Große Liebe über Umwege: Hochzeit von Ramona und Michaela Hauser bewegte Tausende

Von Renate Ahrens · 11. Juni 2024 um 19:00

Ramona (24) und Michaela Hauser (33) aus Altenschwand im Landkreis Schwandorf haben ihr Glück gefunden: Im Mai wurden sie im Standesamt in Bodenwöhr getraut. Ihre Liebesgeschichte sei etwas ganz Besonderes, eigentlich sei sie sogar hollywoodreif, sagen beide Frauen.

Tatsächlich hat der Bericht über ihre Hochzeit bereits Zehntausende Leser auf der Internetseite der Mittelbayerischen berührt. Negative Klischees über gleichgeschlechtliche Partnerschaften gehören der Vergangenheit an, erklären sie. Beide fühlen sich angekommen und angenommen – von der Gesellschaft und auch von ihren Familien. Vor allem Ramona, eine Chemikantin, hatte schon immer genaue Lebenspläne und diese konsequent verfolgt: „Heiraten, Haus bauen, Kinder“, so stand es auf ihrer Liste, und all das habe sich erfüllt. Aber: Eine Frau oder einen Mann heiraten? Das sei Ramona nicht immer klar gewesen.

Bei einer Partnerschaft sei ihr der Mensch an sich wichtig, und den, so ist sie zutiefst überzeugt, habe sie nun mit Michaela gefunden. In der Pubertät sei sie noch auf der Suche nach ihrer Identität gewesen. „Ich war in einer katholischen Mädchenrealschule. Dort bekam man ein gewisses Rollenbild vermittelt“, sagt Ramona.

Unsicher in der Pubertät

Mit 15 Jahren hätte sie erstmals festgestellt, dass sie für ihre damalige beste Freundin mehr empfand. Die Gefühle fuhren Achterbahn. „Ich dachte mir: Ist das normal? Warum kannst du nicht sein wie andere Mädchen?“ Lange hielt sie ihre Orientierung geheim. „Es fiel mir schwer, dazu zu stehen. Ich habe viel geweint, allein in meinem Zimmer.“ Eine Lehrerin, der sich die Freundin anvertraut hatte, fragte Ramona, wie es ihr ginge. „Da habe ich mich zum ersten Mal verstanden gefühlt“, sagt die junge Frau. Und die Eltern? Sie hätten gelassen reagiert, freut sie sich.

Längere Partnerschaften folgten, mit einem Mann und mit einer Frau. Doch es war nicht das Richtige: „Ich habe viel Temperament. Mein Partner muss jemand mit einem starken Charakter sein, der mir auch einmal Kontra gibt.“ Danach hätte sie ihr Singleleben genossen – aber nicht lange, denn das Schicksal hatte andere Pläne. Mit Freunden besuchte sie am 4. November 2022 die Disco JT’s in Wackersdorf. In der Raucherecke nachts um halb zwei Uhr habe auf einmal Michaela „wie ein Engel“ vor ihr gestanden – und es habe sie wie der Blitz getroffen.

Michaela lacht. Ja, ihr ging es genauso, gesteht sie – und auch sie wollte eigentlich nach der Trennung von ihrem Mann eine Pause. Aber zwischen den Frauen knisterte es sofort, und beide begannen zu flirten. „Ich bat Ramona um ein Feuerzeug. Natürlich hatte ich eins, es war nur ein Vorwand“, erinnert sich Michaela. Noch an diesem Abend küssten sie sich und tauschten Nummern aus.

Michaelas Geschichte ist anders: Sie war sechs Jahre lang mit einem Mann verheiratet und hat drei Kinder (2, 5, 7), für die sie sich heute das Sorgerecht mit dem Vater teilt. Zuvor hatte die 33-jährige Hauswirtschaftshelferin auch einige Erfahrungen mit Frauen.

„Eigentlich wusste ich die Richtung. Aber ich war noch nicht reif genug für eine gleichgeschlechtliche Beziehung. Ich konnte es mir nicht eingestehen, und ich wollte Kinder.“

Nun mit sich im Reinen

Kinder wünschte sich auch Ramona – und hat sie nun. Ihre Beziehung zum Nachwuchs sei bestens, was Michaela, die zuvor in Krondorf lebte und dann nach Altenschwand zu Ramona zog, von Anfang an sehr wichtig war. Alle drei Kinder hätten Ramona ins Herz geschlossen und nennen sie Mami. Und so sagte Michaela natürlich sofort Ja, als ihr Ramona am Murner See einen romantischen Heiratsantrag machte.

„Ich wollte endlich einen Schlussstrich ziehen und glücklich sein. Durch den Tod meiner Mutter hatte ich gespürt, wie kurz das Leben ist. Ich wollte mehr daraus machen.“ Die Reaktion ihrer Umgebung auf ihre Verlobung sei durchwegs gut gewesen. Die Kinder hätten einen Freudentanz aufgeführt, und die kleine Tochter war selig als Blumenmädchen. Schon die Trauung und die anschließende Feier sei traumhaft gewesen, schwärmen beide, inklusive der Rede des Bürgermeisters Georg Hoffmann. Der Bericht dazu interessierte im Netz Zehntausende.

In den Flitterwochen des frisch vermählten Paares ging es nach Portugal. In Zukunft wollen sie öfter reisen, so ihr Vorsatz. Ramonas Wunsch nach einem Haus, für das sie seit Jahren spart, erfüllt sich nun auch: In Altenschwand kaufte sich das Paar ein Grundstück und fängt noch heuer zu bauen an. „Dann ist das Glück perfekt“, sagen beide übereinstimmend. „Ich weiß, wir tun das Richtige“, sagt Ramona, und Michaela nickt: „Für immer.“