anschließend müssen die ganzen Begleitpapiere erstellt und das Programm in die Zündcomputer übertragen werden. Vor Ort sind dann wieder vier Pyrotechniker und zwei Tontechniker für etwa vier bis fünf Stunden mit dem Aufbau beschäftigt. Dazu kommen noch viele fleißige Hände bei der Polizei, der Feuerwehr, der Wasserwacht und dem Bauhof, die sich um den Auf- und Abbau der Straßensperren, das Fackelschwimmen, den Brandschutz und die schnelle Reinigung der Brücke nach dem Feuerwerk kümmern und uns immer tatkräftig unterstützen. Diese Zusammenarbeit in Roding funktioniert seit vielen Jahren hervorragend und ist wirklich mustergültig.

Was macht das Ambiente in Roding besonders?

Kuchinka: Die Brücke in Roding bietet für die Zuschauer eine beeindruckende Kulisse für das Feuerwerk. Da sich die Effekte im Wasser spiegeln, schafft sie eine sehr magische Atmosphäre und wirkt wie eine Bühne für die Zuschauer. Diese Kombination aus Wasser, farbigem Lichtschein und Feuer macht das Feuerwerk in Roding zu einem ganz besonderen Erlebnis.

Wie sind Sie zu diesem Beruf gekommen? Was fasziniert Sie und was ist dabei wichtig?

Kuchinka: Meine Leidenschaft für Pyrotechnik entdeckte ich in meiner Jugend, als ich als Zauberkünstler aktiv war und dabei meine Auftritte durch pyrotechnische Effekte ergänzt habe. Mit 14 Jahren begann ich eigene Feuereffekte herzustellen und an andere Zauberkünstler zu verkaufen. Über die folgenden Jahre hinweg absolvierte ich dann zahlreiche Lehrgänge und Prüfungen, um schließlich zu meinem späteren Beruf des Pyrotechnikers zu finden. Ich mochte vor allem die Abwechslung zwischen Bühnenfeuerwerk, Großfeuerwerk, Filmpyrotechnik, der Sprengtechnik und dem Durchführen eigener, staatlich anerkannter Lehrgänge. Besonders wichtig in meinem Beruf sind die Sicherheitsvorkehrungen, die technische Präzision und die kreative Gestaltung der Feuerwerke, um den Zuschauern unvergessliche Momente zu bieten. Wir verwenden keine vorgefertigten Feuerwerke aus der Konserve, sondern erstellen jedes Feuerwerk völlig individuell für den Kunden.

Was macht ein Feuerwerk so außergewöhnlich?

Kuchinka: Ein Feuerwerk ist ein großartiges Zusammenspiel aus Licht, Farbe und Klang, das unvergessliche Momente schafft. Es geht dabei weniger um die Menge der Effekte, sondern mehr um deren Brillanz und die stimmige Choreografie. Jedes Feuerwerk ist ein Kunstwerk, das nur einmal in dieser Form zu sehen ist. Wir können damit verschiedene Emotionen erwecken und Musikstücke für die Zuschauer sichtbar machen. Wir können dramatische Momente erzeugen, aber eben auch sehr sanfte und romantische oder auch mystische und geheimnisvolle. Die Erfahrung der vergangenen Jahre hat auch gezeigt, dass sich Pyrotechnik eben nicht so einfach durch Drohnen- oder Lasershows ersetzen lässt. Feuerwerke sind Kunstwerke, die zwar durch moderne Technik gesteuert und perfektioniert werden, aber dennoch sind sie nach wie vor ein jahrhundertealtes Handwerk, das dahintersteckt. Es ist wesentlich anspruchs- und eindrucksvoller, als mit einem Laser Bilder zu projizieren oder batteriebetriebene Propeller aufsteigen zu lassen, die schon bei geringem Wind und Regenfällen nicht mehr starten können.

Wie schafft man es, dass die Shows nicht irgendwann vorhersehbar und langweilig werden?

Kuchinka: Das schaffen wir dadurch, dass jede Show individuell choreografiert wird und sich die Pyrotechnik ständig weiterentwickelt. Ich verwende regelmäßig neue Effekte und lasse mich von neuen Herstellern, Abschussgestellen und technischen Möglichkeit inspirieren. Auch die Vielfalt der Musikstücke und die Einbindung der Umgebung tragen dazu bei, dass jedes Feuerwerk immer zu einem neuen Erlebnis wird und niemand sagen kann, das hätte er schon gesehen. Er hat eben nur ein anderes Feuerwerk gesehen, aber nicht dieses.

Für welche Anlässe werden Sie gebucht? Wo sind Sie überall unterwegs?

Ich werde vor allem für Volksfeste, Hochzeiten, Firmenfeiern, Eröffnungen, Produktvorstellungen und Jubiläen gebucht. Es gab aber auch schon Feuerwerke zu Abi-Bällen, Insolvenzen oder das effektvolle Vernichten eines baufälligen Kunstwerkes. Ich bin für alle Ideen offen. Unser überwiegender Einzugsbereich ist im Umkreis von 500 Kilometer.

Haben Sie besondere Erinnerungen an Veranstaltungen in Roding?

Kuchinka: In Roding erinnere ich mich besonders an zwei Feuerwerke, bei denen ein so starkes Unwetter aufgezogen ist, dass ein vorzeitiger Abbruch des Feuerwerks erforderlich war. Das ist der Albtraum jedes Pyrotechnikers. Eine schmerzhafte Erinnerung habe ich aber an die Renovierungsarbeiten an der Regenbrücke vor vielen Jahren. Die Brücke war an der Längsseite nach unten hin geöffnet und wir mussten zur Montage ständig an verschiedenen Stellen über diese Öffnung, um die Effekte an der Front zu montieren und zu verkabeln. Dabei bin ich mit dem Kopf mit voller Wucht gegen eine Stahlstange geprallt, die zur Absicherung an der Brücke montiert war. Der Aufprall war so heftig, dass ich umgehend im Krankenhaus versorgt werden musste, während mein Team das Feuerwerk weiter aufbaute. Das war so gegen 17 Uhr. Ich hab’ den Ärzten in der Notaufnahme meine Situation erklärt und dass ich rechtzeitig wieder zurück sein sollte. Die haben mich dann im Eiltempo geröntgt und verarztet, so dass ich tatsächlich 30 Minuten vor Beginn wieder am Abbrennplatz war und das Feuerwerk wie geplant zünden konnte. Das war eine tolle Leistung – das vergisst man nicht.

Haben Sie schon mal Extra-Lob bekommen? Und was ist, wenn mal etwas schiefläuft?

Kuchinka: Lob kommt sehr oft von den Zuschauern und Auftraggebern, die von unserem Feuerwerk begeistert sind. Das freut mich immer besonders. Sicher gab es schon herausfordernde Momente, bei denen mal etwas Unvorhergesehenes passiert, aber zum einen haben wir durch unsere gute Vorbereitung meist eine Lösung für solche Situationen und zum anderen haben wir den Vorteil, dass die Zuschauer ja nicht wissen, was sie erwartet. Daher fällt es kaum auf, wenn mal etwas nicht wie geplant verlaufen sollte. Wir haben beispielsweise immer „Reserve-Effekte“, die nur für den Fall aufgebaut werden, dass es doch mal einen unerwarteten Ausfall geben sollte, den wir spontan überbrücken müssen. Diese Feuerwerkskörper werden von Unbeteiligten nach dem Feuerwerk manchmal als vermeintliche „Versager“ wahrgenommen, was sie aber gar nicht sind. Sie sind vielmehr der Beweis dafür, dass alles einwandfrei funktioniert hat und kein Eingriff erforderlich war.

Was halten Sie von der Silvesterböllerei?

Kuchinka: Böllern bedeutet für mich nur das Anzünden von Knallkörpern. Ich mag es gar nicht, wenn dieser Begriff allgemein für das Abbrennen von Feuerwerk verwendet wird, denn Böllern ist ja nur ein ganz kleiner Bereich des Silvesterfeuerwerks, der aber für viele Mitmenschen sehr störend ist. Ich selbst bin auch kein Fan von Böllern in Innenstädten, in unmittelbarer Nähe von Personen und Tieren, oder an beengten Plätzen, sondern mag lieber kontrolliertes Leuchtfeuerwerk. Ich finde es sehr wichtig, dass Menschen verantwortungsbewusst und rücksichtsvoll damit umgehen. Die Sicherheit und die Freude am Feuerwerk müssen immer im Vordergrund stehen.

Geht ein Feuerwerk nachhaltig?

Kuchinka: Ja. In der Feuerwerksbranche hat sich beim Umweltbewusstsein einiges getan. Plastikteile werden mittlerweile – wo möglich – durch verrottbare Alternativen ersetzt. Die früher üblichen Plastikverpackungen bei Batteriefeuerwerken wurden seit 2014 schrittweise durch Pappschachteln ersetzt. Dadurch wird der anfallende Müll reduziert und die Entsorgung erleichtert. Bei den Feuerwerkskörpern selbst sind Raketenspitzen und Heulerhülsen ein Problem gewesen, da sie aus Plastik bestehen. Heulerbatterien mit mehreren hundert Plastikpfeifen werden künftig nicht mehr auf dem deutschen Markt zu finden sein, während Raketenspitzen bei vielen Herstellern durch Spitzen aus Pappe ersetzt wurden. Ein weiteres Beispiel sind die Pyromould-Batterien, die seit 2013 aus Pflanzenfasern und natürlicher Stärke bestehen. Seit 2017 sind statt des klassischen Bleigießens nur noch umweltfreundlichere Wachs- oder Zinn-Varianten erhältlich. Wir achten beim Einkauf darauf, möglichst nachhaltige Feuerwerkskörper zu bekommen.

Was wünschen Sie sich persönlich für Donnerstagabend in Roding?

Kuchinka: Ich wünsche mir für den Aufbau erträgliche Temperaturen, keinen Regen und für die Zuschauer ein klares Wetter in der Nacht, damit die Effekte in ihrer vollen Pracht zur Geltung kommen.

Interview: Bastian Schreiner

Thomas Kuchinka ist für das Feuerwerk am Donnerstag in Roding verantwortlich. Foto: Kuchinka