Wie Europa jeden erreicht: In diese Projekten im Landkreis Neumarkt steckt Geld der EU

„Europa kostet uns nur Geld und verursacht Bürokratie!“ Dieser Vorwurf wird vor allem von Parteien kommuniziert, die einen Ausstieg aus der Europäischen Union propagieren – doch stimmt der Vorwurf überhaupt? Diese Projekte im Landkreis Neumarkt gäbe es ohne Fördermittel aus Brüssel nicht.
Berching: Fährt man auf einem Radweg im Altmühltal, hat man gute Chancen, auf einer von der EU geförderten Strecke unterwegs zu sein. Wer etwa von Neumarkt aus am Alten Kanal nach Berching strampelt, kann einen Abschnitt des EU-geförderten Fünf-Flüsse-Radwegs nutzen. Falls man dabei eine Panne hat, findet man Werkzeug und Luftpumpe an der neuen Radstation an der Schiffsanlegestelle in Berching. Diese wurden von Leader – und dadurch von der EU – finanziell unterstützt. Die bewilligte und damit in Aussicht gestellte Fördersumme liegt nach Angaben der Stadt bei 86500Euro. Nachdem man sein Zweirad wieder geflickt und aufgepumpt hat, geht es weiter nach Plankstetten. Wer dort im Klosterbiergarten einkehrt, profitiert ebenfalls von EU-Geldern. Mit über 110000Euro wurde der neue Außenbereich gefördert. Und wer nach einer anstrengenden Radtour noch grillen und übernachten will und dafür den Berchinger Grill- und Zeltplatz in Anspruch nimmt, nutzt erneut ein EU-unterstütztes Angebot. Mit knapp 100000Euro wurde die Anlage in Breitenfurt bezuschusst.
Berg: Bald können Radfahrer, die auf Tricks aus sind, und alles, was Rollen hat, den Pumptrack in Berg nutzen. Fertig ist er schon, eröffnet werden soll er Anfang Juni. Möglich machte dies auch die EU. Wie in diversen anderen Gemeinden im Landkreis, in denen ähnliche Anlagen entstehen oder entstanden, werden 60 Prozent der förderfähigen Kosten aus dem EU-Förderprogramm Leader übernommen. Der Pumptrack kostete insgesamt 170000 Euro.
Berngau: Von der Kläranlage zum integrativen Lernort im Grünen: Die Gemeinde Berngau machte aus einem alten Gebäude einen neuen Treffpunkt und einen „Mitmachort“ für alle Generationen, wie es ihn bisher in der LAG-Region noch nicht gab. Der alte Tropfkörper, der so genannten Schreiber-Tempel, der früheren Kläranlage wurde als „Erkläranlage Berngau“ neu interpretiert: als inklusiver „Ermöglichungsraum“ mit „grünem Klassenzimmer“, der unterschiedlichsten Gruppen an Nutzern zur Verfügung steht und je nach Bedarf, Jahreszeit oder Interesse eine Vielzahl von Natur- und „Erklär-Erlebnissen“ bietet. Durch Barrierefreiheit und die inklusive Ausstattung ermöglicht die Erkläranlage eine Teilhabe von Menschen mit Handicap. Die EU förderte im Rahmen eines Leader-Projekts 2020 die Kosten für die digitale Ausstattung, Möbel und Bildschirme in Höhe von rund 24000 Euro zu 50 Prozent. So entstand ein inklusiv und digital nutzbarer Lernbereich im Pavillon der Erkläranlage. Zentrales Element dessen ist ein interaktiv nutzbarer 75 Zoll-Outdoor Display. Stühle und Tische wurden inklusiv in den Werkstätten der Lebenshilfe, die Bänke in den Rummelsberger Werkstätten gefertigt, informiert Berngaus Bürgermeister Thomas Meier.
Deining: „Ohne EU-Mittel gäbe es viele wichtige Einrichtungen bei uns nicht“, sagt der Deininger Bürgermeister Peter Meier. Als Beispiel nennt er das 2013 eröffnete Naturbad, das „massiv mit EU-Mitteln gefördert wurde“. Aktuell gibt es drei Projekte in der Gemeinde, bei denen sich die EU mit mindestens 50 Prozent der förderfähigen Kosten beteiligt: Den frisch eröffneten Bike Park, die für 2025 geplante Dorfhalle in Oberbuchfeld und das Projekt Kugg – Kultur und Garten im Grünen in Tauernfeld. Dabei handelt es sich um Mehrzweckräume für Vereine mit Hochbeeten, Obstwiesen und einem Bienen-Lehrstand.
Dietfurt: Mithilfe einer EU-Förderung wurde 2022 der Wasserweg „Stadt & Wasser“ in Dietfurt ausgebaut. Dabei wurden Infotafeln mit kindgerechten Erklärungen neu gestaltet, teilt die Tourist-Info mit. An vier Erlebnisstationen können Kinder spielerisch unter anderem etwas über Wassertiere und Schleusen lernen. Bei der Gestaltung und Ausarbeitung der 18 Infotafeln wurden örtliche Vereine, Heimat- und Archivpfleger sowie Gästeführer einbezogen.
Freystadt: Das Naturbad in Freystadt wurde Anfang der 70er Jahre erbaut. Laut Bürgermeister Alexander Dorr habe es sich zu einem beliebten Ausflugsziel entwickelt. Durch das Projekt „Naturbad Freystadt – für Groß und Klein“ wurde das alte Gebäude durch ein neues Funktionsgebäude mit Kiosk, Räumlichen für die Wasserwacht, Dusch- und Umkleidemöglichkeiten sowie Toiletten ersetzt. Auch ein Erlebnis-Spielbachlauf für Kinder wurde errichtet. Nach dieser Maßnahme ist nicht nur das Funktionsgebäude, sonder auch das Wasser mittels einer Rampe barrierefrei erreichbar. Die Gesamtkosten beliefen sich auf rund eine Million Euro. Die Stadt Freystadt habe hierfür eine EU-Förderung aus dem Leader-Programm in Höhe von 200.000 Euro erhalten.
Lauterhofen: Wer auf dem Marktplatz in Lauterhofen unterwegs ist, kommt unweigerlich an der Alten Mälze vorbei: ein Nutzgebäude aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Im Oktober 2018 begannen die aufwendigen Sanierungsarbeiten, fertiggestellt wurde das Projekt schließlich im November 2020. Die Kosten für die Kernsanierung lagen bei etwa 1,3 Millionen Euro. 60 Prozent davon wurden durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert. Die restlichen Kosten wurden laut Bürgermeister Ludwig Lang von der Marktgemeinde getragen. Genutzt werden kann die Alte Mälze zum Beispiel für Veranstaltungen.
Lupburg: Nur mit Hilfe von EU-Mitteln aus dem Eler-Programm „Infrastrukturprojekte – Ländliche Wege konnte der Markt im vergangenen Jahr die Sanierung der Gemeindeverbindungsstraße nach Neuhaid stemmen. Sie ist die einzig befahrbare Verbindungsstraße zu einem Erlebnisbauernhof mit Hofladen und einer Schreinerei und wird überwiegend von den Anliegern, Kunden und Lieferanten der beiden Gewerbebetriebe benutzt. Zudem ist sie das erste Projekt der Dorferneuerung in See.
us
Mühlhausen: Die EU beteiligte sich mit 60 Prozent an der Sanierung eines Weges bei Kruppach, Mühlhausen. Die Kosten lagen bei 600000 Euro, der Ausbau fand bereits 2019 statt. Die alte Straße war nicht mehr ausgelegt für den landwirtschaftlichen Verkehr, da die Maschinen immer größer und breiter werden. Zudem gab es vor der Sanierung keine Entwässerung. Gefördert wurde das Projekt durch den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (Eler).
• Neumarkt: Die Sterne zum Greifen nahe: Bislang können die Besucher der Neumarkter Sternenwarte durch das Teleskop in den Himmel schauen. Um dorthin zu kommen, müssen sie aber eine enge Wendeltreppe hochsteigen – unmöglich etwa für Rollstuhlfahrer. Nun soll eine zweite barrierefreie Hütte mit einem Schiebedach gebaut werden. Hinzukommen soll zudem eine barrierefreie Toilette im bestehenden Gebäude. Projektträger ist die Bayerische Volkssternwarte Neumarkt. Die Kosten liegen bei knapp 150800 Euro, gefördert wird das Projekt durch das EU-Förderprogramm Leader mit geplanten 63000 Euro.
Parsberg: Rund 90 Prozent Fördergelder hat die Stadt Parsberg im vergangenen Jahr für den ersten Bauabschnitt der Innenstadtsanierung erhalten, der sich über die Dr.-Bocale-Straße und den Mallersdorfer Grund erstreckte. Dabei wurde die Straßenführung angepasst, neues Granitpflaster verlegt, Bäume gepflanzt und so die Aufenthaltsqualität für diese zentrale Einkaufsstraße verbessert. Das Geld stammt aus dem europäischen Fördertopf EU-React, aus dem Parsberg 2023 rund sieben Millionen Euro erhalten hat. Denn neben der Innenstadtsanierung wurden auch der neue Volksfestplatz sowie mehrere Projekte für das Stadtmarketing daraus bestritten. Ebenfalls EU-gefördert war die Sanierung des historischen Bahnhofsgebäudes, die ebenfalls 2023 abgeschlossen wurde.
us
Pilsach: Die EU macht sich ab Sommer in Pilsach in Form einer Anlage bemerkbar, die in der Nähe des Sportheims des DJK-SV Pilsach entstehen wird. Auch hier werden vor allem die jüngeren Pilsacher mit Fahrrädern, Rollern oder Rollerskates ihren Spaß haben. Der Bau des Pumptrack – auch Rollsportanlage genannt – wird hier ebenfalls durch das EU-Förderprogramm Leader unterstützt.
Postbauer-Heng: Nicht nur bei baulichen Projekten profitiert Postbauer-Heng immer wieder von Zuschüssen der EU. So ist man zum Beispiel wie etwa Deining, Velburg und Lupburg teil des Projekts „Jura Pump’n’Ride“, über das dank Leader-Zuschuss neue Skate- und Bikeparks entstehen. Auch kulturell fördert die EU lokale Projekte. Und da muss es nicht immer der ganz große Wurf sein. In Postbauer-Heng profitierte die Pfarrei St. Elisabeth mit einem von zwölf Projekten im Landkreis von den rund 20000 Euro LAG-Förderung für Kleinprojekte (ohne Foto). Damit setzte man vergangenes Jahr die Ausstellung „Kreuz | Weg | Kunst“ mit sakraler Kunst um.
Pyrbaum: Kicken auf dem Soccerplatz, Biken auf der Dirt-Bike-Bahn, Klettern, Trampolinspringen, Beachvolleyball und Stockschießen für die Erwachsenen – auf der Freizeitanlage in Pyrbaum gibt es fast alles, was das Herz begehrt. 720000 Euro hat die Kommune in das Projekt für alle Generationen investiert, davon kamen rund 175000 Euro aus der Leader-Förderung der EU. Im November 2023 wurde die Anlage eröffnet. Seitdem ist dort immer etwas los.
Velburg: Finanzmittel aus Fördertopfen der Europäischen Union konnte die Stadt Velburg zuletzt für die Errichtung eines neuen Tourismusbüros und einer öffentlichen WC-Anlagen im neuen Verwaltungsgebäude (Multifunktionsgebäude/früheres Efeuhaus) abrufen. Es wurde im Oktober 2021 seiner Bestimmung übergeben und stellt einen absoluten Mehrwert für die Öffentlichkeit dar. Ein weiteres Projekt war das Wiesergebäude. Hier wurden verschiedene Maßnahmen aus EU-Mitteln gefördert, unter anderem der Abbruch des alten Wieserhauses. Entstanden ist hier das „Kulturzentrum Wieserstadl“ mit verschiedenstens Nutzungsmöglichkeiten. Unter anderem sind hier im neuen Wieserhaus auch Räumlichkeiten für die Jugendarbeit und Senioren eingerichtet. Die offizielle Eröffnung war im Mai 2022.













