Regensburg feiert ein großes Sportfest - Tausende Fans sorgen für Riesen-Stimmung

Von Jürgen Scharf · 14. April 2024 um 19:00

Die Top-Spiele von SSV Jahn und den Eisbären ziehen die Massen an. Bis zum frühen Abend läuft es zumeist auch komplett friedlich ab.

„Ein Bus kommt noch“, ruft der Polizist den wartenden Fans des TSV 1860 München zu. Diese haben sich an der Westseite des Hauptbahnhofs zusammengerottet. Gerade eben sind schon zwei voll besetzte Busse zum Stadion losgefahren. Die Frage, ob das vielleicht schon der letzte Transfer war oder nicht, ist dann aber schnell beantwortet. Alle lachen. Alles wird gut.

Es ist ein riesiges Sportfest, das Regensburg am Sonntag feiert. Die Fußballer des SSV Jahn spielen am Nachmittag in der dritten Liga gegen den TSV 1860. Am frühen Abend gibt es dann Eishockey mit den Eisbären, die im Meisterschaftsfinale der zweiten Liga gegen Kassel antreten. Beide Arenen waren ausverkauft. Knapp 20 000 Zuschauer kamen so zusammen – und etliche davon nutzten den wunderschönen Frühsommertag davor noch für einen Besuch der Altstadt.

Einen Fan-Schal gestohlen

Am späten Nachmittag zieht Markus Eckl von der Polizeiinspektion Süd eine erste Zwischenbilanz. „Alles in allem ist es gut gelaufen“, sagt er. Knapp 2000 Fans der Münchner seien gekommen, schätzt er. Letztlich habe es nur einen richtigen Vorfall gegeben. Ein Jahn-Fan habe einem Löwen-Fan den Schal geraubt und sei in einer Gruppe untergetaucht. „Diese mussten wir dann komplett kontrollieren“, erzählt Eckl. Darüber hinaus sei im Kern aber alles ruhig geblieben: Es habe – zumindest bis zum frühen Abend – keine Verhaftungen oder Arreste gegeben.

12 Uhr am Hauptbahnhof. Es sind noch eineinhalb Stunden bis zum Anpfiff im Jahnstadion. Sogenannte Kommunikationsbeamte der Polizei kümmern sich um die Fans. Sie beruhigen, ermahnen und helfen mit Auskünften weiter. Die häufigsten Fragen, erzählt einer der Beamten, sind: „Wo ist das Klo?“und „Wo fährt der Bus?“.

Bis zum Spiel herrscht hier am Knotenpunkt beider Fangruppen eine wunderbare, friedliche Atmosphäre. Zwischen den Anhängern des Jahn und des TSV 1860 soll es ohnehin keine besondere Rivalität geben. Eine Garantie ist das aber natürlich auch nicht immer. „Bislang läuft aber wirklich alles super“, erzählt einer der Polizisten. Auch beim Alkohol halte sich bislang alles in Grenzen. Die Jahnfans, die mit dem Zug kommen, werden Richtung Albertstraße geleitet, die „Löwen“-Fans können direkt vorm Hauptbahnhof in separate Busse einsteigen.

Offensichtlich schon riesig Lust auf das Fußball-Spiel haben Nico und Mario aus Schrobenhausen. Die beiden sind eingefleischte Fans des TSV 1860 und gerade mit dem Zug angekommen. Wie geht’s heute aus? „2:1 für Sechzig“, sagt Nico. „1:1, Regensburg ist ja Tabellenführer“, sagt Mario – und wird damit am Ende voll ins Schwarze treffen. Auf der Anreise sei „alles super“ gewesen, sagen sie: „Auch die Bahn war ausnahmsweise sogar mal pünktlich“, sagt Mario mit einem Schmunzeln.

„Hatten schon ganz andere“

Knapp hundert Meter weiter östlich stehen die Jahn-Fans am Bahnhofsvorplatz. Auch Simon und Timo. Beide sind aus Regensburg und fahren jetzt mit dem Bus zum Stadion hoch. „2:0 für den Jahn“, tippen sie einstimmig. Und mit Randale rechnen sie heute nicht. Sie glauben, dass es ein friedliches Fußball-Fest wird: „Mit den Löwen sollte es schon werden, da hatten wir auf jeden Fall schon ganz andere hier.“

13.15 Uhr. Noch eine Viertelstunde bis zum Anpfiff in der Arena. Der ganz große Anreiseverkehr rund ums Stadion ist vorbei. Nur noch ein paar Nachzügler biegen mit dem Auto hektisch in die Zufahrtsstraßen ein. Ein junger Mann im Fußball-Trikot steht mit seinem Mazda gerade an der Ampel und tippelt nervös auf dem Lenkrad herum. Laute Rap-Musik donnert durch die offenen Fenster. Jetzt noch einen Parkplatz finden. Dann noch bis zum Platz im Stadion kommen. Das wird eng.

Viel entspannter sind da die zwei jungen Männer, die gerade auf den Eingang zum Gästefanblock zugehen: Benedikt Mißlbeck aus Wenzenbach im Jahn-Trikot und Peter Griesbeck aus Bernhardswald im Dress der Löwen. Gelebte Fanfreundschaft? „Aber sicher, das geht schon“, sagt Griesbeck mit einem Lachen.

Ein großes Aufgebot an Beamten hatte die Polizei nach Regensburg geschickt, um für Sicherheit zu sorgen. Auch eine Reiterstaffel patrouilliert im Umfeld des Bahnhofs. Etwas Aufregung gibt es am Vormittag in der Gesandtenstraße. Weil mehrere Dutzend Löwen-Fans in einer Gaststätte am Arnulfsplatz feiern, richtet die Polizei nicht weit davon entfernt eine „Kontrollstation“ für Jahn-Fans ein. „Wir wollten damit vermeiden, dass es überhaupt zu einem Aufeinandertreffen kommt“, sagt Eckl.

Ansonsten ist es zumindest in den nächsten paar Stunden ein wunderbares Fußball-Fest. Einlaufkinder auf dem Rasen sind heute die F-Junioren des SV Saal. Überglücklich sitzen sie danach auf der Tribüne und verfolgen mit großen Augen das Spiel. „Ja, das ist ein Riesen-Erlebnis für alle. Der eine oder andere hat da nicht geschlafen heute Nacht“, erzählt ihr Trainer Tobias Schulz.

Etwas verärgert sind einzig ein paar Fans des TSV 1860, die einen aus ihrer Sicht viel zu großen Umweg laufen mussten, um vom Bus zu ihrem Stadionblock zu kommen. „So kannst du das nicht ernsthaft planen“, beschwert sich einer.

Überall strahlende Gesichter

Doch ansonsten gibt es an diesem Tag fast überall nur strahlende Gesichter. Auch der Polizist, der den Fans am Bahnhof die Nachricht vom Bus überbringt, ist gut drauf. „Ist aber nur ein Neun-Mann-Bus“, sagt er mit einem Schmunzeln – und löst kurz danach auf: „Nur Spaß.“ Die Lacher hat er aber auf seiner Seite. Und ein Münchner Fan ruft ihm freundlich zu: „Ach, wär schon gegangen, hätten wir uns halt aufeinandergehockt.“

Auch die Reiterstaffel war im Einsatz. Foto: Scharf
Einer Löwe, einer Jahn: gelebte Fan-Freundschaft Foto: Scharf
Ein Teilstück der Gesandtenstraße wurde für eine Kontrollaktion der Polizei gesperrt. Foto: Hell