Technologie Campus in Parsberg: Neuer Masterstudiengang lehrt Studenten das Forschen

Eine Forschungseinrichtung wie der Technologie Campus Parsberg-Lupburg braucht neben technischen Geräten Wissenschaftler. Deshalb haben die Professoren begonnen, Forscher auszubilden. Dafür bieten sie einen besonderen Masterstudiengang an.
Hintergrund: Am Technologie Campus Parsberg-Lupburg wird auf den Themengebieten Materialwissenschaft, Fertigungstechnik und Digitalisierung geforscht, berichtet der operative Leiter der Einrichtung, Korbinian Schröcker. Dabei werden unter anderem zukunftsweisende additive Fertigungsprozesse zur Herstellung großvolumiger Stahlbauteile unter Zuhilfenahme etablierter Schweißverfahren erforscht.
Das bietet Studierenden, die ihren Bachelorabschluss an der Hochschule erworben haben, die Chance, dass sie gleichzeitig in einem Forschungsprojekt mitarbeiten und parallel ihr Masterstudium absolvieren.
In Forschungsgruppe dabei
Der sogenannte Forschungsmaster, die offizielle Bezeichnung lautet Master of Applied Research (MAPR), funktioniert laut Schröcker folgendermaßen: Der Student sucht sich ein Forschungsgebiet oder, noch besser, er bringt aus dem Studium ein Thema mit, mit dem er sich beschäftigen will.
Mateus Moneta, aktuell einer der ersten MAPR-Studenten in Parsberg, beschäftigt sich zum Beispiel in der Forschungsgruppe von Professor Andrey Prihodovsky mit der Simulation von Fertigungsprozessen und vergleicht dabei, wie sich die Simulation von der tatsächlichen Fertigung im Ergebnis unterscheidet. Dafür sei der Student, von dem erwartet wird, dass er in Vollzeit am Campus arbeitet, mit einigen Stunden als wissenschaftlicher Mitarbeiter angestellt. Zudem müsse er nach jedem Semester seine Forschungsergebnisse veröffentlichen und sie auf einem bayernweiten Kongress, der Applied Research Conference (ARC), vorstellen.
Ebenfalls bayernweit ist der Besuch der passenden Vorlesungen zu seinem Forschungsgebiet geregelt. Schröcker: „Der Student ist nicht an eine Hochschule gebunden, er kann Lehrveranstaltungen an allen bayerischen Hochschulen besuchen und so quasi aus einem riesigen Vorlesungskatalog auswählen, was für ihn am besten passt.“
Praxisbezug als Vorteil
Den größten Vorteil dieses Studiengangs sieht Anton Schmailzl als Schröckers Vorgänger und jetzt forschender Professor am Campus im Praxisbezug. Wenn er sich an seine Ausbildungszeit als Mechaniker zurückerinnere, machte es viel mehr Spaß, wenn man Dinge fertigte, die gebraucht wurden. „Einen Würfel zu feilen, nur um das Feilen zu beherrschen und den danach wegzuschmeißen, ist nicht die beste Motivation“, sagt er. So sei es auch beim Forschungsmaster. Schmailzl: „Motivierte Leute, die sich mit der Zukunft beschäftigen wollen, sind motiviert, schon im Studium an Forschungsprojekten mitzuarbeiten.“
Mit dem MAPR könne man Studium und Forschung verbinden und gleichzeitig eine Basis für eine spätere Doktorarbeit legen, ergänzt Schröcker. Für Studenten, die später in die Lehre gehen wollen, sei das der viel bessere Weg als ein klassischer Masterstudiengang, der vor allem aus Vorlesungen besteht und bei dem nur eine einzige Abschlussarbeit gefordert ist.
Ein positiver Nebeneffekt sei, dass Studenten aus der Region, die irgendwo in Bayern an einer Hochschule ihren Bachelor machen, über diesen Weg für das Masterstudium in die Heimat zurückkehren können.