Zahlreiche Einwände: Langquaid erteilt Amazon-Logistikpark Absage

Von Alexandra Nurtsch · 11. April 2024 um 11:00

Die Langquaider Markträte haben sich in ihrer Sitzung am Dienstagabend einstimmig gegen den geplanten Logistikpark Stocka ausgesprochen. Die Zunahme des Verkehrs und die angespannte Wohnsituation sind zwei der Einwände, die in der Stellungnahme zum Bauleitplanverfahren gegen das Projekt vorgebracht werden.

Außerdem behält sich der Markt rechtliche Schritte vor.

Für die Stellungnahme holte sich der Markt Langquaid Unterstützung von einem Fachanwalt, der die Unterlagen des Bauleitplanverfahrens prüfte. Das Projekt sei einfach zu groß und die Auswirkungen nicht abzuschätzen, begründete Bürgermeister Herbert Blascheck den Schritt. „So etwas kann man nicht aus der Emotion heraus entscheiden.“

Verkehr nicht berücksichtigt

Was aus Sicht des Markts bei den Planungen des Logistikparks völlig außer Acht gelassen worden sei, sei die Entwicklung der Verkehrsströme in Richtung Langquaid und B15 neu, sagt Blascheck am Mittwoch. In der Stellungnahme wird kritisiert, dass die mögliche Lärmbelastung durch die Verkehrszunahme nur im Umkreis von 500 Metern vom Betriebsgelände untersucht worden sei.

Auch die angespannte Wohnsituation wird in der Stellungnahme angesprochen. „Im Vorfeld hätte ein Konzept erstellt werden sollen“, sagt Langquaids Bürgermeister. So sei nicht klar, ob der Markt Rohr in der Lage sei, den Wohnraum für die Mitarbeiter des Logistikparks bereitzustellen, heißt es in der Stellungnahme. Darin wird auch auf die unklaren Auswirkungen auf den angespannten Wohnungsmarkt der Nachbargemeinden verwiesen, die „erhebliche Herausforderungen“ für die soziale Infrastruktur nach sich ziehen könnten.

Der Markt Langquaid befürchtet auch Auswirkungen auf die Wirtschaft. Durch die mehr als 2000 Mitarbeiter in den Logistikzentren werde es für die örtliche Wirtschaft schwieriger, Fachkräfte zu finden. Zudem werde durch den weiteren Ausbau des Internethandels der innerstädtische Einzelhandel verstärkt beeinträchtigt, heißt es in der Stellungnahme. Überhaupt sei nach Auffassung des Markts für das Projekt ein Raumordnungsverfahren erforderlich.

PV-Anlage statt Logistik

Die Fraktionssprecher hatten sich bereits im Vorfeld mit der Stellungnahme befasst. In der Sitzung ergriff Peter-Michael Schmalz (ÖDP) das Wort. Er zeigte laut Pressemitteilung noch einmal mögliche Auswirkungen des Logistikparks auf die Nachbargemeinden auf. Er forderte den Markt Rohr auf, die Planungen für den Logistikpark einzustellen und hatte eine Alternative für den Standort parat. Er schlug vor, dort eine Freiflächenphotovoltaikanlage zu errichten. Auf einen Schlag könnten so die Bedenken der Nachbargemeinden ausgeräumt werden, sagte der Markt- und Kreisrat.

Einstimmig fällten die Markträte dann folgenden Beschluss: „Der Markt Langquaid beschließt die vorliegende, von Rechtsanwalt Dr. Busse erarbeitete Stellungnahme zum Bauleitplanverfahren des Marktes Rohr, Logistikpark Stocka‘, und beauftragt das Büro Döring – Spieß Rechtsanwälte diese dem Verfahrensträger fristgerecht zuzuleiten. Der Markt Langquaid lehnt die Planung des Logistikparks ab und behält sich rechtliche Schritte vor.“

Am nächsten Tag wurde die Stellungnahme an den Markt Rohr weitergeleitet.