Regensburger Filmemacher rührt ein mörderisches Süppchen an

Regisseur und Schauspieler Erik Grun entdeckt in „Soljanka“ seinen Hang zu Skurrilem mit Horror-Touch. Jetzt lief der Streifen erstmals auf großer Leinwand.
„Zwischen Kinderfilmen und Horrorfilmen geht alles, was machbar ist”, sagt Regisseur Erik Grun über seine aktuellen Projekte – am Telefon. Persönlich kann er bei der Matinee seines neuen Films nämlich nicht anwesend sein. Einige der Schauspielerinnen und Schauspieler, sowie Kameramann und Produzent Matthias Gütersloh sind aber da, als am Sonntag um 11 Uhr im Regina Kino „Soljanka – eine ostdeutsche Spezialität” zum ersten Mal auf der großen Leinwand zu sehen ist.
Drei Wochen ist es her, dass die letzte Szene gedreht wurde, sagt Gütersloh, und scherzt: „Manchmal habe ich Angst, dass Erik mit dem Schnitt fertig ist, bevor wir alles gedreht haben.” „Schnellcutter” nennt Grun sich selbst. Doch auch bei Dreharbeiten verschwendet er keine Zeit: „Soljanka” wurde über nur vier Tage zum größten Teil in Nordhausen (Thüringen) gedreht. Mitgespielt haben auch eine Reihe Regensburgerinnen und Regensburger: Sepp Hobelsberger, Gabi Hoffmann, Andrea Pröll, Werner Rösch, Daniel Zimpel und Rolf Stemmle. Wachsame Augen dürften vereinzelt Regensburger Drehorte wie das Auerbräu oder das Lokal Götzfried in Tegernheim erkennen.
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Ein Lokal ist auch der Hauptspielort des Films. Es trägt den Namen „Soljanka” und bietet das gleichnamige Gericht auf der Speisekarte an. Die säuerlich-scharfe Suppe, eine Spezialität in Ostdeutschland und -europa, wird in den ersten paar Minuten des Films zubereitet. Zwiebeln und Essiggurken werden geschnitten, Fleisch gehackt und die Suppe aufgekocht. Plötzlich liegt ein Finger im Topf.
Der Film erzählt die Geschichte von Ulf (gespielt von Erik Grun) und seiner Chefin Hanna (Silvana Mähler). Seit Hannas Schwester in ihrer Bar von einem Unbekannten ermordet wurde, ist sie auf einem Rachefeldzug „im Kill-Bill-Style“, also: in der Manier des Schockers von Quentin Tarantino. Hannas Fokus richtet sich auf Männer, von denen sie in ihrer Gaststätte frauenverachtendes Verhalten mitbekommt. Ulf macht ihre Drecksarbeit und kocht hinterher Soljanka – mit wechselnden Zutaten.
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58 Minuten lang wird Hanna dabei begleitet, wie sie – so sagt sie es zu ihrem Psychologen – ihren Männerhass kanalisiert, und zwar auch noch, als sich bereits der Polizist Jürgen (Max Kirchhoff) an ihre Fersen hängt. „Soljanka“ ist ein für Erik Grun eher untypischer Film, nichts für schwache Mägen, und dennoch gewürzt mit Momenten der Komik, für die der Regensburger Filmemacher bekannt ist. In einzelnen Bewertungen auf der Website des Regina Kino kommt der Plot nicht so gut an: „Der Film erfüllte nicht meine Erwartungen“, schreibt ein Zuschauer. Die Handlung wird als spannungslos oder unlogisch beschrieben. Das Publikum im Saal, der in Anbetracht der ungewohnten Kino-Stunde gut gefüllt ist, lacht zwar mehrmals lautstark, schüttelt aber auch immer wieder angeekelt den Kopf – die Geheimzutat der Suppe ist nicht unbedingt leicht bekömmlich. Um zehn nach zwölf endet der Film und entlässt die Kino-Besucher pünktlich zum Mittagessen. Hunger hat sich allerdings nicht breit gemacht, besonders nicht auf Fleischsuppe.
Erik Grun hat das Drehbuch für Hauptdarstellerin Silvana Mähler und auf Anfrage der Erlanger Schock Film Cooperation hin geschrieben, auf deren Festival „Weekend Of Fear” der Streifen am 29. Juni zu sehen ist. Dabei hatte sich der Regisseur einst geschworen, niemals einen Horrorfilm zu machen: „Damals war ich Krankenpfleger”, erzählt er. „Da hab’ ich eine Patientin bekommen, die eine Axt im Kopf hatte. Sie hatte sich mit ihrem Cousin Freitag der 13. angeschaut und der ist völlig ausgerastet. Deswegen wollte ich nie Horror machen.”
Inzwischen mache ihm das Schreiben und Filmen von etwas Skurrilem mit leichter Tendenz zum Horror allerdings Spaß, was man dem Film beim Anschauen durchaus anmerkt.
Lang ruht sich Erik Grun nicht aus: Schon am 15. Juni steht der nächste Dreh in Regensburg an, diesmal wird es ein Kinderfilm. Ein weiteres Projekt ist schon in Planung, erzählt der Filmemacher. Sein Motto: „Tarantino hört nach zehn Filmen auf, Grun fängt erst nach 270 an.”