Zwei Bodenwöhrer Schwimmtalente haben Teilnahme an Olympischen Spielen im Visier

Angeblich steckt der Deutsche Schwimmverband ja in einer Dauerkrise. Umso erfreulicher ist es, wenn junge Schwimmtalente aus der Region aufhorchen lassen. In Bodenwöhr gibt es ein besonders ermutigendes Beispiel.
Es ist diese Schwerelosigkeit und Leichtigkeit im Wasser. Das gefällt Nika Benkler aus Bodenwöhr am besten beim Schwimmen. Wie ihre Schwester Noelle, die kürzlich Deutsche Meisterin wurde, liebt Nika diesen Sport – und nimmt viel dafür in Kauf, wie auch ihre Eltern, die sie sehr unterstützen.
Die 13-Jährige kann auf beachtliche Erfolge zurückblicken. Zwar habe es Phasen gegeben, in denen ihr das tägliche Training – meist schon ab sechs Uhr morgens – zu viel wurde. „Aber ich habe dann einfach weitergemacht“, sagt Nika entschlossen.
Nun kommt eine neue Lebensphase für sie, in der nach wie vor das Schwimmen an erster Stelle steht: Ihre Bewerbung im Haus der Athleten in München wurde angenommen, ab Herbst wird Nika dieses Sportinternat besuchen. Ihre Schwester Noelle ist auf einem ähnlichen Weg: Sie konzentriert sich im Olympiastützpunkt in Heidelberg aufs Schwimmen.
Dichtes Trainingsprogramm
Für die Eltern beginnt also nun ebenfalls ein neuer Abschnitt. Die Mädchen werden lediglich hin und wieder an den Wochenenden sowie in den Ferien nach Hause kommen – wenn nicht gerade ein Wettkampf ansteht.
Jahrelang hat Rebecca Benkler ihre Töchter frühmorgens ins Westbad nach Regensburg gefahren. Für Nika steht dort drei Mal in der Woche um 6 Uhr das Training des Schwimmclubs Regensburg an. An den beiden anderen Schultagen ist auch Training, doch da beginnt für Nika der Unterricht später – kein Problem für die gute Schülerin, die nur Einser und Zweier im Zeugnis hat, in Sport natürlich immer eine Eins, wie Nika bescheiden zugibt.
Nach der Schule gleich ins Westbad
Sie besucht das St. Mariengymnasium Regensburg, wie auch Noelle zuvor. „Die Lehrer und die Schulleitung haben beide Mädchen immer sehr unterstützt“, lobt die Mutter.
Nach der Schule geht es täglich erneut ins Westbad. Dort macht Nika Hausaufgaben, bevor von 17 bis 20 Uhr ein weiteres Training ansteht, ebenso wie an jedem Samstagvormittag – wenn keine Wettkämpfe geplant sind.
Mit fünf Jahren lernte Nika schwimmen, und in ihrem Zimmer stehen heute viele Trophäen: Zweimal wurde sie Deutsche Meisterin in ihrem Jahrgang, zweimal erhielt sie Silber, zweimal Bronze. Auch im Freiwasser über zweieinhalb Kilometer in einem See wurde sie Deutsche Meisterin und einmal Vize. Rücken sei ihre „Hauptlage“, erklärt sie.
Schwimmen im Freiwasser ist ganz anders
Zurzeit bereitet sich Nika auf die Deutsche Meisterschaft im Freiwasser in Burghausen vor. Ihre schnellste Zeit in dieser Disziplin war eine Stunde und zwei Minuten bei einer Länge von fünf Kilometern. Längst hat sich Nika für den Deutschen Freiwasser-Kader qualifiziert und ist dabei unter den fünf Besten. Freiwasser, so erklärt die erfolgreiche Sportlerin, sei etwas ganz anderes als das Schwimmen im Becken: „Da kommt es viel auf die Orientierung an. Außerdem sind in einem See oder in einem Fluss die Verhältnisse anders, das Wasser bewegt sich“, erklärt Nika. Lange Strecken würden ihr gut liegen.
Nun freut sie sich auf das Haus der Athleten, in dem junge Athleten auch schulisch auf ihrem Weg in den Leistungssport gefördert werden. Denn dies strebt Nika durchaus an. Die 13-Jährige ist begeistert, dass sie dort bereits Mädchen kennt. Ihr Zimmer mit Bad und Kochecke teilt sie sich mit einer Freundin.
Kaum Zeit für andere Hobbys
In einem Gymnasium in der Nähe wird sie die Schwimmklasse besuchen. Noch etwas sei positiv: Ihr Trainer im Haus des Athleten hat sie bereits früher über mehrere Jahre betreut. Bleibt dann noch Zeit für Hobbys? Nur kurz überlegt die 13-Jährige, sagt „Nö“, und lacht. Doch, fällt ihr ein, denn sie liebt Shoppen – das könne man in München gut. Hin und wieder geht sie außerdem Wakeboarden.
Nie wird sie ihr großes Ziel aus den Augen verlieren. Allerdings sei dieser Sport sehr kostenintensiv, sagt die Mutter. Schon die Fahrtkosten sind ein großer Posten, nun kämen die Internatskosten hinzu. Sponsoren seien daher willkommen. Beide haben einen offiziellen Instagram-Account, darüber könnte man sich melden.
Schließlich verfolgen sowohl Nika als auch Noelle seit Jahren mit Fleiß und Disziplin einen Traum, der in immer greifbarere Nähe rückt: die Teilnahme an Olympia. Für Noelle könnte es 2028 soweit sein. Für Nika steht erst die Jugend-EM 2025 als nächstes großes Ziel an.
