Der Landrat von Amberg-Sulzbach blickt auf 16 Jahre Amtszeit zurück – Weitere Legislaturperiode denkbar

Von Gerhard Spies · 2. Juli 2024 um 05:00

Gleich vorweg: Mit 16Dienstjahren ist er der dienstälteste Landrat der Oberpfalz. Doch von Amtsmüdigkeit kann keine Rede sein. Auch wenn er jetzt das sechste Lebensjahrzehnt vor sich hat. Landrat Richard Reisinger (CSU) feiert heute einen runden Geburtstag.

„Wenn ich weiterhin gesund bleibe und die Gunst der eigenen Partei habe, stehe ich noch einmal als Kandidat zur Verfügung“, räumt Reisinger gleich zu Beginn des Gesprächs alle Zweifel aus.

Im Gegensatz zu seinem Parteikollegen und Freund Michael Cerny, dem Oberbürgermeister von Amberg, hängt er also noch eine Legislaturperiode dran. Als Quotenkönig bei der letzten Kommunalwahl 2020 mit 74Prozent der Stimmen dürfte seine Wiederwahl wohl sicher sein.

Stolz auf Projekte

„Ich möchte gerne das ein oder andere Projekt im Landkreis noch abschließen und begleiten“, begründet er seinen Entschluss, noch einmal anzutreten. Dabei habe sich unter seiner Regie im Landkreis schon vieles entwickelt. Bei den Bauten nennt er als erstes das Schloss Theuern. Ein Juwel im Süden des Landkreises, das die Erinnerung an das Land der tausend Feuer wachhalten soll. „Zwei Bauabschnitte sind geschafft, ein dritter wird noch folgen“, kündigt er an. Das nach seiner Überzeugung „effizientest ausgebaute Wertstoffhof-System“ im Landkreis hat er so liebgewonnen, dass es dieses sogar schon einmal bis in eine seiner Neujahrsreden geschafft hat, als mehr oder weniger humoristischer Beitrag.

Stolz ist Reisinger auch auf die Schulen sowie das neue Sonderpädagogische Förderzentrum. Die frisch sanierte Walter-Höllerer-Realschule nebst neuer Dreifachturnhalle bestaunte sogar Ministerpräsident Markus Söder bei der Einweihungsfeier.

Begegnung mit Menschen

Diese Erfolgsliste ließe sich noch beliebig weiterführen. Doch für Reisinger sind nicht die Bauten die Höhepunkte in seiner bisherigen Amtszeit. „Die Höhepunkte sind die Begegnungen, mit den unterschiedlichsten Menschen“, sagt er. Natürlich fällt ihm da auch die Kabinettsitzung mit dem damaligen Ministerpräsidenten Horst Seehofer bei ihm im Landratsamt ein.

Es seien aber besonders die kleineren Veranstaltungen, bei denen er sich wohlfühlt. „Mir sind geräuschärmere Feste lieber als die großen“, bekennt er.

Bei einem Thema aber wirkt Reisinger nachdenklich und unnachgiebig zugleich: bei den Krankenhäusern. Immer wieder, ob auf der Straße oder im Kreistag, werde er in seiner Meinung bestätigt, sagt er. Die Begründung für seine ablehnende Haltung gegenüber einer Fusion liefert Reisinger gleich mit. „Wir haben es geschafft, unsere beiden Krankenhäuser im Landkreis auf den neuesten Stand zu bringen. Ich bin überzeugt, wenn wir als Grund- und Regelversorger verschwinden würden, hätte das verheerende Auswirkungen auf die Region, beispielsweise beim Notarztsystem oder bei den niedergelassenen Ärzten. Bei uns sind die Zimmer nicht leer, im Gegenteil, bei uns liegen die Patienten sogar auf dem Gang.“

Wenn er einmal in der durchgetakteten Siebentagewoche Zeit für sich hat, kann man Reisinger auch schon mal in der Oberen Wagensaß mit seinen Nordic Walking-Stöcken antreffen, oder im Sulzbach-Rosenberger Waldbad beim Schwimmen, oder im Fitnesscenter am Crosstrainer.

Als einer der wenigen schafft er es, dass man ihm das Fitnesstraining nicht ansieht, sagt er schmunzelnd über sich selbst. Regelmäßig ist er auch in seiner Freizeit in seinem Landkreis unterwegs, mit dem E-Bike. Und außerdem ist da auch noch seine Mutter, 87 Jahre alt, um die er sich kümmert.

Im Landkreis Amberg-Sulzbach fühlt er sich „geerdet“, wie er sagt. Die über hundert Kirwan, die zum immateriellen Kulturerbe erklärt wurden, die zahlreichen Bergfeste, das Kletter-Eldorado im westlichen Landkreis, der Monte Kaolino. Reisinger könnte noch vieles aufzählen, was den Landkreis so besonders macht.

Oder in seiner Heimatstadt Sulzbach-Rosenberg, in seiner Pfarrei St. Marien, für deren Kirchenrenovierung er die geladenen Gäste um Spenden bittet, bei seinem Stammtisch, in den zahlreichen Vereinen und Organisationen, in denen er sich ehrenamtlich engagiert, zum Beispiel im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge als Vizepräsident, überall dort fühlt er sich „dahoam“. Auch am HCA-Gymnasium Sulzbach, wo er bis zu seiner Wahl zum Landrat Englisch und Französisch unterrichtete.

Im Kreistag schätzen alle Bürgermeister, egal welcher Couleur, seine besonnene Art zu moderieren. Es geht ihm immer um Sachpolitik, nie um Parteipolitik. Seine Reden zu den verschiedenen Anlässen sind stets geprägt von rhetorisch geschliffenem Humor, garniert mit einem Schuss Selbstironie. Beim heutigen Festakt im König-Ruprecht-Saal ist allerdings keine Rede vor geladenen Gästen geplant. Das werden wohl andere tun.

Schwimmen im Sulzbacher Waldbad: eines der liebstensportlichen Hobbys des Landrats.