Tapfere Fluss-Anwohner im Landkreis Regensburg: „Es hätte schlimmer kommen können“

Von Jürgen Scharf · 3. Juni 2024 um 18:26

Vielerorts gibt es im Landkreis Regensburg nun vorsichtig Entwarnung. In den Gemeinden an der Donau wird aber noch gebangt.

Anna Pflügl wohnt direkt am Regenufer in Zeitlarn. In Sachen Hochwasser hat sie schon viel erlebt. „2002, da war es ganz arg“, erzählt sie. Auch die Tanks im Keller wurden da beschädigt. „Überall das Öl, das war schon sehr schlimm.“ Im Vergleich dazu sei dieses Jahr „noch alles so einigermaßen in Ordnung“. Sie sei zufrieden, es hätte schließlich noch ganz anders kommen können, findet sie.

Das Hochwasser hat an vielen Stellen im Landkreis Regensburg zugeschlagen. Es gibt unzählige einzelne Schicksale. Vollgelaufene Keller. Große finanzielle Schäden. Völlige Erschöpfung nach einem langen Wochenende unermüdlicher Arbeit im Kampf gegen das Wasser. Dennoch ist an vielen Stellen die Stimmung ähnlich wie bei Anna Pflügl. Tenor: Es ist jetzt eben wie es ist – und zum Glück zumindest nicht noch schlimmer.

„Es war sogar ein halber Meter mehr Hochwasser angekündigt gewesen. Soweit ist es dann nicht gekommen – und das ist letztlich ein großer Unterschied“, erzählt Jürgen Schmid, Geschäftsstellenleiter der Gemeinde Zeitlarn. Gemeinsam mit Bürgermeisterin Andrea Dobsch steht er an der Hochwasser-Absperrung auf dem Weg zum Regenufer: „Jetzt sollte es normalerweise auch keine bösen Überraschungen mehr geben.“

„Waren gut vorbereitet“

Dobsch zieht eine erste Bilanz. „Wir waren gut vorbereitet“, sagt sie. Der Hochwasser-Alarmplan habe reibungslos funktioniert. Dennoch habe es etliche Hausbesitzer schwer getroffen. Das Wasser bahne sich schließlich auf verschiedensten Bahnen seinen Weg. Jeder einzelne Fall sei oft eine kleine, private Katastrophe für sich. Im Großen und Ganzen sei Zeitlarn dieses Mal aber „relativ glimpflich davon gekommen, das muss man schon so sagen“. Dobsch zufolge zeige das vergangene Wochenende auch einmal mehr, wie wichtig die Hochwasserschutzmaßnahmen sind – und dass das Geld hier gut angelegt ist. Ein Teil der Hochwassermauer in Zeitlarn steht bereits. Bis 2027 soll sie komplett fertig sein. „Und wir hoffen sehr, dass auch für den Hochwasserschutz für Regendorf die Finanzmittel noch bewilligt werden“, sagt Dobsch.

Das Regensburger Landratsamt teilt am Montag mit, dass die Einsatzkräfte weiterhin im Einsatz seien. Insgesamt könne die Lage bislang gut bewältigt werden. Nach aktuellem Stand gebe es auch keine Probleme mit den Deichen, teilte die Behörde mit.

Insgesamt etwa 300 Einsätze

Am Wochenende habe es im Landkreis insgesamt etwa 300 Einsätze mit über 700 Beteiligten gegeben. In der Nacht auf Montag mussten die Einsatzkräfte dann noch einmal etwa 30 Mal ausrücken. „Aktuell ist die Lage jedoch ruhig“, teilte Landrätin Tanja Schweiger gestern mit. Da war aber noch unklar, wie sich die Lage an den neuralgischen Punkten entlang der Donau weiter genau entwickeln wird. Die Anwohner und Rettungskräfte hätten hier allerdings „bereits umfangreiche Vorkehrungen für die noch ausstehende Spitze getroffen“. An den Nebenflüssen wie Naab oder Regen würden die Pegel derweil bereits fallen, teilte das Landratsamt mit. Auch Wenzenbachs Bürgermeister Sebastian Koch gab am Montag vorsichtig Entwarnung: „Am Samstag war es an einigen Stellen recht heikel, aktuell entspannt sich bei uns aber die Lage.“

In Beratzhausen steht Bürgermeister Matthias Beer auf der kleinen Fußgängerbrücke eines Überlaufes der Laber. Dieser führe normalerweise nur wenige Zentimeter hoch Wasser, erzählt er. Nun ist er mächtig angeschwollen. Das Wasser steht bereits an der Unterkante der Brücke. „Die wird wohl noch überspült werden“, sagt er. Ein Spielplatz direkt daneben steht bereits unter Wasser. Er befindet sich in einem Rückhaltebereich, der nun vollgelaufen ist. Ein Auto bahnt sich seinen Weg durch eine überflutete Straße. Die Reifen versinken mehrere Zentimeter tief im Wasser.

„Auf dem kurzen Dienstweg“

Auch in Beratzhausen zieht Beer trotz dieser Szenen eine durchaus zufriedene Bilanz. „Der Tenor, den ich von den Einsatzkräften mitbekommen habe, ist: Wir jammern nicht rum, sondern nehmen die Lage so, wie sie ist.“ Die sei auch hier für manche Haus- und Grundstückbesitzer schlimm gewesen: „Die Einzelschicksale sind dramatisch, klar.“ Es gab unter anderem völlig unkalkulierbare Sturzbäche auf freier Fläche. Insgesamt habe die Gemeinde die Pegel am Wochenende aber „noch relativ gut meistern können“, erzählt Beer. Dies habe nicht zuletzt an der Koordination der Feuerwehrkommandanten gelegen. Die hätten „auf dem kurzen Dienstweg“, wie Beer sagt , Brennpunkte erkannt und Einsatzkräfte und Material dort hin geleitet.

Nicht zuletzt haben sich an vielen Orten die zuletzt installierten Schutzmaßnahmen bewährt. In Zeitlarn wird die Hochwassermauer bald komplett fertig sein. Zuletzt wurde bereits eine große Retentionsfläche geschaffen, die am vergangenen Wochenende ihre Funktion eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat: „Die nimmt einiges weg, das merkt man ganz stark“, sagt Anna Pflügl – und geht dann in ihr Haus.

Bürgermeister Matthias Beer am Überlauf der Laber in Beratzhausen. Normal ist das Wasser hier nur wenige Zentimeter hoch – jetzt steht es bereits an der Unterkante der Fußgängerbrücke.
Im Landkreis sind etliche Straßen wegen des Wassers nicht mehr befahrbar.
In den Gemeinden an der Donau wird weiter gezittert – der Scheitelpunkt war hier am Montag noch nicht erreicht.
In und um Sinzing sind große Flächen überflutet.
Der Hochwasserschutz bei der „Walba“ in Matting steht.