Bundeskanzler Scholz besucht Hochwasser-Brennpunkt Reichertshofen – und verspricht Hilfen

Dank und Respekt zollte Bundeskanzler Olaf Scholz den Helfern im Hochwassergebiet. Bei einem Besuch in Reichertshofen stellte er den Gedanken der Solidarität in den Mittelpunkt – und sicherte an der Seite von Ministerpräsident Markus Söder auch Hilfe für die Betroffenen zu.
Besuche in Krisengebieten haben schon so manchen Wahlkampf beeinflusst. Entsprechend groß ist der Aufruhr, als Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) am Montag nach Reichertshofen kommt. Der Marktgemeinde im Kreis Pfaffenhofen haben die so stark wie noch nie angestiegenen Pegel der ansonsten meist beschaulich dahinfließenden Paar ein Wochenende beschert, wie es der Ort bisher noch nie erleben musste.
Viel mehr Wasser als je zuvor in der Paar
Das sagt zumindest Tobias Niedermayr von der örtlichen Feuerwehr. Er hat in den vergangenen 30 Jahren – so lange ist er bei der Wehr – schon manches Hochwasser erlebt. „Aber so eines noch nie. Es war viel mehr Wasser, als wir hier jemals hatten.“ Beim Scholz-Besuch sitzt Niedermayr zusammen mit Thomas Hennig und Manfred Braune am Biertisch. Wurstsemmel in der Hand, Spezi am Tisch. „Nur kurz durchschnaufen“, sagt Hennig, „wir haben noch viel zu tun.“ Dann kommt Scholz. Beim Schlendern durch die Mannschaftshalle hält er ausgerechnet vor Niedermayr, grüßt freundlich, wechselt ein paar Worte mit ihm. „Er wollte einfach nur wissen, wie es uns geht und wie wir das alles wegstecken – er wünschte uns Kraft“, berichtet der Reichertshofener. Symbolisch ballt Scholz zum Abschied die rechte Hand. „Ich bin dankbar für die vielen Frauen und Männer, die in solchen Situationen Menschenleben retten, Hab und Gut und die Infrastruktur sichern“, sagt der Kanzler später in die Mikrofone. „Solidarität ist das, was die Menschen in einer solchen Katastrophe am meisten brauchen – und was auch hilft.“ Nebenbei kündigt Scholz Hilfe an. Ganz konkret im Einsatzgebiet durch die Soldaten der Bundeswehr. Betroffenen, denen in den vergangenen Tagen die Keller vollgelaufen sind, die zum Teil ihren halben Hausstand verloren haben oder vor immensen Haussanierungsmaßnahmen stehen, sichert er ebenfalls Unterstützung zu. „Durch unsere geübte Praxis der Solidarität, so wie wir sie in anderen Regionen der Republik schon angewandt haben“, wie es Scholz vage formuliert. Gemeint seien vermutlich Steuererleichterungen, übersetzt Pfaffenhofens Landrat Albert Gürtner (FW). Er ist Teil der politischen Entourage, die Scholz in Reichertshofen empfängt oder begleitet.
Söder zum Zweiten
Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ist zum zweiten Mal in zwei Tagen in die Marktgemeinde von Bürgermeister Michael Franken (JWU) gekommen. Franken und Gürtner müssen über den Polit-Doppelpack zwar ein wenig schmunzeln, begrüßen ihn aber auch. „Es hat schon was von Wertschätzung für die Helfer“, findet Gürtner. Und Franken kann der Aufmerksamkeit ebenfalls was abgewinnen. „Das ist wie ein Marketing-Push. Jetzt kennt uns zumindest jeder“, meint er. Wichtig sei der Besuch aber vor allem für die vielen Helfer, sind sich beide einig. „Die haben sich das redlich verdient“, sagt Gürtner.
Politiker können es nur falsch machen
Franken ergänzt: „Was unsere Feuerwehrler und Bürger hier seit Tagen runterreißen, ist einfach nur der Wahnsinn.“ Ganz ähnlich sieht die Sache Christian Nitschke. Der Pfaffenhofener Kreisbrandrat kann sich vor Presseanfragen seit dem Wochenende kaum retten. Auf die Frage, ob er den Kanzlerbesuch eher hilfreich oder mehr störend empfinde, antwortet er salomonisch: „Die Politiker haben es nicht leicht. Kommen sie her, werden sie kritisch beäugt. Kommen sie nicht, sind sie pauschal unten durch.“ Für ihn und die meisten Kameraden sei dieser Termin eine echte Wertschätzung. Nitschke liegt damit auf einer Linie mit Tobias Niedermayr. Aber der fügt noch an, was sich ansonsten viele nur denken. „Jetzt ist’s auch gut, dass sie alle wieder weg sind“, ergänzt er, „denn jetzt können wir endlich wieder in Ruhe arbeiten.“ Damit meint der Feuerwehrler auch die übrigen Politiker im Schlepptau von Scholz und Söder. Der Kanzler bringt Innenministerin Nancy Faeser (SPD) mit, die Worte des Danks und des Mitgefühls für den tragisch ums Leben gekommenen Feuerwehrmann aus Ehrenberg findet. Um Söder scharen sich Innenminister Joachim Herrmann (CSU) und Umweltminister Thorsten Glauber (FW). Vizekanzler Robert Habeck (Grüne) war bereits am Sonntag hier.
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Es gibt auch kritische Töne
An politischem Personal mangelt es in diesen Tagen in Reichertshofen also gewiss nicht. Etwas anderes vermisst eine schimpfende Passantin am Paarufer hingegen schon. „Die sollen lieber daheim bleiben und uns helfen“, wettert sie abseits des Trubels. Scholz und Söder hören das nicht, sie stehen zu der Zeit am Paarufer. Später sprechen sie nach ihrem Marsch durch den Ort in die Mikrofone der unzähligen Journalisten vor der Einsatzzentrale. Was dabei klar wird: Bund wie Freistaat wollen weiter in den Schutz vor Naturgewalten investieren. „Wir müssen uns noch besser vorbereiten“, meint Scholz. Söder stößt ins selbe Horn und meint: „Jede Hilfe des Bundes können wir gut brauchen. Und wir nehmen sie auch gerne an.“
