Königsklasse im bayerischen Humor: Zum Tod von Fredl Fesl

Sein Königsjodler machte ihn einst berühmt. Jetzt ist der große Humorist Fredl Fesl, geboren in Grafenau und wohnhaft im Landkreis Altötting, mit 76 Jahren nach langer Krankheit gestorben. Sein Witz bleibt unsterblich.
Diesmal geht nur der Anrufbeantworter ran. „Sie haben die Nummer von Fredl Fesl gewählt“, sagt eine Frauenstimme. „Sie können ihm gern eine Nachricht hinterlassen, auf die er dann reagiert. Oder vielleicht auch nicht. Danke.“ Bis gestern war das der typische Humor, den jeder kannte, der Fredl Fesl und seine Ehefrau Monika am Telefon erreichen wollte – trocken bayerisch, verschmitzt, durch und durch freundlich. Heute macht der Spruch traurig. Fredl Fesl wird nicht reagieren auf den Anruf. Der bodenständige bayerische Humorist ist am Dienstag im Alter von 76 Jahren gestorben. Das bestätigte ein Freund der Familie am Mittwoch der Mediengruppe Bayern. Der Künstler ist demnach zu Hause auf seinem Hof Häuslaign in Pleiskirchen im Landkreis Altötting friedlich eingeschlafen.
Vorbild für viele Musikkabarettisten
So üblich das heute ist, dass Künstler wie Martina Schwarzmann ihre Späße machen und sich bei ihren einfachen Liedern selbst auf der Gitarre begleiten: Ohne das Lebenswerk von Fredl Fesl wäre Musikkabarett, wie wir es kennen, wohl nicht möglich.
Geboren wurde Alfred Raimund Fesl am 7. Juli 1947 in Grafenau. „Wir ham in der ehemaligen Jugendherberge eine Wohnung in den Mansarden ghabt“, erzählte Fesl in einem Interview mit unserer Zeitung. Und es war selten ein Satz, nachdem ihm nicht noch irgendetwas Humoriges einfiel: „Da bin ich immer beim Schlafzimmerfenster raus, rauf übern Kamin, auf der anderen Seite wieder runter und beim Küchenfenster wieder rein.“ Als er neun war, zog die Familie ins fränkische Greding, wo Fredl bei Oma und Opa mütterlicherseits oft die Ferien verbracht hatte und wo seine Eltern dann das Wirtshaus „Zum Bayerischen“ betrieben. Fesl bestand nach der Volksschule die Aufnahmeprüfung für die Oberrealschule in Ingolstadt, wo er im Schülerinternat lebte. 1959 zog die Familie nach München. Später lernte Fredl Fesl Kunstschmied, war bei der Bundeswehr, arbeitete als Bühnenbauer, als Bierfahrer, als Artist beim Zirkus „Atlas“.
Um sich in der Münchner Musikkneipe „Song Parnass“ den Eintritt zu sparen, hatte er grundsätzlich den Gitarrenkoffer dabei. Bis eines Tages zwei Musiker ausfielen und der Veranstalter den Fredl mit sanftem Druck auf die Bühne schob. Weil er nur ein paar wenige Lieder („Morgenrot, Morgenrot, wenn du stirbst, dann bist du tot“) nachspielen konnte, mussten die Einleitungen eben ausufernd lang sein – Fredl Fesls Markenzeichen war geboren. Heute macht das jeder zweite Liedermacher.
„Fürchten tu ich mich überhaupt nicht“
Weit über eine Million Kassetten, Platten und CDs hat Fesl verkauft, allein in Deutschland. Das Fußball-Lied und der Anlass-Jodler, das Taxilied und der Königsjodler sind Klassiker geworden. Manches wie „Freibier“, „F und E“ und der „Riesenneger Nieselregen“ gibt es nur auf Youtube. Fesl erhielt Ehrungen vom Kulturpreis des Landkreises Altötting bis zum Bayerischen Verdienstorden. 2015 hat er eine Biografie anhand von Anekdoten geschrieben, „Ohne Gaudi is ois nix“, heißt sie. Organisiert und mit Wegbegleitern lektoriert hat das Buch sein Freund Dionys Asenkerschbaumer, der nach dessen 70. Geburtstag 2017 eine „Hommage an Fredl Fesl“ in Kellberg im Landkreis Passau organisiert hat, mit Fotos, Filmen, Lesung und Interview mit Fredl und Monika Fesl. Zu der Zeit war Fesl seit über zehn Jahren nicht mehr als Künstler aufgetreten, 1997 hatte er seine Parkinson-Erkrankung öffentlich gemacht. „Wir wollten den Leuten die Möglichkeit geben, ihn trotzdem noch mal zu erleben“, sagt Asenkerschbaumer, der Fesls Intelligenz und Kreativität bewundert hat. „Er war rebellisch – und er hat dabei keinem weh getan!“
Beim Interview mit unserer Zeitung zum 75. Geburtstag vor zwei Jahren wünschte sich der von der Krankheit schwer gezeichnete Fredl Fesl, „dass es nicht zu hart wird“, und setzte hinterher: „Alt werden ist nichts für Feiglinge.“ Über den Tod hatte der Künstler in seinen typischen Humor einmal gesagt: „Sterben kann ned so schlimm sein, sonst täten’s ned so viele machen.“ Später, nach bereits über zehn Jahren mit Parkinson, sagte er: „Es kann sich einer schon fürchten vor dem Tod, aber ich glaub, da klopft er einen vorher schon entsprechend weich. Dass man gern geht. Fürchten tu ich mich überhaupt nicht.“


