Schneller, grüner, smarter: Ein Holzbau für den Regensburger Beton-Campus

„Haus für Innovation und Transfer“ nennt sich der jüngste bauliche Neuzugang auf dem Campus der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) Regensburg. Ab September sollen hier forscherische Glanzleistungen vollbracht werden, der Neubau selbst geht diesbezüglich mit gutem Beispiel voran.
„Das ist momentan das nachhaltigste Gebäude auf dem Campus“, betonte Stefan Krabatsch, Architekt beim Staatlichen Bauamt Regensburg, am Dienstag bei einer Führung. Es beginnt schon mit der Wahl des Materials, denn das „Haus für Innovation und Transfer“ ist ein Holzständerbau mit Sperrholzwänden.
Um die Dominanz des nachwachsenden Baustoffs nach außen hin sichtbar zu machen, hat das Gebäude auch noch eine Holz-Fassade bekommen. Diese wurde vorvergraut, damit der Neubau aus städtebaulicher Sicht gut zur Umgebung passt. „Der Campus ist ja geprägt durch die 60er- und 70er-Jahre-Betonarchitektur der Uni und der Kernbauten der OTH“, erklärte Krabatsch.
Raum für über 50 Forscher
Weil man auf einen kompakten Baukörper setzte, wurde verhältnismäßig wenig Fläche versiegelt. Und schneller als sonst ging es auch: Erst im November erfolgte der Aushub, das dreistöckige Gebäude selbst wuchs dank vorgefertigter Module innerhalb von nur drei Wochen in die Höhe. So wurde nicht nur Zeit gespart, auch der energetische Aufwand auf der Baustelle war geringer.
Die smarte Planung wirkt sich sogar auf die Anordnung der Fenster aus. Große Glasfronten gibt es nur auf der Nordseite, im Süden und Westen sind die Fenster klein. So ist laut Krabatsch gewährleistet, „dass keine Hitze ins Gebäude kommt, die man mit technischem Aufwand wieder wegkühlen muss“. Geheizt wird mittels Erdwärme, eine Photovoltaik-Anlage füllt ein Drittel der begrünten Dachfläche. Insgesamt unterschreitet der Neubau die Standards der aktuellen Version des Gebäudeenergiegesetzes um zehn Prozent.
Marcus Graf, Geschäftsführender Referent des hochschuleigenen Instituts für Angewandte Forschung und Wirtschaftskooperationen (IAFW), zeigte sich bei einem Rundgang überzeugt, dass sich die durchdachte Konzeption des Gebäudes auch auf sein künftiges Innenleben auswirken wird: „Hier ist flexibles, modernes, attraktives Arbeiten möglich.“
Gut 50 schlaue Köpfe sollen das Haus künftig in wechselnden Besetzungen nutzen. Damit erfüllt der Neubau auch eine ganz profane Funktion: Er lindert das Platzproblem der ständig wachsenden OTH, die sogar Räumlichkeiten an der benachbarten Agentur für Arbeit anmieten muss.
„Kepler-Haus“ kommt noch
Ewig wird die Expansion der Hochschule allerdings nicht anhalten können, denn der Campus ist so gut wie voll. Auf dem letzten freien Grundstück östlich vom neuen „Haus für Innovation und Transfer“ ist lediglich noch das „Kepler-Haus“ geplant.
Wie OTH-Kanzler Peter Endres erläuterte, soll von hier aus künftig die Internationalisierung der Hochschule koordiniert werden. Im Winter wird der Landtag über die Mittelfreigabe für dieses von der Vielberth-Stiftung unterstützte Projekt entscheiden.
Kosten: Das neue OTH-Gebäude hat 8,95 Millionen Euro gekostet. 6,8 Millionen Euro wurden durch die Hightech Agenda (HTA) des Freistaates Bayern gedeckt, den Rest von 2,15 Millionen Euro hat die OTH Regensburg aus eigenen
Mitteln draufgepackt.
Flächen: Es sind drei Stockwerke mit rund 730 Quadratmetern Nutzfläche entstanden. Aufgeteilt ist diese auf zwölf Büros, zwei Besprechungsräume, zwei Werkstätten/Labore, einen Computer-Raum und eine Teeküche mit Aufenthaltsbereich.
Nutzer: Der größte Teil des Baus wird Forschenden der Hochschule zur Verfügung gestellt. Außerdem wird das Zentrum für Weiterbildung und Wissensmanagement (ZWW) der OTH Räume beziehen.