Rodung für Strom-Autobahn schreitet voran

Frauenzell/Wiesent. Die Haselmaus hätte keine Chance gehabt. Deshalb mussten die Bagger aus Naturschutzgründen warten, bis die kleine Maus, die eigentlich gar keine ist, weil sie zur Gattung der Bilche gezählt wird, Ende April aus dem Winterschlaf erwacht ist. Als sie aus ihrer Höhle kam, wird sie entsetzt gewesen sein, denn der Wald, unter dessen Wurzeln sie sich im Herbst zum Winterschlaf eingegraben hatte, existiert nicht mehr. Ein Harvester hatte auf der kilometerlangen geplanten Trasse für die Gleichstromleitung Süd-Ost-Link zwischen Frauenzell und Wiesent Tausende von Stämmen gefällt.
Die riesigen Holzpolder sind inzwischen weitgehend abtransportiert. Nun hat der Netzbetreiber Tennet, der die Gleichstrom-Autobahn noch ohne Planfeststellungsbeschluss, aber inzwischen mit Genehmigung der Bundesnetzagentur, zu bauen beginnt, das Roden der Wurzelstöcke gestartet. Zwei Bagger reißen seit Tagen mit riesigen Stahlklauen der Marke „Woodcracker“ mächtige Wurzelstöcke aus dem Waldboden. Folgt man dem Weg der Bagger, so begegnet man Bergen von Wurzelstöcken, die sich teilweise zu meterhohen Wällen aufgetürmt haben und man sieht streckenweise Furchen im Boden, die über einen Meter tief sind.
Wie es mit den Arbeiten weitergeht, berichtet Johannes Prechtl, Sprecher des Netzbetreibers Tennet für den Bauabschnitt zwischen Nittenau und Pfatter. Nach seiner Aussage werden die Wurzelstöcke demnächst gesiebt, um das anhaftende Erdreich an Ort und Stelle belassen zu können. Anschließend werden sie gehäckselt und abtransportiert.
Ein Beobachter der Arbeiten kommentierte am Mittwoch, dass die rund 25 Tonnen schweren Bagger nach einer Starkregen-Nacht, in der über 50 Liter Niederschlag pro Quadratmeter gefallen sind, ihre Arbeit fortsetzten. Auf die Nachfrage unserer Zeitung, warum die vorgeschriebene bodenkundliche Baubegleitung unter diesen Umständen wegen Bodenverdichtung keinen Stopp anordnete, versicherte Tennet-Sprecher Prechtl, dass sich die Arbeiten derzeit auf Bereiche beschränkten, in denen das Wasser bereits abgelaufen oder versickert sei, also vor allem Hänge und sandige Flächen. Für die Forstarbeit sei die forstfachliche Baubegleitung zuständig, die das Stockziehen beaufsichtige und auch im Forstmühler Forst anwesend sei, um die Arbeiten zu überwachen.
Ob die Haselmaus inzwischen aus ihrem angestammten Revier getürmt ist und ein neues Zuhause gefunden hat, lässt sich nur mutmaßen. Der Netzbetreiber Tennet hat ihr als naturschutzrechtliche Ausgleichsmaßnahme ein Wohnungsangebot gemacht und im angrenzenden Wald Nistkästen aus Kunststoff aufgehängt.
