Neue Trainingsstätte und moderne Ausrüstung: Schwandorfer Boxclub kämpft sich zurück

Von Philipp Breu · 21. Mai 2024 um 11:00

Der Boxclub in Schwandorf war einst eines der sportlichen Aushängeschilder der Großen Kreisstadt. Der 1969 gegründete Verein stellte mehrere bayerische und deutsche Meister – vor allem in den 80er Jahren. Von der einstigen Glanzzeit ist nicht mehr viel übrig. Doch das soll sich ändern.

Thomas Roigk, seit 2022 Vorsitzender, will den Verein wieder in die Erfolgsspur bringen. Auf die ersten positiven Entwicklungen folgte nun aber ein Dämpfer.

„Ich krieg’ den Boxclub schon wieder auf die Füße“, sagt der 61-Jährige selbstsicher. Er ist 2018 dem Verein beigetreten. Das sei damals reiner Zufall gewesen, wie er sich erinnert. Sein Kumpel Athanasios „Saki“ Balkizas, der unter anderem das Bistropolis in der Oberpfalzhalle betreibt, hatte bei einer Sitzung des Boxclubs in seinem Lokal zufällig mitbekommen, dass der Verein einen neuen Vorstand sucht. „Er hat mich dann gefragt, ob ich mir das in einer Doppelspitze mit ihm vorstellen könnte“, so Roigk.

Ein problemloser Umzug

Er habe zwar keine Ahnung vom Boxen, wie er selbst zugibt, verbinde damit aber schöne Jugenderinnerungen. „Das vom Boxclub organisierte Volksfestboxen in Schwandorf war für uns immer ein Highlight. Und wenn einer aus der Clique hier gefehlt hat, musste er die nächste Zeche zahlen.“ Für den Schwandorfer sei klar gewesen, dass der Verein nicht untergehen dürfe. So signalisierte er gleich bei der nächsten Sitzung, dass er sich vorstellen könnte, Verantwortung zu übernehmen, und wurde prompt in die Vorstandschaft gewählt – als Technischer Wart. „Der Saki hat bei der Sitzung gleich gefehlt“, sagt Roigk und lacht.

Weil über die Jahre ohnehin immer mehr Verantwortung an ihm haften geblieben sei, habe er sich 2022 dazu entschlossen, den Posten des Vorsitzenden zu übernehmen. Seitdem sei viel passiert, auch weil die Zusammenarbeit im Team so gut funktioniere. „Ich wäre ohne meine drei Trainer nichts, die Trainer wären ohne mich nichts und wir alle wären ohne unsere Mitglieder nichts“, sagt Roigk. Neue Gerätschaften seien angeschafft worden, einige Sportler konnten akquiriert werden. Im April dieses Jahres bezog der Boxclub, der vorher zwei Mal pro Woche in der TSV-Halle eingebucht war, zudem eine neue Trainingsstätte im Sportpark.

Mitgliedsbeiträge mussten deutlich erhöht werden

Hier wurde ein Teil der Badminton-Halle dauerhaft für den Verein vorgehalten. „Dafür bezahlen wir nun 500 Euro Miete im Monat statt vorher 200“, erklärt Roigk. Um diese zu stemmen, hätten auch die Mitgliedsbeiträge deutlich erhöht werden müssen. „Dafür trainieren wir nun aber auch sechs Mal die Woche jeweils zwei Stunden und können die Halle 365 Tage im Jahr nutzen.“

Zudem wurden und werden die Beiträge auch für neue Ausrüstung hergenommen, beispielsweise für Säcke, Handschuhe oder Springseile. Auch ein Boxring soll bald in die Halle integriert werden. Der Vorsitzende rechnet mit Kosten von insgesamt gut 3000 Euro, dann sollte alles auf dem neuesten Stand sein.

Um die Vereinskasse weiter aufzubessern, organisiert der Boxclub heuer auch wieder ein großes Event am Schwandorfer Volksfest. Das Dultboxen kehrt nach vierjähriger Abstinenz zurück und zwar in Form der Ostbayerischen Meisterschaften, die am Volksfestsonntag, 9. Juni, im Zelt stattfinden.

Festwirt sagte sofort seine Unterstützung zu

Die Vorbereitungen dafür seien von Anfang an gut gelaufen, sagt der Vorsitzende. Sowohl die Stadt Schwandorf als auch Festwirt Gerhard Böckl hätten sofort ihre Unterstützung zugesagt. Er selbst sei bei Sponsoren hausieren gegangen und habe schon einige Werbeplätze im Zelt verkaufen können. Auch einen DJ konnte er gewinnen, der zwischen den Kämpfen für Stimmung sorgt. „Eigentlich ist fast alles erledigt. Die Veranstaltung kann kommen“, sagt Roigk.

Um die Einteilung der Kämpfe kümmert sich der Bayerische Boxverband (BABV) in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Landessportverband (BLSV). Die Ausschreibung sei bereits in Umlauf gebracht worden. Wie viele Kämpfe es geben wird, stehe aber noch nicht fest. Auch der Boxclub Schwandorf wird wohl zwei seiner Sportler in den Ring schicken. Einlass ist um 9Uhr, der Eintrittspreis in Höhe von zehn Euro (Jugendliche von zwölf bis 18 Jahre) und 15 Euro (Erwachsene) kommt dem Verein zugute. Kinder können die Veranstaltung kostenlos besuchen.

Thomas Roigk ist fest davon überzeugt, dass das Volksfestboxen ein voller Erfolg wird. Er rechne mit 800 bis 900 Zuschauern oder gar mehr. „Das Volksfest in Schwandorf ist ja nicht mehr direkt an Pfingsten und konkurriert somit auch nicht mehr mit der Amberger oder der Regensburger Dult.“

Von Übungsleiter getrennt

Doch bei aller Euphorie über die erste eigene Großveranstaltung seit einigen Jahren gab es jüngst auch einen Wermutstropfen zu schlucken. Wie der Vorsitzende erzählt, habe man sich kürzlich von einem Trainer trennen müssen. Es habe sich laut Roigk herausgestellt, dass dieser keine Lizenz mehr besitze, weil er wohl strafrechtlich in Erscheinung getreten sei. „Er hat dann auch ein Paar unserer gut 30 Boxer mitgenommen“, mutmaßt Roigk, der seit ein paar Tagen nur mehr etwa 20 Aktive bei den Trainings zählt.

Für die Durchführung des Volksfestboxens spiele der Verlust aber keine Rolle. Und auch der vakante Trainerposten sei mittlerweile schon wieder besetzt worden. Zudem gibt es laut dem Vorsitzenden wohl bald auch eine Kooperation mit einem Fitnesstrainer. Dieser soll die Sportler auch außerhalb des Boxens fördern und beispielsweise Rehatrainings anbieten.

Und das soll nicht die einzige Neuerung bleiben. Der Vereinschef sieht den modernen Schwandorfer Boxclub breiter aufgestellt. „Ich möchte ein Gesamtpaket generieren“, sagt er. Der 61-Jährige könnte sich beispielsweise auch ein Antiaggressionstraining im zukünftigen Portfolio des Vereins vorstellen sowie Freundschaftskämpfe gegen andere Vereine oder Fitnessmöglichkeiten für passive Mitglieder, sofern diese den Boxbetrieb nicht stören.

Mit all diesen Ideen verfolgt Roigk nach eigenen Angaben das Ziel, den Boxclub wieder da hinzubringen wo er mal war. Und wer weiß, vielleicht reifen im Sportpark zukünftig auch wieder Ausnahmesportler wie Hans Graf, Martin Obertshauser, Richard Kurzendorfer, Uwe Binner oder wie die Brüder Michael, Karl, Alois und Erhard Heigl, die zu ihrer Zeit zahlreiche bayerische und deutsche Meistertitel nach Schwandorf holten.