In Regensburg geht eine Grinsekatze auf die Suche nach Lücken

Hand in Hand machen sich Gruppen des Community Theaters Regensburg auf den Weg durch die Zwischenräume der Welt: in dem bizarren, wunderbar unterhaltsamen Stück „Mind the gap“.
„Eine Lücke ist eine Lücke, ist eine Lücke, ist…“ Sie glauben das nicht? Dann schaun S’ mal nach – Parklücken, Zahnlücken, Gesetzeslücken, Baulücken, wo man hinschaut Lücken. Selbst im Kleinsten, bei den Atomen und im Weltall, da herrscht trotz der Überfüllung mit Sternen eindeutig die Lücke vor. Mitglieder des Community Theaters sind dem Phänomen bei der Gründungsversammlung des Vereins zur Erforschung der Lücke nachgegangen.
„Mind the gap“, achte auf die Lücke, nennen die überwiegend jungen Schauspielerinnen ihr wunderbar unterhaltsames Stück, das sie zusammen mit Oda und Twyla Zuschneid entwickelt und im Jungen Theater in Szene gesetzt haben. Unabsichtlich stößt das Team dabei gleich zu Beginn auf „Tierchen in der Lücke“ – Läuse, die das leicht aufgeschreckte Publikum allerdings nicht selbst zu Gesicht bekommt. Die Läuse springen den Kids gleich wieder von der Fingerspitze.
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Weitere Forschungen für „Mind the gap“ führen zu der Erkenntnis, dass es Lücken gibt, die man füllen kann, und andere, wie einen Schmerz im Herzen, die sich nicht füllen lassen. Davon erzählt ein älteres Community-Mitglied, das seine Kindheit in Persien, im Iran verbracht hat. Ein gemeinsamer Tanz lässt die Sehnsucht erspüren, die mit solchen Erinnerungen verknüpft sein können. Beim Tagesordnungspunkt neun stoßen die Kids auf „Die Unsichtbaren“: Die räumen nachts oder früh am Morgen den Müll in der Schule weg, mit dem die Kinder tags zuvor die Sauberkeitslücken auf dem Schulgelände gefüllt haben. Etwas Pädagogik muss auch sein: „Schluss – aus – Basta.“
Im zweiten Teil der Produktion wird die schöne Welt kluger Erkenntnisse und Einsichten heillos auf den Kopf gestellt. In einer Gruppe, die auf einem Bahnsteig wartet, döst und vor sich hinstiert, bindet sich eine der Figuren eine Schürze um und beginnt, die anderen über Essen zu beschwatzen. „Ich falle“, ruft ein Mädchen, „bis zum Mittelpunkt der Erde“ und die anderen folgen ihm in einem kollektiven Taumel. „Alices Adventures under ground“ haut die absurde Erzählung von Lewis Carroll (in einer Fassung von Soeren Voima) in den Mixer oder genauer: in die Waschmaschine. Heraus kommt eine noch bizarrere, aberwitzigere Geschichte mit streitenden Waschmittelkartons und Paprikas, die einen eingeklemmt im U-Bahnschacht wachsen oder schrumpfen lassen. Und eine obercoole Puppenärztin, bringt zwei Tote im Handstreich wieder auf die Beine. „Hurra, wir leben noch“, jubeln die beiden herrlich roboterhaft trippelnden Puppen.
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Irgendwie steht alles auf den Kopf. Das Denken gelingt nur, wenn sich der Kopf dreimal im Kreis und wieder anders herum dreht. „Es ist alles verkehrt“ seufzt Biggy (Noah Egersdörfer), heult sich die Augen aus und glaubt in seinen „eigenen Tränen zu ertrinken“.
Durch all dem fantastisch gespielten aberwitzigen Unsinn, wirbelt immer wieder Alice Nummer 9, alle sind Alice, die als weißes Küchenkaninchen (Jay Dendorfer) schimpfend durch die Paradoxie einer verkehrten Welt zieht. „Bin ich vielleicht ausgetauscht? Verwandelt?“ fragt sich Alice X (Linda Winkler) mehr verwundert als verzweifelt. Am Schluss sind sich alle uneinig einig: „Ich bin Alice“, macht jede der anderen die Identität streitig, um nach einem lauten Puff wieder zwischen den Gleisen aufzuwachen und auf die Abfahrt des Zuges zu warten.
„Mind the gap“ ist eine höchst vergnügliche Inszenierung (Nicolas Heißner), mit Leidenschaft und coolem Eifer wunderbar gespielt. In die letzte Runde geht die Story mit der Grinsekatze, Alice Nummer sechs (Maya Luxi), am Samstag (8. Juni, 19.30 Uhr) im Jungen Theater Regensburg.