Beschäftigte der Kreissparkasse Kelheim kritisieren die Fusionspläne mit Ingolstadt

Mit einem „stillen Protest“ haben Beschäftigte der Kelheimer Kreissparkasse am Donnerstag (6. Juni) gegen die Fusionspläne zwischen „ihrer“ und der Sparkasse Ingolstadt Eichstätt protestiert – gegenüber denen, die entscheiden werden.
Wie berichtet, verhandeln beide Institute offiziell seit Anfang März über die Fusion zur „Sparkasse Mittelbayern“. Entscheiden müssen aufseiten der Kreissparkasse Kelheim (KSK) der Sparkassen-Zweckverband sowie vor allem Kreistag und Stadtrat Kelheim. Die zwei letzteren Gremien waren am Donnerstag zu einer Info-Veranstaltung in die KSK-Zentralverwaltung Schäfflerstraße eingeladen. Und wurden von etwa 65 der rund 180 Beschäftigten der Zentrale schon erwartet.
Mit Plakaten verdeutlichten sie Frust und Sorgen: „Das letzte Tafelsilber – Ausverkauf der Kreisstadt Kelheim??“ oder „Erst das Krankenhaus – jetzt ist die Sparkasse dran“ oder „Warum wurden die Mitarbeiter nicht früher informiert?!“
Angst um Arbeitsplatz
„Ich habe Angst um meine Zukunft und Sorge, wie es mit meinem Arbeitsplatz weitergeht“, sagt zum Beispiel Dagmar Lorenz aus Kelheim. Mit 56 sei sie „zu jung fürs Aufhören, aber in einem Alter, mit dem es schwer würde, einen neuen Job zu finden“.
Zwar steht in einer Mitarbeiter-Info, dass alle Mitarbeitenden und Geschäftsstellen übernommen werden sollen; es sei zudem „der Anspruch, Mitarbeitenden weiterhin heimatnahe, attraktive Arbeitsplätze anzubieten und dabei die Potenziale von mobilem Arbeiten zu berücksichtigen.“ Aber unter den Beschäftigten geht u.a. die Sorge um, dass sie in Folge der Fusion nach Ingolstadt wechseln müssen.
„Viele Mitarbeiter haben Probleme mit dieser Fusion“: So viel kann der Personalratsvorsitzende und Stadtrat Thomas Häckl bestätigen; ansonsten sei er zur Verschwiegenheit verpflichtet, so Häckl.
Kelheim wäre der kleinere Partner
Hintergrund der Sorge: Die KSK wäre im neuen Verbund eindeutig der Juniorpartner, wie z.B. ein Vergleich der Bilanzsummen 2023 zeigt. Kelheim weist 2,8 Milliarden Euro aus, was ein „gutes Mittelfeld“ sei, argumentieren die Beschäftigten. Aber dem standen 2023 in Ingolstadt-Eichstätt eben 7,0 Milliarden gegenüber.
Entsprechend soll Ingolstadt der künftige Hauptsitz werden und der dortige Vorstandsvorsitzende Reinhard Dirr diesen Titel behalten; sein Kelheimer Pendant soll Vize werden. Ist die Fusion dringlich? „Nein, aber sie kommt jetzt genau zum richtigen Zeitpunkt“, antwortet Scholz auf dem Weg ins Gebäude.
Dorthin strömen auch zahlreich die Kreistags- und Stadtratsmitglieder. Durchs Plakatspalier gehen die meisten eher schnellen Schrittes, einige lesen aufmerksam die Plakate.
„Die Erst-Information heute kommt reichlich spät“, kritisiert Fritz Mathes, der an diesem Tag nicht als Sparkassen-Mitarbeiter, sondern als Kreisrat in die Zentrale geht. Schon seit einem Jahr kursierten die Fusionsgerüchte, so Mathes.
Dem wolle man mit der Infoveranstaltung Fakten entgegensetzen, sagte Landrat Martin Neumeyer auf dem Weg in die Sitzung. Die Entscheidung im Kreistag sei Ende Juli geplant. Laut Mitarbeiter-Info soll die Fusion juristisch zum 1. Januar 2025 erfolgen, technisch dann im April.

