Seit 21 Tagen im Ausstand: Servicekräfte des Uniklinikums protestieren in Regensburg

Servicebeschäftigte des Uniklinikums Regensburg haben mit einem Protestmarsch durch die Regensburger Innenstadt für eine bessere Bezahlung demonstriert. Sie wollen nach Tarif bezahlt werden.
Schon von weitem sind die Trillerpfeifen zu hören, laute Sprechgesänge mischen sich darunter: „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Kohle klaut“, skandieren die Demonstranten. Rot-weiße Verdi-Fahnen wehen im Wind.
Schon seit Anfang Mai befinden sich die Beschäftigten der Krankenhaus-Dienstleistungsgesellschaft (KDL) am Uniklinikum in einem unbefristeten Streik. Ihre Forderung: Sie wollen nach dem Tarifvertrag der Länder (TV-L) entlohnt werden, der auch für Pflegekräfte und Ärzte gilt. Der Protest hat am Mittwoch mit einem Demonstrationszug durch die Regensburger Innenstadt einen neuen Höhepunkt erreicht.
13,50 Euro Stundenlohn
Aktuell werden die Servicebeschäftigten nach dem Tarifvertrag des Gebäudereiniger-Handwerks entlohnt. „Wir bekommen 13,50 Euro brutto Stundenlohn. Ich möchte nach Tarif bezahlt werden wie die Schwestern“, sagt Süreyya Piristinä. Die 54-Jährige arbeitet als Reinigungskraft auf der Intensivstation in der Neurochirurgie. Schon seit 24 Jahren ist sie am Klinikum beschäftigt, erzählt sie. „Wir sind auch Menschen und wollen unser Recht.“ Geräte, Bäder, Zimmer – alles müsse gereinigt werden.
„Wir arbeiten zum Teil zwölf Tage am Stück und kommen auf über 200 Stunden im Monat“, ergänzt ihre Kollegin Hülya Ertürk. „Wenn man Nein sagt, bekommt man Druck.“ Weder Coronabonus noch Inflationsausgleich seien bezahlt worden. „Wir werden seit Jahren ausgenutzt“, fügt Servicekraft Okan Saime hinzu. Nelli Nentschuk, KDL-Betriebsratsvorsitzende, kennt diese Klagen nur zu gut. Sie bekräftigt: „Wir streiken weiter bis wir unser Ziel erreicht haben.“ Rund 140 der gut 300 KDL-Beschäftigten beteiligten sich laut Nentschuk an der Demo. 37 seien im Notdienst bei der Arbeit gewesen. Auch Servicekräfte aus den Unikliniken Erlangen und Würzburg protestierten am Mittwoch mit, ebenso wie Pflegekräfte. Rund 300 Streikende waren es insgesamt.
Für Sven Czekal, Verdi-Gewerkschaftssekretär, ist der Streik alternativlos: „Die Arbeitgeber sind nicht bereit, an den Verhandlungstisch zu kommen. Das ist unmöglich.“ 30 Prozent der Operationen müssten abgesagt werden, so Czekal. Die Arbeit der Servicekräfte sei genauso viel wert wie die der Pfleger und Ärzte. „Ihr müsst stark bleiben“, ruft er den Streikenden am Mittwoch zu. Weitere Gewerkschaftsvertreter und Politiker von SPD und Grünen schließen sich an. Mehr als ein Dutzend Grußworte und Solidaritätsbekundungen sind bei der Abschlusskundgebung am Domplatz zu hören.
Auch Dominik Hornauer meldet sich zu Wort. Er arbeitet als Pfleger auf einer Intensivstation am Uniklinikum Regensburg . Die Servicebeschäftigten sind für ihn „Kollegen, mit denen wir seit Jahren zusammenarbeiten“. Daher sei er solidarisch. Die Folgen des Streiks sind laut Hornauer bereits deutlich spürbar: Klos in der Eingangshalle würden stinken, Patienten müssten mit Plastikbesteck aus Aluschalen essen. Angehörige seien darüber zunehmend sauer.
Patienten leiden mit
„Man kann nicht glauben, dass man in einem Krankenhaus ist“, bestätigt eine Frau aus dem Landkreis Cham, die ihren Mann zu einem ambulanten Eingriff ins Klinikum begleitet. Sie habe sich auf der Toilette geekelt und sich über die Zustände geärgert. „Als Patient ist man hilflos.“ KDL-Betriebsrätin Nentschuk weiß, dass Patienten unter dem Streik leiden: „Das tut uns sehr leid.“ Dennoch erlebten die Servicekräfte auch viel Unterstützung seitens der Patienten.
Der Streik und die FolgenAnliegen: „Ein Haus – eine Belegschaft – ein Tarifvertrag“, so lautet die Forderung der Gewerkschaft Verdi. Demnach sollen Servicebeschäftigte nach dem Tarifvertrag der Länder (TV-L) bezahlt werden. Die Differenz kann laut Verdi-Angaben je nach Eingruppierung, Betriebszugehörigkeit und Zulagen bis zu 1000 Euro brutto betragen. Vor allem würden demnach die unteren Lohngruppen profitieren – mit einem Plus von rund 200 bis 500 Euro.
Uniklinikum: Nach Auskunft des UKR gibt es auch im OP-Bereich Einschränkungen aufgrund des Streiks. Verzögerungen bei Operationen würden aber möglichst gering gehalten.
