Arnold Schwarzenegger ist Thimo Leiperts Vorbild – das ist dem jungen Saaler darüber hinaus wichtig

Von Etienne Nückel · 28. Mai 2024 um 05:00

Thimo Leipert aus Saal a.d. Donau ist ein aufstrebender Bodybuilder. Vorurteile über hohle Muskelprotze will er widerlegen.

Thimo Leipert (19) ist keiner, der im Felsenbad am Becken entlangstolziert und seine Muskeln präsentiert. Obwohl er es zweifellos könnte. Wenn er im Langquaider Fitnessstudio Numero Uno für einen Wettkampf trainiert, spannen sich unter der Haut Muskelstränge wie Stahlseile. Bizeps, Trizeps, Latissimus und Quadrizeps – alle Muskeln sind groß und definiert. Ein Körper, der an griechische Statuen erinnert. Ein Körper, der im Schwimmbad sicherlich bewundernde oder auch neidische Blicke auf sich ziehen würde. Aber das ist ihm egal, sagt Leipert.

Muskelaufbau ohne Doping

„Ich mache das für mich“, sagt er – „ich will die beste Version von mir sein“. Leipert ist Bodybuilder – und durchaus erfolgreich. Im April und Mai nahm er an zwei internationalen Wettbewerben der German Natural Bodbuilding & Fitness Federation (GNBF) teil. In verschiedenen Kategorien erreichte er vierte, dritte und zweite Plätze. „Ich will mich nie so in den Mittelpunkt stellen“, sagt Leipert. „Aber wenn ich auf der Bühne stehe, bin ich die Rampensau. Da gehe ich richtig auf.“

Trainer Tobias Wocheslander: „Trend: Naturales Bodybuilding“

Beim Bodybuilding geht es darum, durch Training einen athletischen und ästhetischen Körper zu formen. „Der naturale Bodybuilding-Trend ist stark im Kommen“, weiß Leiperts Trainer Tobias Wocheslander (25). Er hat selbst schon an Bodybuilding-Wettbewerben teilgenommen. Heuer trainiere er fünf Athleten – „das ist gerade im ländlichen Raum überraschend“. Beim sogenannten naturalen Bodybuilding sollen Muskeln ohne Doping auf „gesundem und natürlichem Weg“ aufgebaut werden, sagt Wocheslander. Daher finde er den Trend positiv. Auch die GNBF hat sich nach eigenen Angaben „dem gesunden und dopingfreien Bodybuilding verschrieben“. Doping ist nämlich durchaus ein Problem unter manchen Bodybuildern, sagt Wocheslander. Erst 2023 wurde ein ehemaliger Bodybuilding-Champion aus dem Kreis Kelheim wegen Dopinghandels zu rund vier Jahren Haft verurteilt (wir berichteten).

Per Instagram auf Bodybuilding aufmerksam geworden

Leipert wurde als Jugendlicher über das soziale Netzwerk Instagram auf Bodybuilding aufmerksam. „Ich wollte das unbedingt auch machen“, sagt er. Seine Vorbilder sind Fitness-Influencer – und ja, auch Arnold. Immer noch. Gemeint ist Arnold Schwarzenegger, als siebenfacher Mr. Olympia auch heute noch eine Bodybuilding-Ikone. Thimo Leipert in der Kategorie „Classic Physique“ an. Dabei geht es laut Branchenmagazinen um einen ästhetischen und harmonischen Körper in der Tradition Schwarzeneggers, nicht einfach nur um möglichst viel Muskelmasse.

Leipert geht es aber nicht nur um den sportlichen Erfolg: „Ich will vermitteln, dass man immer sein Bestes geben soll.“ Das Training vor Wettkämpfen ist rigoros. Fünf Tage pro Woche trainiert er je eineinhalb Stunden. Zudem befindet er sich in den Wochen vor dem Wettkampf in einem Kaloriendefizit, um den Körperfettanteil zu reduzieren. Bei Thimo Leipert liegt der derzeit, in der Wettkampfphase, bei genau fünf Prozent. Normal sind bei Männern um die 15 Prozent, erklärt Wocheslander. Der Körper wird sozusagen gezielt runtergehungert, damit die Muskeln noch definierter aussehen.

Ohne Ahnung geht es nicht

An dieser Stelle ist Vorsicht geboten, warnt Wocheslander: „Das ist kein normaler Körper. Thimo kann nicht das ganze Jahr so aussehen.“ Der niedrige Körperfettanteil ist auf Dauer nicht zu halten, das wäre auch nicht gesund. Unter professioneller Anleitung sei das für einen Wettkampf ohne gesundheitliche Risiken möglich. Aber als dauerhaftes Schönheitsideal tauge so ein Körper nicht. Und einfach drauf los pumpen sollte man auch nicht, mahnt Wocheslander: Bodybuilding erfordere sehr viel Ahnung und Disziplin.

Hinter Bodybuilding steckt sehr viel Fachwissen über Trainingsabläufe, Ernährung und den menschlichen Körper, betont auch Leipert. Darauf will er hinweisen und so Stereotype über Bodybuilder entkräften: Dass die „hohl“ wären oder nur „Protein essen“ würden. Ohnehin habe Kraftsport für ihn auch jenseits des Körperlichen einen Zweck: „Durch den Sport habe ich Ehrgeiz und Disziplin gelernt. Und das hilft mir auch beispielsweise in meiner Ausbildung zum Industriemechaniker.“

Das Maß beachten – Ein Kommentar von Etienne Nückel

Thimo Leipert ist Extremsportler. Er weist zu recht darauf hin, dass sein Körper eine Ausnahme ist. So kann er nur zu Wettkampfzeiten aussehen – auf Dauer wäre das ungesund.

Diese Klarstellung ist wichtig. Denn Fitness ist gerade unter jungen Leuten ein Trend. Befeuert wird der durch soziale Medien wie Instagram oder Tiktok. Zunächst ist das positiv: Wer Sport macht, lebt gesünder und sieht auch besser aus. Gerade letzterer Punkt dürfte viele Teenager und Junge Erwachsene zum Bankdrücken oder Hip-Thrust motivieren.

Und hier besteht eine Gefahr. Denn nicht alle Fitness-Influencer weisen wie Leipert darauf hin, dass extrem geformte Körper eine Ausnahme sind und dass jahrelanges extrem intensives Training dahinter steckt. Teils werden außerdem Filter verwendet, die Bilder schöner erscheinen lassen. Junge Leute laufen Gefahr, das was sie im Netz sehen, für bare Münze zu nehmen. 38 Prozent der 18- bis 19-jährigen Männer finden sich laut YouGov zu schmächtig. Junge Frauen fühlen sich umgekehrt oft übergewichtig. Daher: Ja, es ist gut, Sport zu machen und an sich zu arbeiten. Aber dabei darf man das rechte Maß nicht aus den Augen verlieren.

Anleitung bekommt Leipert von seinem Trainer Tobias Wocheslander (r.) im Numero Uno Fitness in Langquaid. Fotos: Wocheslander/Nückel
Thimo Leipert (1. v. l.) steht mit anderen Bodybuildern bei einem Wettkampf auf der Bühne (oben).