Missbrauch in der Umkleide – Senior (76) widerruft Geständnis aus erstem Gerichtsprozess

In einem Schwimmbad im Landkreis Regensburg soll zu dem Übergriff auf ein Kind gekommen sein. Ein Rentner, der sich an der Neunjährigen vergangen haben soll, gestand das im ersten Prozess. Nun muss der Fall in der Berufung am Landgericht neu aufgerollt werden.
Er soll die damals Neunjährige in die Umkleide eines Schwimmbads gelockt und da missbraucht haben. So hat es das Amtsgericht vor acht Monaten festgestellt. Die Richter verurteilen den 76-Jährigen wegen Kindesmissbrauchs zu 22 Monaten Haft ohne Bewährung – das Geständnis, das der Mann im Prozess ablegte, will der Rentner mittlerweile widerrufen. Der Fall muss am Landgericht daher neu aufgerollt werden. Und auch das Opfer wird aussagen müssen.
Der nach dem Bekanntwerden des Vorfalls gekündigte Bademeister war im Oktober erstmals in Regensburg vor Gericht gestanden. Erst nach drei Stunden und mehreren Unterbrechungen hatte der Angeklagte die Vorwürfe über seinen damaligen Anwalt gestanden. Damit blieb dem Mädchen eine Aussage, ihm selbst eine Gefängnisstrafe ohne Bewährung jedoch nicht erspart. Einsicht war bei dem Rentner im Prozess vor dem Jugendschöffengericht nicht zu erkennen.
„Mein Mandant ist im ersten Prozess zu Unrecht verurteilt worden“
Den Fall hat mittlerweile der Strafverteidiger Michael Haizmann übernommen. Und der wird sehr deutlich: „Mein Mandant ist im ersten Prozess zu Unrecht verurteilt worden.“ Der Senior bestreite die Tat und ließ das auch im Oktober beim Amtsgericht klar durchblicken. Er sei damals „aber völlig überfahren“ gewesen, so Haizmann. Dem 76-Jährigen sei unter dem Druck nichts anderes übrig geblieben, als „alles abzunicken“. Damit habe der Rentner jedoch ein Verbrechen gestanden, das er gar nicht begangen habe. Weil das Geständnis nun widerrufen werden soll, ist ein in dieser Woche schon geplanter Termin am Regensburger Landgericht auch wieder abgesetzt worden.
Die Vorwürfe, die gegen den Senior aus dem Landkreis im Raum stehen, haben es in sich: Im Dezember 2021 soll der da noch als Bademeister beschäftigte Mann ein Mädchen in die Umkleide des Schwimmbades gelockt und da missbraucht haben. Die Neunjährige vertraute sich später ihren Eltern an, die das Ganze aber kritisch hinterfragten. Weil sie, wie die Mutter unter Tränen berichtete, sich nicht habe vorstellen können, dass jemand sowas tut, „wenn die Mutter direkt vor der Tür wartet“. So sei das an jenem Tag im Dezember nämlich gewesen. Im Nachhinein werte sie das als den „größten Fehler, den ich je gemacht hatte“.
„Mama, es war schon so“
Fakt ist: Die Polizei wurde informiert und kam schnell auf den 76-Jährigen. Das Mädchen blieb zunächst bei seiner Aussage, widerrief dann unmittelbar vor der Videovernehmung bei der Kripo aber alles. Daher wollte die Mutter den Termin absagen – kurz darauf sei die Neunjährige wieder zu ihr gekommen und stellte es richtig: „Mama, es war schon so.“ Am Ende sagte das Mädchen aus. Laut dem Gericht hatte eine Sachverständige für Aussagepsychologie, die das Kind begutachtet hatte, ebenfalls bestätigt, dass es wahrhaftige Erlebnisse geschildert habe.
Der Verteidiger des Mannes hat erhebliche Zweifel, dass die Tat so passiert sein kann, wie das geschildert wurde. Zudem, so Haizmann weiter, sei die Umkleide öffentlich zugänglich. Es sei aus seiner Sicht nicht ausgeschlossen, dass jemand ganz anderes der Täter war. Sein Mandant sei 76 Jahre alt, nicht vorbestraft und noch nie aufgefallen. „Das passt einfach alles irgendwie nicht“, betonte Haizmann. Daher müssten alle Details auf den Tisch.