Hier müssen die Kelheimer künftig mit Solarparks rechnen – Stadt legt Vorranggebiete fest

Von Beate Weigert · 27. Juni 2024 um 11:00

Kelheim will sich für die Energiewende rüsten – auch mit mehr Solarparks. Bis Herbst sollen Anwohner und Investoren Potenzialgebiete für Solarparks aus allen Ortsteilen digital abfragen können.

Jedes neue Solarpark-Vorhaben, das auf Kelheimer Gemeindegebiet zuletzt angedacht worden ist, löste im Stadtrat eine Grundsatzdebatte aus. Das soll nun mit dem Festlegen von Vorrangflächen vorbei sein. Bis zum Herbst sollen alle nun beschlossenen „Potenzialgebiete“ für Bürger wie Investoren online abrufbar sein.

• Flächen festgelegt: Seit Monaten feilt die Stadt hinter den Kulissen an einem Energienutzungsplan. Ein Teil davon sind Vorrangflächen für Freiflächen-Photovoltaik. Diese wurden am Montag im Stadtrat mit zwei Gegenstimmen verabschiedet. An dem Katalog arbeiteten Vertreter des Fachbüros (IFE Amberg), des Stadtbauamts und jeder Stadtratsfraktion mit. Festgelegt wurden Bereiche in allen sieben Gemarkungen des Stadtgebiets. In der Theorie kam man so auf insgesamt 432 Hektar. Ursprünglich waren 1541 Hektar ins Auge gefasst, die man grundsätzlich für Solarparks geeignet hielt. Aktuell existieren Freiflächen-PV-Parks in den Ortsteilen Thaldorf und Lohstadt, zusammengerechnet auf knapp 23 Hektar Fläche. Als maximales Ausbauziel setzt sich die Stadt 120 Hektar. Dies entspreche vier Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche, hieß es in der Sitzung.

• Hier nicht! Grundsätzlich ausgeschlossen waren Naturschutzgebiete, amtlich kartierte oder geschützte Biotope, rechtlich festgesetzte Ausgleichsflächen, Flächen in Wasserschutzgebieten (Zone 1 + 2), Wiesenbrüter-und Feldvogelkulissen sowie potenzielle Erweiterungsflächen für Gewerbe, Wohnbebauung und Landwirtschaft, erklärte Lennard Stein vom IFE. Zudem eruierte man zwei Varianten, bezüglich des Mindestabstands zu Siedlungen. Von nur 50 Metern verabschiedete man sich im Lauf der Gespräche und ging auf 300 Meter, was allerdings mögliche Areale stark „eindampfte“. Von 1535 auf 815 Hektar. Am Ende legte man nun theoretisch 432 Hektar potenzielle Flächen fest. Ausgenommen wurde unter anderem auch in Thaldorfs Norden eine Fläche, um weiterhin Wildwechsel zu ermöglichen.

• Hier ist Potenzial: Die größten Potenzialflächen werden in den Ortsteilen Staubing (157 Hektar im Süden des Dorfes, links und rechts der Ortsverbindungsstraße nach Sandharlanden) und Stausacker (85 Hektar rings um Gut Schwaben) gesehen. Gefolgt von Thaldorf (71 Hektar, im Hopfenbachtal und an der B16), Herrnsaal (33 Hektar, entlang der Kreisstraße 15), Weltenburg (31 Hektar, südlich des Dorfes in Richtung Gut Buchhof), Kapfelberg (22 Hektar, östlich des Dorfes in Richtung Gundelshausen), Kelheimwinzer (14 Hektar) und Kelheim (12 Hektar). Hier sind zusammenhängend 26 Hektar „am Hang entlang der nördlichen Umgehungsstraße festgeschrieben. In Affecking und Gronsdorf ergaben sich laut Bürgermeister Schweiger aufgrund der gesetzten Einschränkungen keine Potenzialflächen.

• Stadt setzt sich Limits: Der Stadtrat legte für alle Ortsteile eine einheitliche, maximale Obergrenze fest. In keinem Ortsteil sollen mehr als 30 Hektar (überbaubare Sondergebietsfläche) Freiflächen-Photovoltaik entstehen. Ausnahme: Geringfügige Überschreitungen zur Umsetzung eines konkreten Vorhabens können von der Stadt „ausnahmsweise“ erlaubt werden. Ein Anspruch lasse sich für Investoren daraus aber nicht ableiten. Auf Kritik eines Stadtrats, dass Thaldorf und Lohstadt bereits stark belastet seien, im Gegensatz zur Kernstadt oder anderen Ortsteilen, sagte Schweiger, dass im Plan nun alle Orte gleich behandelt würden, was die maximale Fläche angehe. Wo tatsächlich Solarparks entstünden, sei aber eben auch dem Markt geschuldet.

• Grundsätzliches: Eine rechtsverbindliche Wirkung habe das Standortkonzept nicht, hieß es im Weiteren. Sprich es ersetzt kein Baurecht, so Bürgermeister Christian Schweiger. Jedoch werde man künftig nicht jedes Mal eine Grundsatzdebatte führen müssen und das sei eine Erleichterung. Ludwig Birkl (FW) sieht im neuen Plan den Vorteil, „dass die Bürger den Rahmen kennen, der auf sie zukommt“. Laut IFE müssen nun noch letzte Details eingearbeitet werden. Mutmaßlich in der September-Sitzung wird der Stadtrat nochmals das „Gesamtpaket“ absegnen.

Weitere Aspekte

PV auf Altstadtdächer: Ein weiterer Aspekt der besprochen worden ist, sind Solarmodule auf Altstadtdächern (Solar-Potenzialkataster). „Jeder Immobilieneigentümer bekommt eine Einschätzung für sein Dach“, sagte Klaus Uschald vom IFE in Amberg. Auch dieses Kataster soll, wenn es final erarbeitet ist, digital abrufbar sein. Bürgermeister Schweiger gab aber zu Bedenken, dass dennoch der Denkmalschutz weiterhin bei konkreten Vorhaben mitreden werde und der Stadtrat diesen „nicht überstimmen“ könne.

Städtische Liegenschaften: Ein Teil der ganzen Überlegungen ist auch ein Energie-Managementsystem bezüglich städtischer Liegenschaften. Dieser Aspekt ist zum einen an einen zweiten Förderantrag gekoppelt. Und: Es brauche einen Zeitplan, wann städtische Liegenschaften energetisch saniert werden sollen.