Im Wohngebiet: 27 Geflüchtete sollen in einem Einfamilienhaus in Hainsacker leben

Den Stein ins Rollen bringt eine nüchterne Mitteilung der Lappersdorfer Verwaltung. Auf der Markt-Homepage wird Mitte Juni bekanntgegeben, dass das Landratsamt zwei Asylunterkünfte im Gemeindegebiet anmietet. Am Turlweg in Hainsacker sollen ab 1.August bis zu 27 Geflüchtete unterkommen. Am Talblick in Lappersdorf wird bereits zum 1. Juli ein Haus von bis zu 22 Asylbewerbern bezogen.
Die Informationen sind spärlich: „Die Bewohner sind Selbstversorger. Einen Sicherheitsdienst gibt es nicht. Tendenziell werden die Objekte mit alleinstehenden Männern aus dem arabischen, persischen und afrikanischen Raum belegt.“
Gegen die Entscheidung des Landratsamtes regt sich schnell Widerstand. Anwohner am Turlweg bilden eine Interessengemeinschaft. Ihr Vorwurf an den Investor, der das Hauserst kürzlich gekauft habe, lautet „Gewinnmaximierung“. Momentan finden Bauarbeiten statt, Kellerschächte werden ausgeschachtet. „Das hatte Signalwirkung, wohin die Reise geht“, sagt einer der Nachbarn. Laut ihren Auskünften steigt die Wohnfläche durch die Umwidmung von Keller- und Heizungsräumen zu Wohnraum von knapp 280 auf fast 400 Quadratmeter. Das Einfamilienhaus mit Einliegerwohnung sei aber nicht gemacht für 27 Bewohner. „Die Anzahl muss zum Gebäude und zum Umfeld passen“, sind sich die Anwohner einig. Am Turlweg würden viele junge Familien mit kleinen Kindern wohnen.
Bedenken wegen Sicherheit
Grundsätzlich sehen die Anwohner die Ansiedlung von Geflüchteten nicht kritisch, beteuern sie. Sie wollen helfen, die neuen Nachbarn zu integrieren. Das werde durch eine so große Zahl aber erschwert, man könne sich bei weitem nicht so einfach kennenlernen. Auch die Sicherheit der Bewohner sehen die künftigen Nachbarn in dem umgebauten Einfamilienhaus als nicht gegeben an. Als zweiter Fluchtweg sei im Obergeschoss ein Fenster ausgewiesen. „Aber es kann ja nicht ausgeschlossen werden, dass sich auch einmal alle 27 gleichzeitig im Obergeschoss aufhalten“, sagt ein Anwohner. „Wie soll das funktionieren?“ Das Landratsamt trage eine Verantwortung, dass die Unterbringung sowohl den Anwohnern als auch den Ankommenden gerecht wird.
15 Quadratmeter für zwei Personen
Als Richtschnur für die Belegung, informiert Landkreissprecher Hans Fichtl auf MZ-Anfrage, gelte, „dass Räume mit 15 Quadratmetern für zwei Personen angedacht sind, ab circa 21 Quadratmetern für drei, sowie jeweils sechs Quadratmeter für jede weitere Person“. Pro zehn Bewohner seien ein Bad und eine Küche vorgesehen. Außerdem müsse eine Asylunterkunft mindestens einen Gemeinschaftsraum aufweisen. „Die Gesamtwohnfläche spielt nur hinsichtlich der Kaltmiete eine Rolle“, schreibt Fichtl. Der vom Landratsamt gezahlte Mietzins richte sich nicht nach untergebrachten Menschen. Es werde stets versucht, „eine Maximalbelegung der dezentralen Unterkünfte zu vermeiden, was in Einzelfällen aber nicht immer möglich ist“. Ziel sei eine Auslastung von rund 80 Prozent. Bürgermeister Christian Hauner und einige Marktgemeinderäte hörten die Beschwerden und Sorgen der Anwohner. „Das sind absolut vernünftige Leute“, sagt Hauner auf MZ-Anfrage. Unterschrieben von den Sprechern aller vier Fraktionen sowie dem Bürgermeister geht am Donnerstag ein offener Brief an Landrätin Tanja Schweiger. Dort werden die Anliegen der Anwohner dargelegt und eigene Forderungen an die Landrätin formuliert. Im Kern lauten die: mehr Kommunikation, mehr Transparenz. Nach Abstimmung der Fraktionen im Marktgemeinderat hat die Junge Union den Brief aufgesetzt, wie Vorsitzender Franz Rumstadt berichtet.
„Sehr fordernd formuliert“
Es ist „bemerkenswert“, sagt er, dass alle Fraktionen das Schreiben unterzeichnet hätten. Dieses sei „sehr fordernd und sehr klar formuliert“. Auch Hauner betont, dass hinter dem Brief keinerlei parteipolitisches Kalkül stecke, sondern gemeinsam an einem Strang im Sinne der Sache gezogen werde. Mit Blick auf das Anwesen am Talblick wird vor allem eine räumliche Konzentration mehrerer Asylunterbringungen auf relativem nahem Raum moniert. Von Landrätin Schweiger wünscht sich die Marktgemeinde eine öffentliche Diskussionsrunde und Fairness in der Verteilung, etwa indem der Stand der Aufnahmen der Landkreisgemeinden transparent gemacht wird. Zudem habe der Markt zwei nachgezogene Familien unterzubringen, insgesamt mit 14 Personen. Die Anwohner fragen: Warum können die nicht in die familienfreundliche Nachbarschaft am Turlweg einziehen?