Viel Kameradschaft – wenig Schlaf: So erlebte der THW-Zugführer Benno Lechner das Hochwasser

Von Marion Neumann · 12. Juni 2024 um 10:00

Allzu viel Schlaf hat Benno Lechner in den letzten zehn Tagen nicht abbekommen. Als Zugführer beim Ortsverband Regensburg des Technischen Hilfswerks (THW) hat ihn die Hochwasserlage in Regensburg gefordert. „Am Anfang befindet man sich in einer Art Chaosphase. So nennt man die Zeit, in der sich erst einmal alles sortieren muss“, sagt er, „danach hat man sich einen Überblick verschafft und die Klarheit kommt zurück.“

Am Montag vor einer Woche – dem Tag, in dem die Stadt den Katastrophenfall ausgerufen hatte und die Anwohner in der Werftstraße am Abend evakuiert worden waren – sei die Anspannungen am größten gewesen. „Man wusste, da kommt noch was – schon vor der Evakuierung“, sagt Lechner.

Ehrenamt seit 27 Jahren

In seiner Position als Zugführer habe er „nicht direkt mit den Stiefeln im Wasser gestanden“, erklärt der 40-jährige Regensburger, der sich bereits seit 27 Jahren für das THW engagiert. Als die Lage an diesem Nachmittag an der Werftstraße akut geworden war, sei er zwar vor Ort gewesen. Den Großteil der Zeit verbrachte er aber in der örtlichen Einsatzleitung bei der Berufsfeuerwehr in der Greflingerstraße.

„Ich bin als Fachberater des THW in diese Einsatzleitung gegangen“, sagt er, „alle relevanten Blaulicht-Organisationen saßen dort zusammen, gemeinsam mit der Rewag, der Regensburg Netz und verschiedenen Ämtern der Stadt“. Laut Lechner wurden in dieser Runde die Entscheidungen getroffen, die dann „draußen vor Ort“ umgesetzt wurden. „Es waren jetzt keine wahnsinnig dramatischen Einsätze“, beschreibt er seine Arbeit, „man koordiniert mehr.“

Aufeinander ist Verlass

Gerade aufgrund der Verantwortung, die damit einherging, sei ihm das Abschalten bisweilen jedoch schwer gefallen. „Es ist natürlich Druck da. Die letzte Entscheidung fällt der örtliche Einsatzleiter – aber man ist ein Teil der Gruppe, welche die Lösungen erarbeitet.“ Auch, als sich die THW-Helfer nach der akuten „Chaosphase“ im Schichtdienst abgewechselt hatten, habe man die Hochwassersituation während der Ruhezeiten immer im Hinterkopf behalten.

„Wie geht es weiter – und was ist abschätzbar? Die Lage kann sich von Tag zu Tag, ja eigentlich von Stunde zu Stunde ändern. Man ist dann im Flow und denkt auch daran, wenn man nicht im Dienst ist“, schildert er die Situation.

Klassische Aufgaben des Technischen Hilfswerks

Auf die Kameraden sei jedoch immer Verlass gewesen.„Es hat alles super funktioniert“, sagt Lechner. Generell befand sich der Regensburger THW-Ortsverband gemeinsam mit 13 weiteren Ortsverbänden im Hochwasser-Einsatz. 210 Helfer kamen auf diese Weise zusammen, an der Spitze bis zu 130 Personen gleichzeitig. Auf- und Abbau von Absperrungen, Materialtransport, Beschaffung von Sandsäcken: Das seien klassische Aufgaben des Technischen Hilfswerks.

„Wir haben zum Beispiel den Hochwassersteg in der Werftstraße aufgebaut“, sagt er, „in der Sattelbogenerstraße, wo man das Wasser erst spät bemerkt hat, haben unsere Helfer das Material für den Steg zuerst noch selbst vom Bauhof geholt, da die Kräfte dort schon gebunden waren.“ Jeder Einsatz stelle auf seine eigene Weise eine Herausforderung dar. „Es gibt eigentlich keine Routine“, sagt der Zugführer, „wenn zum Beispiel kurzfristig 10000 Sandsäcke benötigt werden, fährt das THW los und holt sie“.

Für einige Helfer wartet schon der nächste Einsatz

Begeisterung für Technik, Motivation und Freude an der Kameradschaft – das seien Voraussetzungen, die man als Ehrenamtlicher mitbringen sollte. Wie Lechner erzählt, haben einige Interessenten das jüngste Hochwasserereignis bereits als Anlass genommen, sich als Helfer zu melden.

„In gewisser Weise braucht man auch Geduld. Es handelt sich beim Technischen Hilfswerk ja um eine Bundesanstalt, die in der Regierung verankert ist“, fügt er hinzu. Am Wichtigsten, das betont er, sei jedoch Zeit. „Auch ohne große Einsätze sind es doch einige Stunden, die man aufwendet über das Jahr. Das muss man mit Familie oder Arbeitgeber abstimmen.“

Obwohl der Hochwasser-Einsatz in Regensburg für die THW-Helfer nun größtenteils abgeschlossen ist, geht es beispielsweise für einige Ehrenamtliche morgen schon weiter: Drei Helfer aus der Domstadt wurden mit großem Bergeräumgerät zu Aufräumarbeiten in Passau angefordert.

Infos zum Regensburger THW-Ortsverband

Geschichte: Der Ortsverband Regensburg wurde 1952 gegründet. Zu den größten Einsätzen in der Geschichte gehören unter anderem die Hochwasserereignisse 1954, 1988, 2002 und 2013 in Regensburg und an der Oder. Auch beim Papstbesuch 2006 waren viele Kräfte im Einsatz.

Aufgaben: Retten, bergen, Sicherungs- und Räumarbeiten sowie technische Hilfeleistungen: Aufgrund des großen Aufgabenbereichs verfügt jeder Ortsverband über einen Zugtrupp, grundsätzlich über eine Bergungsgruppe und eine Fachgruppe Notinstandsetzung sowie mindestens über eine Fachgruppe.

Vor Ort: Der Ortsverband Regensburg verfügt über drei zusätzliche Fachgruppen: Wassergefahren, Infrastruktur und Räumen. Aktuell engagieren sich 130 Helfer im Regensburger Ortsverband.

Hier bereiteten die Kräfte die Werftstraße für die Rückkehr der Anwohner vor. Foto: Daniel Steffen