Gewerbegebiet Teublitz: Erneut Streit um Wert des Waldes

Von Mittelbayerische Zeitung · 3. Mai 2024 um 01:37

Teublitz. Der Chef der CSU-Stadtratsfraktion, Georg Fleischmann, hat mit seinem jüngsten Bekenntnis zum umstrittenen Gewerbegebiet an der A93 (siehe MZ vom 27. April) teils heftige Reaktionen ausgelöst. Insbesondere die Aussage, der betroffene Wald sei durch die Autobahn ohnehin „vorbelastet“ und für den bevorstehenden Verlust würden „weit mehr Ausgleichsflächen geschaffen“, stößt bei Umweltschützern auf Kritik.

Seitens der neu gegründeten Ortsgruppe des Bund Naturschutzes im Städtedreieck haben sich gleich zwei Mandatsträger zu Wort gemeldet, um Contra zu geben. Vorsitzender Harald Söll kann die eingangs erwähnte These überhaupt nicht nachvollziehen. Wenn der Mehrheitsführer im Teublitzer Rat den Wald neben der Autobahn abqualifiziere, klaffe zwischen Lesen und Verstehen eine große Lücke, sagt Söll. Immerhin existiere ein Landschaftsplan, in dem der betroffene Forst ausdrücklich als Klimawald bezeichnet werde. Und kein Geringerer als Ministerpräsident Markus Söder habe solchen Beständen ausdrücklich Schutz versprochen.

Laut Söll wird in den Erläuterungen zum Landschaftsplan explizit gefordert, durch „größtmöglichen Erhalt“ strukturreiche Waldrandbereiche auszubilden. Neben dem Bürgerweihergraben seien auch Moor-, Sumpfwald und Torfmoos-Standorte zu bewahren. Außerdem seien die geforderten Ausgleichsflächen auszuweisen und einem Ökokonto gutzuschreiben. Das sei laut Landschaftsplan noch nicht geschehen, und doch erwecke Fleischmann den gegenteiligen Eindruck.

Falsch sei laut Söll im Übrigen auch, wenn der CSU-Sprecher behauptet habe, 36 Prozent des Gemeindegebiets seien Flora-Fauna-Habitat-Flächen. Die Prozentzahl beziehe sich lediglich auf das Landschaftsschutzgebiet.

Unterm Strich hat Söll den Eindruck gewonnen, dass die CSU Teublitz einen zweifelhaften Kurs eingeschlagen habe. Ihr Motto laute „Vorwärts in die Vergangenheit“. Dabei könnten nicht nur die Mehrheitsfraktion im Stadtrat und ihre Partner, sondern Teublitz insgesamt froh sein, dass es neben der „scheinbar einzigen und tapferen Oppositionspolitikerin Maria Münz“ auch noch Bürgerinitiativen und Umweltverbände gebe. Sie würden immer dann ihre Stimme erheben, wenn es gelte, Gefahren abzuwenden. Der Streit um das Teublitzer Wasser vor rund einem Jahrzehnt sei der beste Beweis dafür gewesen.

Auch Uwe Seidel, Beisitzer in der erst im Januar ins Leben gerufenen BN-Ortsgruppe, bezieht sich auf den Landschaftsplan. Die Ausweisung des Gewerbegebiets widerspreche „komplett“ den darin formulierten Schutzzielen. Offenbar habe im Rathaus den Plan niemand gelesen, sonst hätte man, so Seidel weiter, „verstanden, dass eine 20 Hektar umfassende Waldrodung für ein zweifelhaftes Gewerbegebiet im Klimaschutzwald im Jahr 2024 mit heutigem Wissen nicht zu vereinbaren ist“.

Gerne, so Seidel weiter, würde er im Rat über den Klimawandel referieren und mit wissenschaftlichen Fakten Zusammenhänge erläutern. Doch er selbst hat Zweifel, ob seine Botschaft auf fruchtbaren Boden fallen würde. Schließlich sei der Vorsitzende des CSU-Ortsverbands mit Fabian Biersack der Inhaber eines Planungsbüros, das regelmäßig im Auftrag der Kommune im Rahmen von Bebauungsplänen und sonstigen Planungen tätig sei.