Wo der Sensenmann noch was dazulernt: Mähen und Dengeln beim LBV in Cham

Von Johannes Schiedermeier · 31. Mai 2024 um 15:00

Da kann auch der Sensenmann noch was lernen. Spätestens nach der Sicherheitsbelehrung weiß er, dass man seine Sense nicht auf dem Rücken trägt. Man trägt sie in der rechten Hand mit dem scharfen Blatt nach hinten. Und das war nur eine Erkenntnis für ihn an diesem Tag. „Mähen und Dengeln“ hieß der Kurs beim Landesamt vor Vogel- und Naturschutz in Nößwartling.

Geschützt wurde an diesem Tag auch der Maulwurf. Stellt man die Sense nämlich richtig ein, dann haut man nicht ständig mit dem Steinschutz an der Spitze in den Boden und der Maulwurf kann seine weiße Fahne wieder einholen.

Flexible Hüfte, gerades Kreuz

Aber – Spaß beiseite – der Kurs mit Volker Seebauer vom Deutschen Sensenverein (ja, auch den gibt es), war ein echter Hort der Erkenntnis für alle, die es leid sind, Insekten mit dem Rasenmäher zu schreddern, und die ihr Gras in einem naturnahen Garten wachsen lassen wollen. In ihrer Begrüßung hatte Elfriede Kelnhofer gleich am Anfang auch eine flexible Hüfte und ein gerades Kreuz angekündigt – auch keine falsche Versprechung.

So mancher scheiterte gleich am Anfang und versuchte, nach einem ersten Hinweis des Sensenlehrers verstohlen sein Arbeitsgerät unfallfrei zu deponieren: Aus dem Weg, nie am Boden und mit Schneide nach oben. Am besten ein bisserl verstecken, oder auf einem Balken hoch oben mit dem Blatt über Kopfhöfe an den Nagel hängen. Nun gibt es auf der Wiese naturgemäß wenige Balken und so versteckte jeder sein Blatt so gut er konnte.

1000 Irokesen

Die Beweggründe der Kursbesucher waren sehr verschieden. Christian hat Wiesen daheim, Dorothea zwei alten Sensen von den Großeltern und eine nasse Wiese, Martina hat eine neue Sense und Gisela muss einen „Ranga“ mähen und kann bisher nur rupfen. Monika will die alte Sense dengeln, weil sich das so super anhört. Martina kennt die Stunde der Wahrheit, wenn sie nach dem Sensen zusammenrecht und aus der Wiese 1000 Irokesen wachsen...

Meine Sense ist aus Metall und 50 Jahre alt. Ihr Ende sollte bis unter mein Kinn reichen, sagt Volker Seebauer. Zack – ich bin raus. Sense um 15 Zentimeter zu kurz. Der 2. Griff sollte hüfthoch sein und sitzt logischerweise auch zu weit unten. Er wird trotzdem nach oben geschraubt. Das macht die Sense nicht länger und nun fehlen die Zentimeter oben. Geht aber einstweilen, sagt der Chef. Na dann...

Dann die erste neue Erkenntnis: Faustgriff! Der Daumen bleibt auf dem Griffholz gestreckt und führt. Das hatte ich noch nie. Hilft aber, das Blatt am Boden zu halten. Wie man das Sensenblatt justiert, erkläre ich jetzt einfach nicht, weil sonst der Text zu Ende ist. Für eine normale Wiese braucht es aber keine Blattlänge über 65 Zentimeter.

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Wenn das Blatt nicht gleitet

Das Blatt soll auf dem Gras gleiten. Das macht es aber nur richtig gut, wenn es nicht verrostet ist. So wie meins. Der Rost löst sich aber auch bei den Übungen, stelle ich fest. Wir lernen: Rücken gerade, locker in den Knien und in der Hüfte, durchziehen, bis man dem Hintermann in die Augen schauen kann. Dann klappt es auch mit dem Mähgut, das sich am Rand sammelt. So weit die schönte Theorie.

In der Praxis arbeiten fast alle zu weit nach vorne gebeugt. Der Sensenmeister checkt mein Arbeitsgerät, weil bei mir die Irokesen wachsen. Das Scharfrichterurteil: „Fühlt sich scharf an, ist aber stumpf!“ Und jetzt? – Augen zu und durch, dengeln ist hernach. Gewetzt darf werden. Dazu soll es ein möglichst weicher Stein sein. Meiner ist raus. Zu rau. Trägt den Dengel zu schnell ab... wenn da einer wäre.

Wir lernen: Sense auf den Boden stellen und gegen den Fuß lehnen, den Blattrücken mit dem Arm sichern. Den Rücken! Sonst fällt der Arm ab (falls die Sense scharf ist, was bei mir kein Problem darstellen sollte). Dann sanft und langsam durchziehen. Auf der flachen Seite flach, hinten wird der Falz am Sensenrücken zum Anlegen genutzt. Einmal vorne, einmal hinten...

Zeit nehmen ist wichtig

Mein Arbeitsgerät fängt an, tatsächlich zu mähen. Das Urteil des Sensenlehrers: „Für stumpf – beachtlich!“ Bevor ich vor Stolz über mich hinauswachse, zeigt er mir aber, dass ich auf den letzten Zentimetern die Spitze nicht unten halte. Das kann ich auch nicht, weil ich viel zu viel Mähgut dabei habe. „Weniger mitnehmen und dafür öfter durchziehen“, so sein Tipp. Ich soll mir Zeit nehmen und nicht die ganze Wiese abmähen wollen.

Davon bin ich weit entfernt, aber dann zeigt er mir, was eine echte Sense ist. Ich darf seine benutzen. Die ist aus Holz , hat einen ausgestellten Griff und schwingt mit Eigenleben. Rasiermesserscharf gleitet sie über die Wiese.

Dengeln oder Plätten?

Das kann ich bei meinem Gerät auch nicht hindengeln, da fehlt es einfach zu weit am Material. Zu starr, zu kurz und der Typ am Gerät – naja.

Volker Seebauer zeigt auf dem Dengelbock auch noch, wo der Unterschied ist zwischen Dengeln und Platthauen. Kurz darauf klingt monotones Hämmern durch die Mühle. Alle sind sich einig: Wir haben gerade erst angefangen zu verstehen und der Kurs war von 8 bis 11 Uhr einfach zu kurz. Auch wenn er bis 12 gedauert hat. Wir bitten um eine Fortsetzung.

Hier noch etwas zum Schmunzeln:

Glosse

Von Johannes Schiedermeier

Schneide stumpf, Stiel zu kurz

Seitdem nennt mich der Schmidberger vom Landesbund für Vogelschutz „Robbespierre“. Nur, weil ich ihm verraten habe, dass ich einen Sensenkurs machen muss, weil meine Maulwürfe die weiße Fahne raushängen, wenn sie die Guillotine kommen sehen. Dabei ist es Allgemeingut: Die größten Feinde der Sense sind Maulwurfshügel und Maschendrahtzäune. Wer schon einmal dort hängengeblieben ist, weiß, wovon ich schreibe. Und nicht zu vergessen: Einschlägige Kollegen in meiner Redaktion haben mich „Sensenmann“ getauft.

Zu Unrecht. Wenn der so mies arbeiten würde wie ich, dann hätten wir alle das ewige Leben. Die ersten Erkenntnisse im Kurs waren echt desillusionierend: Meine Sense hat einen zu kurzen Stil, ist zu starr, und stumpf ist sie auch noch. Dabei hab ich ihr extra vor dem Kurs mit einem Schleifgerät, teuflischer Drehzahl und einem Diamantkopf einen nagelneuen Scheitel gezogen. Das Urteil des Sensenfachmanns: „Wirkt scharf, ist aber stumpf!“ Entwarnung für die Maulwürfe.

Mein Vater hat mich als Kind bei Fehlleistungen auch mal „Dengelhammer“ genannt. Heute weiß ich, dass das ein Kompliment war. Wer mit dem Dengelhammer auf dem Amboss den Grundstock für eine neue Schneide legen kann: Königsdisziplin!

Ich bin raus. Mein Dengelhammer hängt jetzt neben dem kleinen Amboss an der Schuppenwand. Geht gar nicht! Ich hab jetzt einen Schlagdengel-Apparat. Da muss man nur den Kopf der Aufsetzhülsen sauber treffen, dann macht der automatisch den richtigen Dengel in die Schneide. Aber nur, wenn man sie richtig rum auflegt. Sonst bleibt man halt ein Dengelhammer.

Schon bei der Sicherheitseinweisung hat der Sensenmann gemerkt, dass es weiter fehlt. Die Sense falsch hingestellt, und auf dem Rücken hingetragen. So wie man das in jedem guten Cartoon sieht. Da soll der Sensenmann die Leute ja schließlich um die Ecke bringen. Das kann man mit dem scharfen Arbeitsgerät hinter dem Rücken besonders gut. Praktisch ohne hinschaun. Bei einem Kurs ist das nicht so gerne gesehen, wenn man Teilnehmer schon zu Beginn wegmetzelt, bevor sie bezahlt haben. Seitdem trägt der Sensenmann sein Arbeitsgerät in der rechten Hand, Blatt mit dem Rücken nach vorne. Da kann er den Erfolg wenigstens beobachten. Mit dem Sensen ist das nämlich so eine Sache. Ähnlich wie beim Zeitungsredakteur bei einem schwierigen Thema: Je näher man sich beschäftigt, desto mehr merkt man, dass man keine Ahnung hat.

Das Wetzen: falscher Stein, falsche Richtung, falsche Haltung. Das Mähen: zu viel Kraft, zu viel Mähgut, schlecht gedengelte Sense. Das Ergebnis: Nach dem Zusammenrechen stellt sich raus, dass sich Hunderte von Irokesen unter dem Mähgut versteckt haben. Das kommt davon, wenn die Spitze nicht bis zum Schluss am Boden bleibt. Bis zum Sensenmann ist es noch ein weiter.

Das erste Dengel-Trio übt schon fleißig. Im gleichmäßigen Takt hallen die Schläge durch das LBV-Zentrum. Fotos: Schiedermeier
Der Sensenmann lernt beim Sicherheitstrainig: So nicht!
Immer schön in der rechten Hand, Blatt nach vorne innen.