Die Regensburger OTH mischt bei der Quantenforschung vorne mit

Von Marion Koller · 8. Mai 2024 um 19:00

Der bayerische Wissenschaftsminister Markus Blume nimmt in Regensburg Hightech-Anlage für 250000 Euro in Betrieb.

Markus Blume hat am Mittwoch an der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) einen Knopf gedrückt und damit die neue Quantenverschlüsselungsanlage für 250000 Euro in Betrieb genommen. „Selbst wenn man Physik studiert hat, kann man‘s nicht leicht erklären“, sagte der bayerische Wissenschaftsminister bei dem Festakt im Gebäude der Informatik und Mathematik. Eines aber wusste Blume sicher: „Sie haben die OTH ganz vorne und ganz oben einzuordnen. Regensburg wird ein bisschen zu einem Zentrum für die Quantenwelt.“ Die Viertelmillion kommt von der Hightech Agenda Bayern.

Die OTH setzt auf die Quantentechnologie, von der man sich superschnelle Computer, abhörsichere Kommunikation und extrem feine Sensoren verspricht. OTH-Präsident Ralph Schneider bezeichnete die Anlage als bedeutenden Schritt in Richtung zukunftsweisender Innovation. Sie wird in Forschung, Lehre und für Industriekooperationen eingesetzt. Das ist in Bayern einmalig. „Mit dieser Anlage festigen wir unsere Vorrangstellung in der Quantentechnologie und unterstreichen die Verpflichtung zu Spitzenforschung und exzellenter Lehre.“

Studierende profitieren

Im Zusatzstudium Quantentechnologie können Studierende künftig selbst quantenverschlüsselte Nachrichten senden und forschungsnahe Hochtechnologien direkt nutzen. Die OTH gehört dem Munich Quantum Valley an, der Drehscheibe für die Entwicklung dieser Technologien in Bayern.

Professor Wolfgang Mauerer leitet den Forschungslehrstuhl für Quanteninformatik. „Wir erforschen mit der Anlage den praktischen Einsatz der Technologie“, sagte er. „Wir hoffen, dass wir rechnerische Probleme lösen können, bei denen wir momentan gegen Wände laufen.“ Forscher benötigten effizientere Rechner, die mit weniger Energie mehr Informationen verarbeiten.

Mauerer ist überzeugt, dass die Quantenmechanik riesige Chancen bietet. Er möchte die Lücke zwischen Grundlagenforschung und industrieller Anwendung schließen. Ihm und seinem Team ist es auch gelungen, einen Hochleistungsrechner im Wert von einer Million Euro einzuwerben. Dieser simuliert einen noch viel kostspieligeren Quantencomputer. OTH-Präsdient Schneider sagte, der Hochleistungsrechner sei das Herzstück eines Projekts des Bundesforschungsministeriums, an dem sich auch BMW und Siemens beteiligen. „Das Projekt befasst sich mit der Optimierung von Fertigungsaufgaben in der Industrie und zeigt die Stärke unserer anwendungsorientierten Forschung.“

Geladen waren auch Partner aus der Industrie, darunter Sebastian M. Luber, Senior Director Technologie & Innovation bei Infineon in Neubiberg. Das Unternehmen interessiert sich besonders für Quantensensorik und -computer. Luber, der im Bereich Automotive beschäftigt ist, hofft auf genauere Sensoren. „Wir sehen Potenzial für neue Anwendungen und Märkte.“ Ein Quantencomputer knacke Verschlüsselungen wesentlich schneller als ein herkömmlicher Rechner. „Da hilft so ein System, das heute in Betrieb genommen wurde“, sagte Luber.

Infineon verspricht sich viel

Infineon baut und entwickelt Komponenten für Quantencomputer. Der Konzern erwartet aber auch, künftig Fragestellungen mit Quantencomputern zu lösen, bei denen man mit den heutigen Rechnern nicht weiterkommt. Luber nennt ein Beispiel: Bei dem Unternehmen gehen pro Tag Tausende Bestellungen ein, die der Produktion zugeordnet werden müssen. Ein Supercomputer könne eingesetzt werden, um die Fertigungskapazitäten besser auszunutzen.