Münsteraner zieht es seit 46 Jahren jeden Sommer auf den Kollerhof in Neunburg

Von Jan Lange · 24. Juni 2024 um 15:00

Seit dem 16. Juni weilt Hans Werner Schmies auf dem Kollerhof in Neunburg. Bis zum 6. Juli wird der Münsteraner hier Urlaub machen. Mittlerweile kennt der 82-Jährige jede Ecke des Hofs, denn er verbringt hier seit 1978 seine Ferien. Schmies gehört damit zu den treuesten Gästen von Familie Koller, die seit genau 50 Jahren Unterkünfte für Urlauber anbietet.

Dass Familie Schmies vor 46Jahren aus dem rund 600Kilometer entfernten Münster ausgerechnet in Neunburg landete, verdankt sie einem Zufall. Ein Kollege von Hans Werner Schmies hatte ein Heftchen Urlaub auf dem Bauernhof dabei. Er lieh sich die Broschüre aus, um mit seiner Familie darin blättern zu können. Die Kinder waren von den Ponys begeistert, und so kamen drei Familien in die nähere Wahl.

Die Kinder haben ursprünglich entschieden

Ein Anbieter beantwortete die Anfrage der Münsteraner Familie gar nicht, bei den beiden anderen wurde von den Kindern der Kollerhof favorisiert, weil es dort seinerzeit mehr Ponys gab. „Die Kinder haben entschieden“, meint Hans Werner Schmies mit Blick auf die Auswahl des Urlaubsorts.

Als die Gäste aus Münster am Kollerhof eintrafen, sahen sie nur Schweineställe und Misthaufen. „Wo sind wir denn hier gelandet?“, dachten sie sich im ersten Moment. Aber sie hatten ihr Auto kaum geparkt, da ging auch schon die Tür auf, und Monika Koller begrüßte die Gäste ganz freundlich. „Da war sofort das Eis gebrochen“, meint Hans Werner Schmies.

Er repariert Zaumzeug und Sättel

Für die Kinder waren an den folgenden Tagen natürlich die Ponys die Hauptattraktion. Aber auch Hans Werner Schmies stieg, nachdem er Mitte der 1950er Jahre schon mal geritten war, nach langer Pause wieder auf ein Pferd. Bevor sie nach Münster zurückkehrten, buchte Familie Schmies gleich fürs nächste Jahr wieder eine Ferienwohnung auf dem Kollerhof. So ging das viele Jahre.

Reiten kann er aufgrund eines Bandscheibenvorfalls inzwischen nicht mehr, aber Hans Werner Schmies wird dennoch nicht langweilig bei seinen Aufenthalten auf dem Kollerhof. Er macht sich nützlich, repariert beispielsweise Zaumzeug und Sättel. Gleich bei seinem ersten Urlaub hatte ihm Günter Kollers Großvater das Reparieren beigebracht. Er habe zwar zwei linke Hände, meinte der Münsteraner damals, doch Franz Koller Senior entgegnete ihm, dass es doch „nur drei Stiche“ seien. So hat Hans Werner Schmies mittlerweile unzählige Reiterausrüstungen repariert und mehrere Hundert Meter Garn dafür verwendet.

Mittlerweile ist es eine dicke Freundschaft

War es anfangs nur ein Urlaub in den Sommerferien, weilten die Münsteraner später auch mehrere Male im Jahr auf dem Hof im Neunburger Ortsteil Poggersdorf.

Bis Ende der 1980er Jahre war es immer ein gemeinsamer Urlaub mit den Kindern Oliver und Sabine, danach war er nur mit seiner Frau Hannelore da. Nach deren Tod kam Hans Werner Schmies eine Zeit lang allein auf den Kollerhof, inzwischen begleitet ihn seine neue Lebensgefährtin.

Mit den Kollers hat sich eine dicke Freundschaft entwickelt, sowohl mit den Gründern des Tourismusbetriebes, Franz und Monika Koller, als auch mit den heutigen Inhabern Günter und Sabine Koller. Hans Werner Schmies ist sogar schon zu Hochzeiten eingeladen worden. Im Gegenzug besuchten die Kollers ihre Stammgäste auch in Münster.

Schwere OP stand kurz bevor

Im vergangenen Herbst wollte der 82-Jährige wie so oft wieder zum Kollerhof fahren, als ihm beim Einpacken des Autos gesundheitliche Probleme ereilten. In der Folge musste er sich einer schweren Operation unterziehen.

Kurz vor dem Eingriff kam er heuer im März wieder auf den Kollerhof. Schmies wollte seine langjährigen Gastgeber und Freunde noch einmal sehen, denn er wusste nicht, ob die OP erfolgreich verlaufen würde. Es ging alles gut. So kann der Münsteraner jetzt wieder mehrere Wochen auf dem Kollerhof verbringen – und mit Familie Koller gemeinsam das 50. Jubiläum des Tourismusbetriebes feiern.

Das Reiten musste der Münsteraner inzwischen aufgeben, aber für die stolzen Vierbeiner interessiert er sich nach wie vor. Foto: Lange