Kreuzung blockiert: Polizei nimmt drei Klimaaktivisten nach Protest in Gewahrsam

Nächste Runde im Klimaprotest 2.0: Aktivisten der Letzten Generation haben am Samstagmittag in Regensburg mit einer sogenannten Ungehorsamen Versammlung die Kreuzung vor dem Gebäude der Mittelbayerischen Zeitung blockiert.
Um Punkt 12 Uhr betraten die Klimaschützer die Straße und setzten sich auf den Asphalt. Die Aktivisten hatten die Kundgebung zuvor nicht offiziell angezeigt. Allerdings haben sie die Versammlung angekündigt – weshalb die Polizei mit einem Großaufgebot bereitstand. Ronja Künkler, prominentes Gesicht der Letzten Generation in Regensburg, betonte per Megafon: „Straßen sollten uns allen gehören.“ Die ersten negativen Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Eine Autofahrerin, vor deren Stoßstange ein Aktivist Platz nahm, stieg aus und machte ihrem Ärger Luft: „Meint ihr, dass ihr damit was erreicht? Wir brauchen alle Sprit!“
Die Polizei kündigte einige Minuten nach Beginn der Versammlung an, diese bis 13 Uhr zu erlauben – dann werde man die Kreuzung zur Not auch räumen. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich etwa 60 Menschen versammelt.
Demo in Regensburg: Sängerinnen, Dinosaurier und Kreide
Die Letzte Generation hatte im Vorhinein angekündigt, dass die Demonstration bunt und laut werde. Genau das geschah: Sängerinnen gaben Mini-Konzerte auf der Kreuzung, Teilnehmer malten mit bunter Kreide auf die Straße und zwei Aktivisten schlüpften in Dinosaurier-Kostüme. Darüber hinaus hielten die Aktivisten Reden. Ronja Künkler sprach von einer „riesigen lähmenden Ohnmacht.“ Die Menschheit steuere auf einen Abgrund zu. „Das Problem an der Klimakrise ist, das sie schleichend kommt.“ Nun sei der Punkt, an dem „wirklich wirklich“ Handlungen gefordert seien. „Aussterben ist eine schlechte Idee.“
Auch am Sonntag wird in Regensburg wieder demonstriert: Demos halten die Stadt in Atem
Leonardo Jost, Mitglied der Klimaschutzgruppe Scientist Rebellion, ergänzte: „Wissenschaftliche Handlungsempfehlungen wurden ignoriert, wissenschaftliche Warnungen haben sich bewahrheitet.“ Die Temperatur der Meere erreiche immer weitere Rekorde, betonte Jost. „Was früher als extrem wahrgenommen wurde, ist heute normal.“ Er betonte allerdings auch: „Das Handlungsfenster der Menschheit ist noch nicht geschlossen. Wir haben wenig Zeit – aber wir haben noch Zeit. Wir können die größten Katastrophen noch abwenden. Wenn wir jetzt handeln, können wir die Welt noch retten.“ Der Widerstand müsse dabei stören. „Weil wir dringend Veränderung brauchen.“
Polizei beendet Versammlung nach einer Stunde
Um kurz nach 13 Uhr meldete sich ein Polizist per Lautsprecher zu Wort. „Jetzt sind wir mal dran. Diese Versammlung ist hiermit beendet.“ Etwa 20 Aktivisten blieben dennoch weiter auf der Kreuzung. Polizeibeamte begannen damit, sie einzeln von der Straße zu tragen und ihre Personalien aufzunehmen. Der Einsatz werde den Protestierenden in Rechnung gestellt, betonte Markus Reitmeier, Sprecher der Polizeiinspektion Regensburg Süd. Drei Mitglieder der Letzten Generation setzten sich nach dem Wegtragen erneut auf die Straße. Sie wurden von der Polizei vorübergehend in Gewahrsam genommen, wie Reitmeier sagte. Gegen 14 Uhr wurde der Verkehr wieder freigegeben.
Eine kleine Gruppe Klimaschützer wollte da jedoch noch nicht gehen und meldete eine Versammlung auf dem Gehsteig an der Kreuzung an. Gegen 15 Uhr löste auch diese sich auf.
