Mit dem Hund in den Betrieb? – Das sagen Unternehmer im Landkreis Schwandorf dazu

Von Johannes Lesser · 21. Mai 2024 um 05:00

Es ist Mittagszeit an einem sonnigen Tag in Burglengenfeld. Der Laborleiter von Labor Kneißler, Stefan Dorsch, macht sich auf den Weg an die frische Luft – zusammen mit seinem Hund Toni. Ein Vierbeiner im Arbeitsalltag? Für viele Hundebesitzer eine verlockende Vorstellung. Doch wie stehen die Arbeitgeber dazu?

Bieten sonst die Morgen- und Abendstunden unter der Woche nur eine kurze Gelegenheit, um miteinander Zeit zu verbringen, kann sie so auf den gesamten Tag gesteigert werden. In der Theorie. In der Praxis entscheidet der Arbeitgeber darüber, ob Tiere im Büro erlaubt sind oder nicht.

Im Landkreis Schwandorf hat sich eine ganze Reihe größerer Unternehmen mit unterschiedlichen Ausrichtungen niedergelassen. Hunde am Arbeitsplatz? Bei den meisten Fehlanzeige. Wenn man den Spuren der Pfoten folgt, landet man zunächst in Wackersdorf. Genauer beim Standort des Münchener Autokonzerns BMW. Die Mitnahme privater Hunde ist im Produktionsbetrieb aus Sicherheitsgründen untersagt. Jedoch finden sich zwei als Mitarbeiter im Versandbereich. Ihre Aufgabe sei das Durchsuchen der Behälter nach Gefahrstoffen, heißt es vom Unternehmen. Ihr Einsatz ist gesetzlich vorgeschrieben.

Strenge Auflagen

Die Gründe, die Mitnahme von Hunden zu verweigern, sind unterschiedlich. Eine Reihe von Arbeitgebern ist in der Lebensmittelverarbeitung tätig, was aus hygienischen Gründen zur Ablehnung führt. Zu ihnen zählen die Metzgerei Wolf in Schwandorf, Lorenz und Trolli in Neunburg sowie die Molkerei Bechtel in Schwarzenfeld.

Andere Betriebe sahen bislang noch nicht die Notwendigkeit, sich mit der Frage zu befassen. Darunter die Maschinentechniker von Sennebogen in Wackersdorf, ZMT in Bruck und das Müllkraftwerk in Schwandorf. Nabaltec begründet die Ablehnung mit der Gleichbehandlung der Mitarbeiter. Viele Arbeitsplätze würden geteilt, weshalb ein separater Bereich für Hundebesitzer demnach nicht sichergestellt werden könne. Gleichzeitig bestehe die Gefahr, dass die Tiere zeitweise unbeaufsichtigt bleiben würden.

Auch in der Stadt Schwandorf ist die Mitnahme nicht möglich, wie Pressesprecherin Maria Schuierer mitteilt. Beim Landratsamt wurde das Thema erst im Dezember auf einer Personalversammlung angesprochen. Generell dürften laut Hans Prechtl keine Tiere mit ins Gebäude genommen werden. Ausnahmen gebe es jedoch für das Veterinäramt und in Einzelfällen.

Bereits vor 30 Jahren einen Hund dabei

Anders ist es beim Elektronikhersteller EMZ Hanauer in Nabburg. Dort bestehe die Möglichkeit, einen tierschutzgerechten Hundezwinger zur Unterbringung zu buchen, heißt es vom Unternehmen.

Am Neunburger Stadtrand hat F.EE seine Niederlassung. Geschäftsführerin Gerlinde Fleischmann erinnert sich, dass bereits vor 30 Jahren ein Mitarbeiter vom Standort in Darmstadt bei Besuchen seinen Hund mit dabei hatte.

Fleischmann war selbst Besitzerin einer Golden Retrieverin und steht dem Thema sehr offen gegenüber. Nach interner Abstimmung können die Beschäftigten in allen Bereichen ihre Hunde mit zum Standort bringen. Derzeit sind es in Neunburg insgesamt 15. Einer von ihnen ist Gamba. Seit vier Jahren begleitet er den Roboterprogrammierer Mathias Flierl an seinen Arbeitsplatz. „In der Regel liegt er unter dem Schreibtisch“, so Flierl. In der Mittagspause gehe es zum Spazieren.

Laut Fleischmann wirkten sich die Hunde auch positiv auf das Betriebsklima aus. „Jeder lacht, wenn man mit einem Hund durch die Firma spaziert.“ Gleichzeitig ergebe sich dadurch die Gelegenheit, mit Leuten ins Gespräch zu kommen, mit denen man sonst eher weniger zu tun habe, so die Geschäftsführerin.

Abwechslung im Büro

Diesen Eindruck teilt auch Stefan Dorsch. Für ihn bringen die Spaziergänge Abwechslung in den Büroalltag. Toni mitzunehmen, sei nach Absprache mit der Geschäftsführung vor zwei Jahren relativ einfach gewesen, erinnert er sich. An zwei bis drei Tagen in der Woche begleitet der Vierbeiner ihn nun ins Büro. Derzeit ist der Rüde einer von vier Hunden im Labor Kneißler.

Laut Dorsch gebe es auch Beschäftigte, die sich in den Mittagspausen regelmäßig gemeinsam zur Gassi-Runde treffen würden. Möglich mache das der Umstand, dass die Laborbereiche streng durch Schleusen geschützt sind, so das Unternehmen. Die Tiere sind demnach ausschließlich in den Büros zugelassen. Wichtig sei laut Dorsch zudem, dass die Tiere verträglich sind. Bei Toni ist das der Fall, weshalb er sein Herrchen auch weiterhin regelmäßig zur Arbeit begleiten wird.

Bei F.EE in Neunburg sind Vierbeiner keine Seltenheit: Geschäftsführerin Gerlinde Fleischmann, Mathias Flierl sowie Barbara Deml (v. l.) mit Gamba und Günni. Foto: Johannes Lesser