Harry G: Leider ein bisserl fad bei seinem Heimspiel in Regensburg

Zu erklären, wer Harry G ist, das ist hier im Freistaat so überflüssig, als wollte man einem Erdinger zeigen, wie man ein Weißbier einschenkt. Der Comedian ist nämlich jenes goldene Senfkorn, nach dessen Fruchtbarkeit das Showgeschäft dürstet wie, sagen wir: ein Fastenprediger in der Wüste.
Vor gut zehn Jahren, da postete der in Regensburg geborene Markus Stoll zum Oktoberfest auf YouTube selbstproduzierte Videos. Und die generierten millionenfache Klicks. In bester bayerischer Grantlermanier zielte er dabei auf alles Windige und Unechte, auf die Chichi-Schickeria wie auf die von ihm so genannten „Isarpreiß’n“. Und legte als tirolerhuttragende Kunstfigur HarryG mit seinen Tiraden eine Punktlandung hin, so dass die Empörung, die da im Dialekt aus ihm herausbrach, ihn emportrug, wie die Münchner Eisbachwelle nach einem Jahrhunderthochwasser. Und erreicht zugspitzartige Höhen, so dass der Switch vom digitalen Mäusekino auf die analoge Bühne wie auch zu TV-Produktionen wie „Der Beischläfer“ (tatsächlich: top!) praktisch nur ein Katzensprung war.
Seither also hat Harry G, dieses charmante und mit monacensischer Street-Credibility ausgestattete Naturtalent, einen Platz in den Herzen der Bayern. Und er freute sich, wie er in den Katakomben des Audimax erzählt, auch ganz besonders auf seinen Auftritt an der Uni Regensburg. Denn als Studienanfänger hat er hier seine ersten Vorlesungen in Sachen „Grundlagen der Volkswirtschaft“ beim Wirtschaftsweisen Prof. Wolfgang Wiegard gehört – bevor es ihn weiterzog, nach Innsbruck und Buenos Aires. Trotzdem: Diese von ihm zwei Stunden lang im Vollgasmodus vorgetragenen „Hoam-Stories“, sie sind insgesamt ziemlich mau. Das liegt ganz bestimmt auch an der erstaunlich blechernen Akustik im Saal, die manche Spitze im applausuntermalten Matsch ersticken lässt. Aber leider auch an den ziemlich beliebigen Inhalten, die dieses von Leitmotiven wie dem „Škoda Fabia“, der „Me Time“, den „Old men noises“ oder „Leinsamen“ kaum zusammengehaltenen Textkonglomerat ausmachen.
Die zentrale Figur, das ist jener Vater, dessen Neurosen danach verlangen, an einem Freitagnachmittag vor den Ferien stets pünktlich um 13 Uhr mit dem Wagen loszufahren. Um so jeglichem Stau am Irschenberg zu entkommen, wenn die vierköpfige Familie in den Italienurlaub aufbricht. Diese Story, Harry G walzt sie bis zur völligen Transparenz aus, so, als wär’s der Teig eines Apfelstrudels. Leider aber fehlt ihr am Ende das, wonach sich Cherrypicker und Rosinenklauber die Finger lecken würden. Die Figuren, die er verkörpert, sei’s der Vater oder sei’s Esoterikbraut Birte, sie sind nicht nur sattsam bekannt. Ihnen fehlt auch jede Tiefe, jedes Geheimnis und damit alles, was sie interessant machen könnte. Und so fließt dieser Abend dahin, wie die hochwasserführende Donau.
Man kratzt sich hinter den Ohren, wie viel Text da unter Hochdruck herausgeschleudert wird – dabei aber Originalität und Eigensinn auf der Strecke bleiben. Als Treibgut taucht einmal „Aiwanger“ auf (die Pointe? War wohl zum Vergessen!) und an anderer Stelle „Sylt“: Aber auch da setzt HarryG eher auf die Tugend des „Bayerndusel“, sodass „Angsthasenfußball“ herauskommt, wenn er darauf hofft, dass der vorbereitete Gag (ein schwarzer Wecker der Firma Braun – der soll in Kombination mit dem Gigi D’Agostino-Gegröle auf der Nordseeinsel eine Assoziationskette auslösen) sich selbst zum Statement gegen Rassismus rundet. Sodass am Ende der schale Eindruck bleibt: Dieser Mann mit Hut, er macht sich viel kleiner, als er ist. Weil an der Gabe des Harry G, ein bayerisches Figurenarsenal auf himmlische Weise zu verkörpern, kein Zweifel besteht.