Nach Traktorunfall bei Velburg laufen 15.000 Liter Gülle aus – Kampf gegen die Gülleflut

Von Anika Ferko, Markus Rath · 12. April 2024 um 19:00

Gülle stinkt nicht nur buchstäblich zum Himmel. In großer Menge ist sie auch eine Gefahr. Deswegen kämpften Einsatzkräfte, Bevölkerung und die Mitarbeiter des Landratsamts nach dem Gülleunfall in Velburg (Landkreis Neumarkt) am Donnerstagabend bis spät in die Nacht und noch einmal am Freitag, um Trinkwasser und Umwelt zu schützen.

Rückblick: Donnerstagabend, kurz vor 19 Uhr. Wie in Zeitlupe beobachtet eine Anwohnerin des Velburger Ortsteils Freudenricht, wie ein Traktor mit einem großen Gülleanhänger aus Hörmannsdorf kommend von der Staatsstraße 2251 in die Kreisstraße NM 36 Richtung Dantersdorf einbiegen will. Dabei kippt der Anhänger um und bleibt auf dem Dach liegen. 15.000 Liter ergießen sich auf die Straße.

Die Frau erzählt, dass sie zu dem Zeitpunkt mit ihrer Familie im Garten saß, als der Unfall passierte. „Sowas sieht man auch nicht alle Tage“, sagt sie und deutet auf die besagte Kreuzung. Es habe einen lauten Knall gegeben. „Als ob man einen Luftballon platzen lässt“, beschreibt sie die Situation.

Großaufgebot im Einsatz

Es ist Freitagvormittag, von dem Großaufgebot an Feuerwehr und Polizei, das hier am Donnerstagabend bis spät in der Nacht gegen die Güllefluten kämpfte, ist zu diesem Zeitpunkt nichts mehr zu sehen. Nur der strenge Geruch liegt noch in der Luft, vereinzelte Güllepfützen am Straßenrand lassen auf den Unfall schließen.

Gefahren wurde der Traktor bei dem Unfall von einem 17-Jährigen, berichtet die Polizei, die eine überhöhte Geschwindigkeit beim Abbiegevorgang als Unfallursache vermutet. Zum Glück sei dem 17-Jährigen nichts passiert, sagt die Anwohnerin und schüttelt den Kopf. Hätte sich der Anhänger nicht von dem Bulldog abgekoppelt, hätte auch dieser umkippen können – mitsamt dem jungen Fahrer.

Dass sich die Folgen dieser Gülleflut trotzdem in Grenzen halten, ist wohl mehreren positiven Umständen zu verdanken. „Unsere Feuerwehr hatte zu diesem Zeitpunkt gerade mit 30 Mann für eine Leistungsabnahme trainiert, als die Alarmierung kam“, berichtet am Freitag Velburgs Bürgermeister Christian Schmid.

„Alles und jeder hat geholfen.“

Deswegen seien die Einsatzkräfte schon nach wenigen Minuten am Unfallort gewesen. Dort kämpften die Feuerwehrleute aus Velburg und Ronsolden zusammen mit dem THW Parsberg und der Dorfgemeinschaft aus Freudenricht gegen die Gefahr für Trinkwasser und Umwelt. „Die Straße war komplett voller Gülle“, beschreibt die Anwohnerin die Lage. Die Jauche habe sich in Sekundenschnelle auf das Grundstück an der Kreuzung zubewegt. Eine aufgeschüttete Barriere aus Steinen habe kurzerhand als Schutzwall gedient. „Alles und jeder hat geholfen. Das ist das schöne an einer Dorfgemeinschaft“, betont sie.

Keine unmittelbare Gefahr für das Trinkwasser

Das bestätigt auch Schmid, der als Bürgermeister stolz auf diesen Zusammenhalt ist. „Die Dorfgemeinschaft hat vorbildlich mitgeholfen und großartig mit den Einsatzkräften zusammen gearbeitet“, sagt er und hebt besonders Fuhrunternehmer Jürgen Sporer heraus.

Der habe sofort einen Bagger geholt und mitgeholfen, dass die Gülle zusammengeschoben und die Straßengräben zumindest teilweise ausgebaggert wurden. Der Bürgermeister – selbst aktiver Feuerwehrmann – sei telefonisch ständig mit dem Einsatzleiter in Kontakt gewesen.

Und so bestand – trotz des Unglücks – laut Franz Herrler, Werkleiter des in diesem Gebiet tätigen Wasserzweckverbands Laber-Naab, keine unmittelbare Gefahr für das Trinkwasser. Denn der Unfallort befindet nicht innerhalb eines Wasserschutzgebiets, das Trinkwasser der Laber-Naab wird aus weiter entfernten Brunnen gewonnen. Und auch die Stadt Velburg, die auch selbst als Wasserversorger fungiert, besitzt in diesem Bereich keine Brunnen.

Herrler lobt schnelle Reaktion

Außerdem wurde am Donnerstag laut Herrler sehr schnell reagiert. „Das ist im Jurakarst sehr wichtig. Denn durch die viele Dolinen könne es bei starkem Regen sehr schnell passieren, dass Schadstoffe ungefiltert ins Grundwasser und damit auch irgendwann an einer anderen Stelle ins Trinkwasser gelangen“, sagte er. Hier habe das trockene Wetter die Gefahr deutlich reduziert.

Am Freitagnachmittag wurden dann die Güllereste vom Vortag beseitigt. Wolfgang Seitz, stellvertretender Sachgebietsleiter Technischer Umweltschutz/Staatliches Abfallrecht beim Landratsamt Neumarkt, berichtete, dass sich vor allem in den Gräben entlang der Straße die verbliebene Jauche gesammelt hat. Um die Felder, auf denen bereits ausgesät wurde, nicht zu beschädigen, musste ein spezielles Fahrzeug zum Einsatz kommen: ein sogenannter Schreitbagger.

„Wir fangen an der Unfallstelle an und arbeiten uns vor“, erklärt Seitz. Das Ausbaggern der Gräben dauere mehrere Stunden. Die zusammengetragene Gülle werde schließlich auf landwirtschaftliche Flächen ausgebracht.

Die Gülle aus dem umgestürzten Fahrzeug wurde mit einem Bagger zusammengeschoben und dann in ein bereitgestelltes Güllefass gepumpt. Foto: Haubner/viforga